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Riesa

Kunst aus Stahl

Christian Schmit und seine Kollegen erschaffen tonnenschwere Skulpturen für Riesa.

Metallbildhauer Christian Schmit steht am Turm seines Kunstwerkes.
Metallbildhauer Christian Schmit steht am Turm seines Kunstwerkes. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Von Christian Kluge

Riesa. Sonnabend war Halbzeit – sozusagen. Da gab es ab 19 Uhr einen Einblick in die Arbeit der fünf Männer, die Metall als Material für ihre Kunstwerke ins Herz geschlossen haben. Bis dahin hatten Christian Schmit und seine Mitstreiter schon zwei Wochen an neuen Ausstellungsobjekten für die Elbestadt geschweißt. Am 12. Oktober ab 17 Uhr werden die fünf fertigen Stahlkonstruktionen dann der Öffentlichkeit präsentiert. „Solche Symposien für Metallbildhauer gibt es kaum in Deutschland“, sagt Schmit, der dieses Treffen in Riesa maßgeblich vorbereitet hat.

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Symposium ist eine Riesaer Premiere

Übrigens eine Premiere in der Elbestadt, obwohl mit Feralpi ein großes Stahlunternehmen seit Jahrzehnten seinen Produktionsstandort genau hier hat. Und sich schon seit Jahren die 25 Meter hohe Eisenskulptur „Elbquelle“ von Künstler Jörg Immendorf vor dem Riesenhügel am Hotel Mercure erhebt. So groß werden die Schöpfungen von Schmit und seinen vier Kollegen nicht, aber gewichtig sind sie schon. „Wenn ich fertig bin, dann wird das hier sicher so um die drei Tonnen wiegen“, sagt der Leipziger, der in Halle an der Saale fünf Jahre lang für seinen Diplom-Abschluss als Metallbildhauer studiert hat, beim Blick auf den hohen Turm, einen Würfel und eine große Kugel, die schon fertig sind.

Um das erste Metallbildhauersymposium in Riesa auf die Beine zu stellen, benötigte der 39-Jährige allerdings einige Unterstützung – und bekam sie auch. „Feralpi stellt uns den Stahl und die Stahlreste zur Verfügung. „Die Firmen Rime und Freyler unterstützen uns mit der Nutzung der großen Halle hier. Und Rehm sponsert die Schweißgeräte.“ Außerdem können die fünf Künstler die vier Wochen kostenlos in zwei Riesaer Wohnungen übernachten. „Aber ansonsten spielt sich in dieser Zeit alles hier in der Halle ab“, erzählt Schmit. „Wir sind jeden Tag von 10 bis 23 Uhr hier und arbeiten.“ Selbstversorgung inklusive. Sogar einen kleinen Grill hat das Künstler-Quintett in der Halle am Start.


Und wie sind die fünf Metallbildhauer in dieser Zeit finanziell aufgestellt? Christian Schmit ist schließlich in Leipzig mit der eigenen Werkstatt seit 2010 als Selbstständiger tätig, hat eine Frau und einen gerade mal elf Wochen alten Sohn im Heimartort Großlehna bei Markranstädt. Schmit steckt sich eine Zigarette an, zwirbelt ein bisschen in seinem Bart und sagt: „Wir bekommen von Sponsoren auch Honorar in der Zeit, in der wir hier arbeiten. Und wir fahren natürlich am Wochenende auch zu unseren Familien.“

Ohne gute Freunde geht das nicht

Mit einem Kleinkind und der Frau in Elternzeit sieht es für den 39-Jährigen ja noch richtig gut aus. Johannes Schütz, der ebenfalls in der Messestadt zu Hause ist und in Riesa an einem Metallkunstwerk schweißt, hat es da schon etwas schwerer mit der Organisation des Familienlebens. „Meine Frau ist voll berufstätig, und wir haben drei Kinder im Alter von zehn, sieben und fünf Jahren“, sagt Schütz. „Ohne gute Freunde oder Opa und Oma würde das hier gar nicht gehen.“ Deswegen war der Leipziger am Sonnabend auch nicht in Riesa, um seinen angehenden Riesenschädel selbst zu präsentieren.

Doch wie wird man eigentlich Metallbildhauer? Christian Schmit verrät etwas aus seinem Werdegang. „Ich habe nach der Schule erst mal Schmied gelernt und vor 19 Jahren meinen Gesellenbrief bekommen. Danach habe ich angefangen, mir eine Werkstatt aufzubauen. Und bis 2010 habe ich dann an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale den Studiengang Plastik und Bildhauerei Metall erfolgreich absolviert.“ Mit Diplom also. Danach machte sich Schmit selbstständig und ist seitdem hauptberuflich als freier Künstler tätig.

Bleibt die Frage, was mit den fünf fertigen und nicht gerade kleinen Kunstwerken aus Metall werden soll, wenn sie denn Mitte Oktober fertig sind. „Sie sollen in Riesa bleiben. Eventuell werden sie auf einer Freifläche von Feralpi aufgestellt. Aber der Oberbürgermeister ist noch am Überlegen, ob es bessere Standorte gibt“, sagt Christian Schmit, bevor er sich wieder an sein Schweißgerät begibt. Schließlich ist noch einiges zu tun an seinem Kunstwerk.

Link zur Webseite des Künstlers