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Kunst statt Kantine bei Robotron?

Für die alte Betriebsgaststätte gibt es jetzt zwei Pläne. Auch ein Abriss ist nicht ausgeschlossen.

© Marion Gröning (Archiv)

Von Sandro Rahrisch

Über 500 Puddings, 400 Quarkspeisen und 300 Salatschalen haben die Küchenkräfte der Robotron-Betriebsgaststätte täglich für die SB-Vitrinen zubereitet. Zusätzlich wurden die erste und zweite Schicht des volkseigenen Betriebs mit 4 500 Portionen warmen Speisen versorgt. Die Kantine gehörte in den 80er-Jahren zu den größten Dresdens und versorgte auch Schulen im Zentrum mit Essen. Heute brodelt es immer noch. Allerdings nur, wenn es um den verwaisten Flachbau geht.

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Die Frage, ob die Robotron-Kantine abgerissen wird oder eine Chance bekommt, ist weiterhin ungeklärt. Dabei hatte der Stadtrat im März den klaren Auftrag an das Rathaus erteilt, nach Zukunftsperspektiven für das Gebäude zu suchen. Ende August sollten Vorschläge auf dem Tisch liegen. Man prüfe noch, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Derzeit untersuche das Hochbauamt den Zustand der Kantine. Man wolle herausfinden, was eine Sanierung kosten würde. Insgesamt soll der Investitionsaufwand aber in Grenzen gehalten werden.

Bisher sind zwei Einrichtungen als zukünftige Mieter im Gespräch. Zum einen das Dresdner Kunsthaus, die städtische Galerie für Gegenwartskunst. Zum anderen haben sich mehrere Initiativen wie das Netzwerk „Ostmodern“ und die Dresdner Kreativwirtschaft mit Professoren der Technischen Universität zusammengeschlossen und schlagen ein Forschungslabor für die Kantine vor, in dem es um Zukunftstechnologien geht.

Ziel des öffentlich zugänglichen „Future Research Lab“ sei es, eine Brücke zwischen Bürgern und Gästen der Stadt und ihrer herausragenden Wissenschaftslandschaft zu schlagen, um das Verständnis für aktuelle Forschungsfragen zu stärken, sagen die Initiatoren. Als zentraler Knotenpunkt biete die leer stehende Robotron-Kantine für Dresden eine einzigartige Möglichkeit, die Arbeit an der Zukunft von Mensch und Technik sichtbar werden zu lassen. Eine Raumplanung gibt es schon. Die Zukunftsgalerie „Future Gallery“ zeige Forschungsprojekte, Prototypen und Modelle in einem Ausstellungsbereich. Im Wissenschaftsstudio „Science Studio“ könnten Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam an einem Projekt arbeiten – quasi Forschen im Herzen der Stadt. Weiterhin sind Räume für Start-ups sowie Testlabore vorgesehen.

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain könnte sich am ehesten eine städtische Einrichtung vorstellen, wenn mit dem Umzug die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter verbessert würden und darüber hinaus die bisherigen Mietkosten eingespart werden könnten, sagt er. Der Umzug des Kunsthauses wäre deshalb eine Option, die untersucht werde. Mit dem Raumprogramm sei man aber noch nicht fertig. Für das Netzwerk „Ostmodern“ muss es nicht auf die Frage „entweder Kunsthaus oder Zukunftslabor“ hinauslaufen. Beides nebeneinander habe auch seinen Reiz, erklärte Mitgründer Matthias Hahndorf kürzlich im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung. „Das sind für mich keine gegenläufigen Konzepte.“

Der Abriss des Flachbaus ist auch noch eine Möglichkeit. Der Plan der Stadt war es, an dieser Stelle den benachbarten Blüherpark zu erweitern, auch als Ausgleich für das neue Wohngebiet, das auf dem alten Robotron-Gelände entstehen soll. Eine Abrissgenehmigung hat der Grundstückseigentümer schon. „Mit ihm ist vereinbart worden, das Gebäude vorerst nicht abzubrechen“, so der Baubürgermeister.