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Zum „Fluch der Karibik“ abtauchen im virtuellen Meer

Kein Orchester in Sachsen ist so innovativ wie die Elbland Philharmonie. Jetzt sagt es sogar dem Plastikmüll den Kampf an.

Von Bernd Klempnow
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So könnte es aussehen, wenn die Elbland Philharmonie im März 2023 zu einem analogen Konzert mit Bildern einer virtuellen Unterwasserwelt zu einer Reise „Unten im Meer“ einlädt. Erste Infos gibt es zum ersten „Tag der offenen Tür“ am 10. September im Schub
So könnte es aussehen, wenn die Elbland Philharmonie im März 2023 zu einem analogen Konzert mit Bildern einer virtuellen Unterwasserwelt zu einer Reise „Unten im Meer“ einlädt. Erste Infos gibt es zum ersten „Tag der offenen Tür“ am 10. September im Schub © Marc-Dave Maier Photography

Die Titel sind Programm: „Superman“ und „Wonder Woman“, aber auch „Der Pate“, „Aladdin“ und „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ – die Musiker der Elbland Philharmonie Sachsen werden mit dem Sound dieser Hollywood-Filme ihre neue Spielzeit einläuten. An diesem Sonnabend tun es die Musiker im Hof von Schloss Sonnenstein in Pirna. Tags darauf begleiten sie hier zudem Tom Pauls alias Ilse Bähnert, die sich in einen Musikprofessor verliebt bei „Ilses Tubamania“.

Das ist kein Zufall, denn ähnlich wunderbar und noch facettenreicher wird es die ganze Saison weitergehen. Ob Unterhaltungsprogramme, Konzerte im Weinberg oder in Hallen und Theatern, ob Dom- und Kirchen-Aufführungen, Kammermusik, Chorsinfonik, Opern in den Landesbühnen und Rathen sowie vor allem viele Kinder-Konzerte auf Spielplätzen, in Schulen ... Bis Ende Dezember sind mehr 75 Aufführungen geplant. Jetzt stellte Chefdirigent Ekkehard Klemm das Programm vor – zunächst nur fürs erste Halbjahr. Man wolle abwarten, was im Winter wegen Corona möglich sei.

Chefdirigent Ekkehard Klemm hat die Elbland Philharmonie in relativ kurzer Zeit sehr leistungsfähig gemacht.
Chefdirigent Ekkehard Klemm hat die Elbland Philharmonie in relativ kurzer Zeit sehr leistungsfähig gemacht. © Claudia Hübschmann

Der Eindruck täuscht nicht: Die Elbland-Musiker beginnen nicht nur als Erste im Freistaat die Saison 2022/23. Sie gehören zu den fleißigsten – und das obwohl sie sich nach der jüngsten Orchesterfusion immer noch in einer Konsolidierungsphase befinden. Chefdirigent Klemm ist es zu verdanken, dass der aus ehemals vier Orchestern entstandene Klangkörper der Kulturräume Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und Meißen in relativ kurzer Zeit leistungsfähig und unverzichtbar für die Region geworden ist. „Wir erleben nach dem Ausscheiden älterer und Vorspielen neuer Leistungsträger einen deutlichen Verjüngungsprozess“, so Klemm. Anders könnte er es auch nicht wagen, ab der kommenden Woche auf der Felsenbühne Rathen mit seinem Team Richard Wagners heikle Oper „Der fliegende Holländer“ zu stemmen.

Es gibt die bewährten Formate und natürlich erklingen Publikumslieblinge wie Bach, Mozart, Schubert und Orff. Stark engagiert sich der Klangkörper seit Klemms Amtsantritt im Sommer 2017 für die Moderne. Zwei Uraufführungen wird es geben, eine vom Dresdner Wilfried Krätzschmar, der Worte des legendären Häuptlings Noah Seattle für Bariton und Orchester vertont. Auch Modern-Klassiker wie Siegfried Matthus’ „Der Wald“ sind zu erleben.

„Kampf“ um die Hörer

„Wir sind immer auf der Suche nach verrückten Projekten“, sagt Geschäftsführerin Carola Gotthardt. Und wieder ist es ihrem Team gelungen, dank Bundesmitteln zwei innovative Experimente vorzubereiten. Eine Hip-Hop-Sinfonie mit den besten Breakdancern und Beatboxern Deutschlands soll Facetten dieses Lebensgefühl und Diversität präsentieren. Einmaliges wird es ebenso mit einem Unterwasser-Konzert geben. Das Orchester geht zwar nicht baden, spielt aber live Musik mit Wasser-Bezug vom „Holländer“ über „Fluch der Karibik“ bis zu „La Mer“. Das Electric Dance Theatre Frankfurt visualisiert die Reise „Unten im Meer“ in einer 3D-Hologramm-Lichtshow. „Wir wollen nicht nur für Musik und Kunst begeistern, sondern für Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit werben, also auch für den Kampf gegen Plastikmüll in den Meeren.“

Interessant wird auch der „Kampf“ um die Hörer. „Das Publikum verändert sich erheblich. Außergewöhnliche Formate wie die Konzerte im Weinberg und Open Air funktionieren bestens, traditionelle Aufführungen hingegen nicht mehr überall. Wir müssen völlig neue Wege gehen, um für unsere Angebote mit Printprodukten sowie in den sozialen Medien zu werben. Auch mit mehr niedrigschwelligen Programmen versuchen wir, jene zu erreichen, die bislang Scheu vor der Klassik hatten. Es bleibt spannend.“

Stark engagiert für Kinder

  • Neben all den Philharmonischen, Weihnachts-, Neujahrs- und Kirchen- und Stipendiatenkonzerten sowie Unterhaltungsprogrammen und Oper stehen Offerten für Kinder und Jugendliche im Fokus.
  • Bei den Angeboten für klassische Kinderkonzerte gibt es u. a. einen Querschnitt der selten zu hörenden Naumann-Oper „Orpheus und Euridice“ mit Sängern, Statisten und Musikern auf der Bühne.
  • Ferner gibt es Kuschel-, Spielplatz- und Halloweenkonzerte, Musik in der Kita, Musik im Klassenzimmer sowie Von der Probe ins Konzert! und Mittendrin mit dem jungen.studio der Landesbühnen.
  • Weitere Informationen und teils auch kurzfristige Anmeldungen unter Tel. 03525 722612 sowie [email protected] de