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Wem gehört die Kunst?

Das fragt die Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst in einer famosen Ausstellung.

Arbeit von Johanna Kandl "Who is afraid of red, yellow and blue?" in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig
Foto: GfZK
Arbeit von Johanna Kandl "Who is afraid of red, yellow and blue?" in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig Foto: GfZK © GfZK

Von Sarah Alberti

Wer ein Kunstwerk kauft, darf entscheiden, wo und wie es präsentiert wird. Die Idee gehört weiterhin der Person, die sie künstlerisch ausformuliert hat – wobei künstlerische Arbeit immer auch im Austausch mit anderen entsteht und maßgeblich dadurch geprägt ist, wer über welches Wissen und Ressourcen verfügt. Was passiert, wenn Kunstwerke in den Besitz von Museen gelangen? Wie verändern sich Bedeutung und (Markt-) Wert? Wem gehören die Bestände einer öffentlichen Sammlung, Stichwort Enteignung und Raubkunst? Es sind große Themen, die der Ankündigungstext einer Ausstellung in der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig aufwirft. Ihre Verhandlung leistet die Präsentation nur bedingt.

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Anna Haifisch liefert gegenüber dem Kassentresen eine ironisch-humorvolle Antwort: Lebensgroße Figuren, die alle ein wenig an Donald Duck erinnern, bestaunen ein wurmartiges Wesen, das hinter einer Glaswand auf dem Boden liegt, gefilmt von einer Handykamera. „This is so real!“, „Sooo Contemporary“, steht in den Sprechblasen. Auf den zweiten Blick ist das Gesicht des Schweizer Super-Kurators Hans Ulrich Obrist zu erkennen. Wer blickt hier auf wen?

Die ausgestellten Bilder, Installationen, Filme und Objekte werden von Helmut und Johanna Kandls Recherchen zu Materialien der Malerei zusammengehalten. Das Paar geht ihnen buchstäblich auf den Grund, untersucht Terpentin, Gummi Arabicum, Mastix, Perlleim und Leinöl auf Stofflichkeit und Herstellung und reist an die Orte, wo sie gewonnen und verarbeitet werden. Das Interesse hat auch biografische Gründe: Johanna Kandl verbrachte als Kind viel Zeit in der Farbenhandlung ihrer Eltern. Unweit davon befindet sich heute ihr Wiener Atelier.

Gleich einem Leitsystem sind Tür- und Fensterrahmen der GfZK-Villa in verschiedenen Farben gehalten. Wandtexte informieren über Lein, seit Jahrhunderten das wichtigste Bindemittel für Ölfarben, dessen Verwendung als Leinwand die Malerei revoltierte. Großformatige Gemälde konnten nun kostengünstig gefertigt und transportiert werden. Kandls an Illustrationen aus Welterklärbüchern der DDR erinnernde Leinwände ziehen sich durch die Schau, thematisieren Menschen, Handelsbeziehungen und Kolonialisierung, die in die Produktion von Kunst eingeschrieben sind.

Seit Bestehen der GfZK ist es ihr ein Anliegen, lokale Themen im Zusammenhang mit globalen Entwicklungen zu bearbeiten. Anlässlich der Ausstellung hat sich Kandl mit der Geschichte der Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Villa auseinandergesetzt. Bauherr Hermann Credner (1841–1913) war ein bedeutender Geologe und kartierte die Region Sachsen. Gesteinsproben aus seiner geologischen Sammlung sind nun in sein einstiges Wohnhaus zurückgekehrt.

Stein taucht auch in drei Videos der Kunstfigur Natascha Süder Happelmann wieder auf – sie waren 2019 Teil des von GfZK-Direktorin Franciska Zólyom kuratierten Deutschen Pavillons in Venedig. Ein Körper mit einem steinähnlichen Gebilde auf dem Kopf bleibt vor Ankerzentren stehen, bewegt sich als Tramper durch Italien und steht vor einem Rettungsschiff im Zollhafen von Trappani. Wofür steht der Stein? Für Entmenschlichung? Für versteinerte Köpfe? Oder für die Last von Geflüchteten auf ihrem Weg in die Festung Europa? Fragen, die auch zwei Jahre nach der Biennale nicht an Aktualität verloren haben. In einem anderen Video von Anna Witt sprechen Kinder über nicht eindeutig zu decodierende Pressebilder, spekulieren darüber, ob es sich um Penner oder um Menschen handelt, die ihr Land verlassen mussten. Es sind diese thematischen oder formalen Querverbindungen, die die Werke innerhalb der etwas zu groß geratenen Diskursklammer zusammenhalten.

Bewegliche Objekte von Haegue Yang, Farbflächen aus Stoff und Jalousien, die zwischen sich einen Raum bilden, fragen nach Transparenz und Abgrenzung. Im vergangenen Jahr noch Teil einer Sonderausstellung zu Kunst und Handwerk, scheinen sie angesichts der Corona-Pandemie nun für den Rückzug ins Private zu stehen, für den individuell verfügbaren Raum. Museen sind dritte Orte des Austauschs, der Inspiration, der Auseinandersetzung mit anderen Menschen und alternativen Lebens- und Denkmodellen. Als solche fehlen sie seit Monaten. Auf fröhlich gemusterten Sitzbänken von Céline Condorelli können Interessen und Ideen zu den Themen und Werken der Ausstellung notiert werden. Die Ergebnisse werden fortlaufend präsentiert, Teil der Sammlung und sollen künftig in die Arbeit der GfZK einfließen.

Bis 27. Februar 2022 in der GfZK Leipzig, Karl-Tauchnitz-Str. 9 - 11, geöffnet (wenn die Inzidenzzahlen es zulassen) Di–Fr 14–19 Uhr, Sa/So 12–18 Uhr.

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