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Uwe Tellkamp: "Großer-Bruder-Reflex" bei AfD und Pegida

Bald erscheint der neue Roman des Dresdner Schriftstellers Uwe Tellkamp. In einem Interview spricht er über den Krieg in der Ukraine und seine Verbindung zu Russland und Dresden.

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Uwe Tellkamp
Uwe Tellkamp ©  Christian Juppe

Anfang kommender Woche erscheint im Suhrkamp Verlag das neue Buch von Uwe Tellkamp. Der knapp 900 Seiten umfassende Roman "Der Schlaf in den Uhren" ist die Fortsetzung seines Bestsellers "Der Turm", mit dem der Autor 2008 den Deutschen Buchpreis gewonnen hat.

Im Februar, schon vor Beginn des russischen Angriffskriegs, hat Tellkamp eine Autoren-Petition für die Ukraine unterzeichnet. Das sei für "ein ganz elementarer Großer-Bruder-Reflex" gewesen, wie er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erzählt. "Und auf Pegida oder die AfD einzudreschen, das löst bei mir solche Bruder-Reflexe aus", wie er weiter sagt.

Auf seine Beziehung zu Russland angesprochen, warnt Tellkamp vor Pauschalurteilen. "Ich bin weit davon entfernt, irgendjemanden in Sippenhaft zu nehmen für das, was sein Staat mit ihm veranstaltet. Das hab ich selbst erlebt. Ich war Soldat in einer Armee, die ich gehasst habe."

"Ich bin kein Fremdenfeind"

Tellkamp spricht auch über seine Heimatstadt Dresden, die einen wesentlichen Einfluss auf seine Werke hat, weil er dort sozialisiert wurde. Er verteidigt die Stadt gegen ihren teilweise schlechten Ruf: "Dresden wird immer unterstellt, ihr habt gar keine Fremden, ihr könnt darüber nicht reden, aber wir haben Augen im Kopf, wir reisen rum, und ich will nicht wie Frankfurt werden, ich habe keine Lust auf Frankfurter Zustände."

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Er sei kein Ausländerhasser oder Fremdenfeind, sagt Tellkamp. Doch er will unter Achtung anderer Kulturen seine eigene erhalten. "Ich muss mich rechtfertigen dafür, dass ich Deutscher bin, dass ich es wage, mich auf Goethe zu beziehen." Zu Pegida sagt der Schriftsteller, es gebe "Leute, die proletarisch direkt sind, Gewalttäter, mag alles sein. Die Demonstrationen, die ich kenne, sind nicht so. Da läuft die gesellschaftliche Mitte mit, das sind keine Idioten." Tellkamp steht seit Jahren wegen Aussagen in der Kritik, die ihn in die Nähe der rechtsintellektuellen Szene verorten.

Passend zur Veröffentlichung von Tellkamps Buch sendet 3sat die Dokumentation "Der Fall Tellkamp. Streit um die Meinungsfreiheit". Neben Uwe Tellkamp, Susanne Dagen und Paul Kaiser werden dazu die Schriftstellerin Monika Maron, der Autor Ingo Schulze, der Theatermacher Heiki Ikkola, die Autorin Jana Hensel, der Theologe und Politiker Frank Richter sowie die Journalisten Stefan Locke (FAZ) und Martin Machowecz (DIE ZEIT) befragt. (SZ/fa;mxh)

  • "Der Fall Tellkamp. Streit um die Meinungsfreiheit"; Mittwoch, 18. Mai 2022, um 20.15 Uhr bei 3sat