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Kunden kaufen Stollen scheibchenweise

Die Qualitätsansprüche an das weihnachtliche Backwerk sind gestiegen. Dafür werden auch höhere Preise akzeptiert. Aber nicht von jedem.

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© André Braun

Von Helene Krause

Großweitzschen. Das Kaufverhalten der Kunden hat sich verändert, stellt Franziska Seyffarth, Inhaberin der Bäckerei Körner, fest. „Aufgrund der Vielzahl der Stollen werden jetzt mehr portionierte Stücke gekauft, als ganze Stollen“, sagt sie. „Trotzdem gibt es noch Kunden, die traditionell am ersten Advent oder zu Weihnachten einen kompletten Stollen anschneiden.“

Die meisten Kunden bevorzugen aber halbe- oder Viertelstollen. „Wer guten Stollen haben will, schaut nach der Qualität“, meint Franziska Seyffahrt. Deshalb suche die Bäckerei das ganze Jahr über nach guten Rohstoffen. „Wir wollen unseren Kunden eine gleichbleibende gute Qualität bieten.“ Dafür würden sie auch Preiserhöhungen in Kauf nehmen. Das sieht aber nicht jeder Kunde so. Monika Soujon aus Ostrau kommt jedes Jahr zum Stollenmarkt nach Großweitzschen. Für gute Qualität möchte sie keine höheren Preise zahlen. Doch die niedrigeren Preise über Jahre zu halten, ist für das Unternehmen nicht möglich. Die Teuerung ergibt sich meist durch höhere Rohstoff- und gestiegene Energiepreise.

Der Stollen, den die Bäckerei Körner anbietet, wird noch mit der Hand geknetet. Auch alle anderen Arbeiten zur Herstellung des Weihnachtsgebäcks, wie das Buttern, werden von Hand verrichtet. „Die Kunden wollen ein Geschmackserlebnis haben“, sagt Franziska Seyffarth. „Sie möchten gute Rohstoffe und keine trockenen Stollen.“ Das bestätigen die Döbelner Sandra und Sylvio Heidrich. Sie sind mit ihren Kindern Jannik und Leonie nach Großweitzschen gekommen, um Stollen zu kaufen. „Der soll nicht, zu trocken sein“, meint Sandra Heidrich. Stollen verschenken sie selten und wenn, dann an die Eltern.

Viele Geschmacksrichtungen

Beim zwölften Stollenmarkt in Großweitzschen werden unter anderem die klassischen Rosinen- und Mandelstollen, aber auch dieselben Sorten mit Schokolade verfeinert, Cranberry- und Mohnstollen, Mohnstriezel, Nougat- und Marzipanstollen angeboten. Rita Koch aus Schrebitz sowie Ursula und Jürgen Otto aus Oschatz sind mehr für Süßes. Trotzdem wollen sie auch anderen Sorten probieren. Während Rita Koch das erste Mal auf dem Stollenmarkt in Großweitzschen ist, waren die Ottos schon oft hier. Ebenfalls um ersten Mal ist Barbara Lorek aus Littdorf in Großweitzschen dabei. Auch sie möchte Stollen kaufen. Große Ansprüche an das Backwerk hat sie nicht. „Ich möchte ihn mit Rosinen und Mandeln“, sagt sie. Höhere Preise nimmt sie für gute Qualität in Kauf. Wie sie verrät, verschenkt sie jedes Jahr Stollen an Verwandte in Bayern.

Doch nicht nur Stollen gibt es zum Stollenmarkt. Außer dem Backwarenangebot können die Kunden auch Fleisch- und Wurstwaren kaufen. Ein Künstler stellt mit seiner Kettensäge Holzplastiken her. Es gibt Stände mit Keramik, Volkskunst aus dem Erzgebirge, eine Sternenfabrikation, ein Geschenkestübchen, einen Stand, an dem Schilder individuell beschriftet werden.

Zu Beginn der Veranstaltung zeigt der Hort der Schule Döbeln Ost ein kleines Programm. Auch die Kinder der Grundschule und des Kindergartens in Großweitzschen unterhalten mit vorweihnachtlichen Liedern und Gedichten. Dann folgt der traditionelle Stollenanschnitt. Abends gibt es ein Konzert mit dem Chor des Lessinggymnasiums Döbeln und zum Abschluss, einen Lampionumzug. Der wird vom Roßweiner Spielmannszug begleitet.