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Kulturdenkmäler warten auf Sanierung

© dpa

Sie sind einzigartiges Erbe - und Last zugleich. Denkmalgeschützte Häuser zu erhalten, ist etwas für Liebhaber. Zum Tag des Offenen Denkmals stehen „unbequeme“ Kulturgüter im Mittelpunkt.

Dresden. Schlösser, Gründerzeithäuser und Fabrikanlagen - in Sachsen gibt es mehr als 100.000 Denkmäler. Vor allem in den Großstädten und in den Speckgürteln sind viele gut in Schuss, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Dagegen droht zahlreichen Kulturdenkmälern auf dem Land der Verfall. Nach Schätzung des Landesamtes für Denkmalpflege sind zwischen 50 und 85 Prozent der Denkmäler in Sachsen saniert. „Das ist aber von Region zu Region stark unterschiedlich“, sagte Landeskonservatorin Rosemarie Pohlack.

In Zittau etwa gebe es eine wunderbare denkmalgeschützte Altbausubstanz - dennoch sei etwa die Hälfte des Bestandes unsaniert. Bei den meisten Denkmälern in Sachsen handelt es sich um Wohngebäude, ein Großteil davon ist in Privatbesitz. Die Sanierung ist keine leichte Aufgabe. „Vor allem Privateigentümer können leicht mit der Sanierung überfordert werden“, sagte Pohlack.

In den vergangenen Jahren seien bereits zahlreiche technische Denkmale von der Bildfläche verschwunden - Bahnhöfe, Fabriken oder Industriedenkmale. Rund 6.500 stehen heute noch in Sachsen. „Viele Gemeinden können diese riesigen Anlagen einfach nicht bewahren, weil Kosten und Aufwand zu groß sind.“ Viele Denkmale würden als Schandflecke wahrgenommen. „Oft aber ist die Schönheit versteckt“, betonte die Expertin.

Probleme der Denkmalpflege stehen zum „Tag des offenen Denkmals“ am 8. September im Mittelpunkt. Dann öffnen in Sachsen knapp 700 Gebäude, Parks oder Schlösser unter dem Motto: „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ Dazu zählen etwa solche, die an Krieg erinnern, Industriedenkmäler oder vom Verfall bedrohte Gebäude. Der Auftakt wird im Schloss Hubertusburg in Wermsdorf gefeiert.

Nach Angaben des Innenministeriums stehen in diesem Jahr fünf Millionen Euro an Landesmitteln für Kulturdenkmäler zur Verfügung. Mit weiteren fünf Millionen werden Sonderprogramme der Denkmalpflege unterstützt, um etwa junge Familien beim Erhalt von Umgebindehäusern in ländlichen Regionen zu unterstützen. Aus dem von Bund, Ländern und Gemeinden finanzierten Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ flossen 2012 knapp 53 Millionen Euro nach Sachsen.

Sachsens Grüne warnen vor zunehmendem Verfall. Das Landesprogramm für den Erhalt von Kulturdenkmalen sei in den vergangenen fünf Jahren von zwölf auf fünf Millionen Euro pro Jahr zusammengestrichen worden. Vor allem engagierte private Denkmaleigentümer würden dadurch alleingelassen. Für die frühere sächsische Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) ist die größte Baustelle der Umgang mit den Industriedenkmalen. „Sachsen tut sich schwer mit deren systematischem Erhalt.“ Es gelte, nicht nur Sachsens „Glanz und Gloria“ zu bewahren, sondern auch die Zeitzeugen der Industriekultur.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat in Sachsen bisher rund 51,6 Millionen Euro in die Rettung bedrohter Denkmäler investiert. Mit dem Geld wurden 726 Bauten saniert, darunter die russisch-orthodoxe Kirche in Leipzig sowie zahlreiche Bürgerhäuser und Kirchen in Görlitz. (dpa)