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Kunststoffhersteller mit Rückkehr-Option

PTFE Nünchritz produziert für die Chemie- und Autoindustrie. Mitarbeiter zu halten, ist in dem 140-Mann-Betrieb Chefsache.

© Sebastian Schultz

Von Dörthe Gromes

Glaubitz. Einfach mal einen anderen Arbeitgeber ausprobieren – und dann zum vorherigen Betrieb zurückkehren, weil man feststellt, dass es einem dort besser gefallen hat. Und das alles mit dem Segen seines Betriebes? Was ungewöhnlich klingt, ist beim Glaubitzer Kunststoffverarbeiter PTFE Nünchritz möglich.

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Dr. Dirk Harste, Geschäftsführer PTFE Nünchritz: „Wir versuchen, die Mitarbeiter Mensch sein zu lassen – das vergessen viele Chefs.“ © Sebastian Schultz

Maschineneinrichter Sven Kirst und Anja Ewert vom Qualitätsmanagement haben sich woanders ausprobiert – und dann die Rückkehr-Option gewählt. Zwar könne er über den Interimsarbeitgeber nichts Schlechtes sagen, erzählt Sven Kirst. Aber dort habe er sich gefühlt wie eine bloße Nummer. Erst nach seinem Weggang von PTFE habe er gemerkt, dass ihm mit der alten Firma auch ein Stück Heimat fehlte. Anja Ewert ging es ähnlich: „Als ich weg war, habe ich auf einmal die alten Kollegen vermisst.“ In Glaubitz habe sie Leute, mit denen sie auch mal über private Probleme reden könne, sagt sie.

Die beiden PTFE-Mitarbeiter sind sich einig: Das familiäre Betriebsklima ist es, was ihren Arbeitgeber von anderen unterscheidet. Das wirkt durchaus glaubhaft, denn geht man durch die Werkhallen, fällt der lockere Umgang der Beschäftigten miteinander auf – hier eine Begrüßung, dort ein Scherz. Vor- und Nachname jedes Angestellten stehen auf dem blauen Arbeitsoverall, sodass jeder immer sofort weiß, mit wem er es zu tun hat. Die einheitliche Arbeitskleidung zeigt Betriebszugehörigkeit.

„Während man in anderen Firmen bei Betriebsfeiern meist nur an einem Tisch sitzt und über die Arbeit redet, denken sie sich bei uns immer etwas aus“, erzählt Schichtleiter Sven Kirst. So sei man mal mit der gesamten Belegschaft zum Bowlen gegangen, dabei kämen dann auch mal andere Themen als die gewohnten auf. Sehr gut in Erinnerung haben beide PTFEler das Sommerfest, bei dem die Mitarbeiter mit angemieteten Quads über die firmeneigene Wiese brettern konnten. Auch gemeinsame Ausflüge, zum Beispiel auf den Weihnachtsmarkt, stünden regelmäßig an.

Das Personal zu pflegen ist der PTFE-Geschäftsführung wichtig. „Wir versuchen, die Mitarbeiter Mensch sein zu lassen – das vergessen viele Chefs“, sagt Geschäftsführer Dirk Harste. Natürlich sollten die Mitarbeiter ökonomisch mit ihrer Arbeitszeit und dem Material umgehen. Aber im Betrieb dürfe es nicht „wie auf einer Sträflingsgaleere“ zugehen, schließlich verbringe man einen Großteil seiner Zeit am Arbeitsplatz. Seinen Angestellten gesteht der Betrieb auch eine gewisse Autonomie zu: „Innerhalb ihres eigenen Bereiches können sie ihre eigenen Entscheidungen treffen, denn wenn alle mitdenken, kann der Geschäftsführer sich zurücklehnen“, sagt der 54-jährige Unternehmenslenker, der seit 2010 im Betrieb ist.

Rund 140 Mitarbeiter stellen bei PTFE Halbfabrikate und Fertigteile für Kunden aus der ganzen Welt her. Das Vier-Buchstaben-Kürzel PTFE steht für den Spezialkunststoff Poly-Tetra-Fluor-Ethylen. Weil er fest und säurebeständig ist, wird der Stoff vor allem in der chemischen Industrie, aber auch im Automobilbau eingesetzt.

Produktion voll ausgelastet

Produziert wird bei PTFE Nünchritz in drei Werkhallen. Die derzeit gute Konjunktur in Deutschland spürt auch das Glaubitzer Unternehmen. „Wir wachsen mit unseren Kunden und fahren deshalb momentan Vollauslastung“, sagt Dirk Harste.

Platz für eine vierte Werkshalle wäre gleich nebenan. Arbeitskräftemangel bremst jedoch das Wachstum der Firma, die 1991 aus dem Chemiewerk Nünchritz hervorgegangen ist. Wachstum um jeden Preis auch allerdings auch nicht das Ziel des von der Hamburger Familie Höfert geführten Unternehmens. „Wir wollen keine kurzfristigen Erfolge, sondern langfristig am Markt bleiben“, so Dirk Harste. Konjunkturschwankungen seien normal, doch auch bei Krisen würde es mit ihm keine Massenentlassungen geben.

Fragt man Dirk Harste nach der nötigen Qualifikation, um bei PTFE Nünchritz anzufangen, kommt fachliche Qualifikation erst an zweitwichtigster Stelle. „Wir brauchen vor allem ehrliche, sorgfältige und motivierte Mitarbeiter.“ Natürlich nehme man ausgebildete Dreher, Fräser und Programmierer mit Kusshand – aber entscheidend sei die Motivation, weniger die formale Qualifikation. Die nötigen Fähigkeiten könne man lernen. Aber jemanden zu motivieren, der nicht arbeiten möchte – das sei sehr viel schwieriger.