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Feuilleton

Wie hätte Peter Ensikat das gesagt?

Der Autor und Kabarettist Wolfgang Schaller denkt an seinen Freund, der an diesem Dienstag 80 Jahre alt geworden wäre.

Frank-Walter Steinmeier (SPD), damals noch Außenminister, mit Peter Ensikat (li., 1941 - 2013) und unserem Autor Wolfgang Schaller (re.) 2009 vor einem "Stern der Satire" des Deutschen Kabarettarchivs.
Frank-Walter Steinmeier (SPD), damals noch Außenminister, mit Peter Ensikat (li., 1941 - 2013) und unserem Autor Wolfgang Schaller (re.) 2009 vor einem "Stern der Satire" des Deutschen Kabarettarchivs. © dpa

Von Wolfgang Schaller

Er war ein Glücksfall in meinem Leben. Er war 35 Jahre mein Schreibpartner, ohne den es in all den 35 Jahren der Zusammenarbeit jene Programme, die ein Stück Kabarettgeschichte gerschrieben haben, nicht entstanden wären. Er ist ein Glücksfall. Denn er ist gar nicht weg.

Gut, er sitzt jetzt auf einer atheistischen Wolke und spielt vielleicht mit Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder Skat. Und es ist ohne sie, die ich meine Freunde nennen durfte, ein bisschen einsamer geworden. Aber immer noch, wenn ich am Schreibtisch nach Pointen suche, denk ich: Wie hätte das Pit gesagt?

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Und ich würd gern wie einst zum Telefonhörer greifen und ihn anrufen. Immer dann, wenn die Resignation siegte, da war einer da, der Mut machte weitzuschreiben: Lass uns weiter den Mund aufmachen, damit auch andere den Mund aufmachen. Damit es nicht so bleibt, wie es ist. Das war in der Diktatur. Aber ich würd auch heute diesen Satz gern als Mutmacher von ihm hören: Damit es nicht so bleibt. Diese Hoffnung auf Veränderbarkeit war und ist Triebfeder beim Schreiben. Peter Ensikats Texte waren nie laut, nie derb, immer leise, intelligent, sie haben mich oft an Tucholsky erinnert. Aber wer kennt heute noch Tucholsky.

Die Welt hat Weltveränderer nie geliebt, und dass einst zu Mauerzeiten das greise Politbüro an uns vorbeizitterte und Honecker uns den Nationalpreis an die Brust nagelte, aber uns über zwanzig Jahre später Hans-Walter Steinmeier mit dem Stern der Satire rehabilitierte - ach, es waren komische Zeiten. War es einst ein ganzer Funktionärstrupp der Partei, der den Vorhang im Kabarett nicht aufgehen ließ - heute schafft das ein Virus. Und es gäbe so viel zu sagen. Komm mal kurz runter von Deiner Wolke, lieber Freund, wir brauchen dich.

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