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Kunst und Bau im Zentralwerk

In Pieschen erschaffen sich Künstler und Kreative ihren Wohn- und Lebensraum. Das stößt auf Anerkennung.

© Sven Ellger

Von Sophie Arlet

Während im Hof die Bauarbeiter mitten in der Sanierung des letzten Gebäudes stecken, wird im kleineren Gemeinschaftshaus gerade die nächste Performance vorbereitet. Baugeschehen und Kunst gehen beim Zentralwerk e.V. in Pieschen Hand in Hand. Auf dem Gelände der ehemaligen Druckerei an der Ecke Riesaer und Heidestraße bauen der Verein und die gleichnamige Genossenschaft Ateliers, Genossenschaftswohnungen und ein soziokulturelles Zentrum. Am Donnerstag haben die Mitglieder ein symbolisches Richtfest gefeiert. Wie Restauratorin Sonja Kaeten und Denkmalpfleger Sascha Wolff sind die meisten Genossenschaftsmitglieder zugleich Bauherren und Bauarbeiter und haben in den vergangenen Monaten für die Entkernung des alten Hauses gesorgt. Nun sind die Maurer, Zimmerleute und Monteure an der Reihe.

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Seit dem Baustart im Herbst 2015 ist bereits einiges geschafft, bis September sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. „Die Architekten haben uns gewarnt, es könnte groß werden. Und es ist groß geworden“, sagt Lutz Schneider. Er ist der Geschäftsführer der Zentralwerk Kultur- und Wohnungsgenossenschaft, die sich um die Sanierung des Gebäudekomplexes kümmert. Das Grundstück gegenüber der alten Mälzerei stand seit 1996 leer. Gegründet haben die Genossenschaft 2014 zehn Mitglieder des Vereins, der ursprünglich in der Friedrichstadt angesiedelt war. Doch weil das Gelände dort verkauft wurde, haben sich die Mitstreiter in Pieschen ein neues Areal gesucht und Anfang 2015 über eine Stiftung gekauft. Auf 7 000 Quadratmetern entstehen dort jetzt 66 Ateliers und Gewerberäume sowie 22 Wohnungen. 38 Ateliers konnten die Künstler bereits im Dezember 2015 beziehen. Sie befinden sich in den turmartigen Gebäudeteilen rechts und links vom Haupthaus. In dem wird künftig in den unteren Etagen gearbeitet, in den oberen gewohnt.

Alle Räume werden so weit hergerichtet, dass sie genutzt werden können. Für die Mieter bleibt aber noch genug Arbeit übrig. Das schlägt sich aber auch im Preis nieder. So beträgt die Kaltmiete für die Wohnungen 4,20 Euro, für die Ateliers 4 bis 5,20 Euro. „Dafür müssen die Mieter dann das Bad selber fliesen“, so Geschäftsführer Schneider. Und auch sonst bleibt den Bewohnern bei der Gestaltung der Loftwohnungen viel Spielraum.

Seit der ersten Bauphase laufen auf dem Gelände auch Kunstprojekte. Unter dem Titel „Transformance“ hat der Verein eine Reihe ins Leben gerufen, die die Verwandlung des Areals begleiten soll. Momentan bereitet die Choreografin Dana Caspersen die nächste Performance vor. Sie findet am Freitag und Sonnabend im großen Saal des Gemeinschaftshauses an der Heidestraße statt. Dabei wird das Publikum selbst Teil der Choreografie. Auch die Kulturstiftung des Bundes ist schon auf die Reihe aufmerksam geworden und fördert die insgesamt vier Projekte mit 35 000 Euro.

Künftig soll sich das Gemeinschaftshaus zu einem Zentrum für Soziokultur entwickeln, mit Auftritten von Dresdner Künstlern und Gästen. Auch ein Ausstellungsraum und eine Kneipe sollen dort entstehen. In diesem Jahr werden die Mitglieder zudem noch das 10-jährige Bestehen ihres Vereins feiern. Der hatte bereits die Namen Friedrichstattpalast und Friedrichstadtzentral. Der Neustart als Zentralwerk in Pieschen ist bereits geglückt.

www.zentralwerk.de