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Suche nach dem Sachsen-Wort des Jahres

Gesucht wird wieder die bedrohte, die schönste und die beliebteste sächsische Vokabel. Und das Reisen spielt eine besondere Rolle.

Tom Pauls freut sich auf die Lieblingswörter der Sachsen.
Tom Pauls freut sich auf die Lieblingswörter der Sachsen. © Thomas Kretschel

Sächsinnen und Sachsen lieben das Reisen. Sie wären am liebsten immer unterwegs, wenn es denn gehen würde. Die Weltenbummler haben für das Unterwegssein ihre ganz speziellen Vokabeln. Wenn sie starten, dann sagen sie zum Beispiel: „Mir wärn ma fordmachn“, „ma naus machn“ oder „uns off dä Sockn machn“. Das Fernweh quält schon viel zu lange ihre Seelen. Allerdings weiß auch jeder hier, dass die Sachsen die einzigen Menschen auf der Welt sind, die schon Daheeme Heimweh haben.

Jetzt, wo alle zu Hause bleiben müssen, ist die Vorfreude umso größer, wenn das Reisen irgendwann wieder möglich sein wird. Der Bewegungsdrang ist unermesslich und äußert sich im Wortschatz. So heißt es hier: „Mir rammln los.“ Wobei rammln in dieser Sprachlandschaft nichts weiter bedeutet als schnell laufen oder wandern. Sächsinnen und Sachsen wollen sich im Urlaub etwas ansehen, also angucken. Ganz wichtig, sehen, gucken, glotzen, gaffen, lunzen nicht schauen.

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Das Schauen ist ein Importwort. In Franken, Bayern und Österreich, da schauen die Menschen. Aber in Sachsen sieht man durch. Sachsen ist sehenswert, hier befinden sich massenhaft Sehenswürdigkeiten. Von Schauenswürdigkeiten hat hier noch nie jemand etwas gehört und erst recht nicht gesehen.

Gerade weil die Reisefreiheit eingeschränkt ist, müssen wir darüber reden. Deshalb sucht die Jury für das „Sächsische Wort des Jahres“ ab sofort nicht nur die bedrohte, die schönste und die beliebteste sächsische Vokabel des Jahres, sondern auch spezielle Wörter, die das Reisen beschreiben. MDR-Sachsen und Sächsische Zeitung starten ab sofort die Suche danach. Bis Ende Juni läuft die Aktion, und am 3. Oktober werden die Siegerwörter verkündet. Das sächsische Wort des Jahres wird seit 2008 gekürt. Ziel der Aktion ist es, aussterbende sächsische Wörter zu retten, die Sprache der Sachsen zu pflegen, ihr Wohlklang in das Bewusstsein zu bringen und die Mundart als wichtigen Teil der deutschen Sprache zu fördern.

Übrigens wäre für das Reisen ein sächsisches Navigationssystem im Auto schön. Das Gerät verrät dann mundartgerecht, wo es gleich langgeht. Es ruft richtungsweisend: „Rechds niebr, links niebr“ oder: „eefach gradezu“. Gradezu ist übrigens nicht nur eine Fahrtrichtung, sondern kann auch eine sächsische Charaktereigenschaft sein. Das Sachsen-Navi warnt selbstverständlich ebenso vor einem Stau und ruft im Fall eines im Gebirge drohenden hohen Fahrzeugaufkommens: „Noffzus is immrzu zu.“ Die Warnung vor sogenanntem Stop-and-go-Verkehr in der Gegenrichtung lautet: „Nundrzu is ab und zu zu.“ Und wenn sich die Frage stellt, wie man wieder nach Hause kommt, dann antwortet der elektronische Orientierungsberater: „Nachheeme gehds redour.“ Das heißt so viel wie: „Nach Hause fahren Sie einfach dieselbe Strecke zurück.“

Sollten Sie jetzt inspiriert sein, ihre sächsischen Wortfavoriten einzusenden, so schicken sie die Vokabeln an die Sachsen-Wort-Jury, der unter anderem Schauspieler Tom Pauls, MDR-Sachsen-Redakteur Andreas Berger sowie Mitglieder der Leipziger Lachmesse angehören.

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