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Kurfürstlicher Weinberg

Das Rothe Gut hat für einige seiner Lagen einen neuen Namen – der ist historisch verbürgt.

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© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. Im kommenden Jahr wird es die ersten Weinflaschen zu kaufen geben, die auf dem Etikett den Lagenamen Kurfürstlicher Weinberg Meißen tragen. Denn diesen Namen haben sich Winzer Tim Strasser und seine Partnerin Annekatrin Rades vom Rothen Gut vom zuständigen Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eintragen lassen.

Bezeichnet werden damit die Weinlagen, die links und rechts neben der B 101 hinter dem Schottenbergtunnel liegen. Und Kurfürstlicher Weinberg ist kein Fantasiename. Ein Kunde des Rothen Gutes aus Dresden, Ulrich Rentzsch, „ist in der Landesbibliothek auf alte Karten vom Schottenberg und vom Drosselberg gestoßen, die bis etwa 1830 als Kurfürstlicher Weinberg eingetragen waren“, erzählt Tim Strasser. Also, was lag näher, als auf den alten Namen zurückzugreifen. Beim Landesamt hatte niemand etwas dagegen. Und auch sonst nicht, denn als die Unterlagen für die Eintragung des neuen Lagenamens vom 1. März bis 1. April im Amt auslagen, ist niemand gekommen und hat Einwände erhoben. Wenn die Eintragung im Mai im Meißner Amtsblatt veröffentlicht worden ist, dann ist sie auch amtlich.

„Es ist wichtig, dass der Kunde den genauen Ort kennt, wo der Wein herkommt“, nennt Tim Strasser einen wesentlichen Beweggrund dafür, den Lagenamen eintragen zu lassen. Die nunmehr bezeichneten Weinberge sind insgesamt 4,4 Hektar groß – insgesamt bewirtschaftet das Rothe Gut zwölf Hektar Rebflächen, davon am Schottenberg 30 Prozent Steillage. Angebaut werden auf dem Kurfürstlichen Weinberg Traminer, Scheurebe und Frühburgunder. Zwischen 12 000 und 15 000 Flaschen Wein werden künftig jedes Jahr den Namen Kurfürstlicher Weinberg tragen – so viel wird aus den hier wachsenden Trauben gekeltert. „Geschichte ist ein ganz großes Thema“, sagt Tim Strasser. Und in der Tat: Mit jedem Schluck Wein trinkt man ja die Geschichte mit. Die reicht bis ins Jahr 1161 zurück, als Markgraf Otto der in der Burg gelegenen Egidienkapelle einen Weinberg übereignete, der sich wahrscheinlich im anliegenden Meisatal befunden hat. Das ist nicht ganz sicher.

Sicher ist, dass preußische Soldaten im Siebenjährigen Krieg (1756  bis  1763) Schaden in den Weinbergen anrichteten. Damals schrieb der Verwalter der Fürstenschule an die Landesregierung, was die Soldaten taten: „Die Wein-Pfähle auf dem Gebürge sind auf den Weinbergen insgesamt hinweg genommen worden, daß also die Jahre 1760, 1761 und 1762 die Weinstöcke nicht angebunden werden können, sondern die Weinstöcke auf der Erde hinkriechen müßen, welchen Umstand denen Gebürgen der ruin drohet“.

Heute sind die Pfähle aus Metall und alle beisammen. Die Weinberge am Elbhang sind nach Süden ausgerichtet. Das milde Klima sorgt zusammen mit den Lehm-Löß-Böden für den Charakter der Weine. Nebenbei bietet sich vom Kurfürstlichen Weinberg ein fantastischer Rundumblick. Natürlich auf die Albrechtsburg und die Stadt Meißen und weiter bis nach Coswig und Radebeul. Hinüber zum Proschwitzer Weingut des Prinzen zur Lippe und weiter bis nach Zadel. Tim Strasser hat zusammen mit seiner Partnerin, den Eltern und vielen Helfern aus dem verfallenen Rothen Gut wieder einen Hingucker gemacht. Aber es ist noch viel zu tun. Als Nächstes wird noch in diesem Jahr das alte Backhaus zu einer Vinothek mit Hofcafé umgebaut.