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Kurioses aus der Faschingsgeschichte

Seit 100 Jahren wird Fasching in Sebnitz gefeiert. In den Unterlagen finden sich einige Kuriositäten aus früheren Zeiten.

© Repro: Dirk Zschiedrich

Sebnitz. Zum 100. Jubiläum der Sebnitzer Fastnacht soll es wieder ein richtig großer Umzug werden. Das hat Bernd Leuner versprochen. Er ist der Chef des Sebnitzer Faschingsvereins Buchberg. Dessen Mitglieder richten seit Jahren mit vielen Helfern den traditionellen Umzug am Faschingsdienstag aus. Gerade jetzt im Jubiläumsjahr hat der Verein aber auch in die historischen Unterlagen geblickt und so einiges Kurioses entdeckt.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Wie etwa eine Aussage auf einem Faschingsplakat aus den 1950er-Jahren: „Was im Rheinland Brauch – kann man in Sebnitz auch“. Darunter war aufgeführt, wo in Sebnitz überall Fasching gefeiert wurde, und das sogar drei Tage lang. Demnach gab es „Faschingsrummel“ in den Gaststätten Stadtcafé, Sächsischer Hof, Stadt Prag, Zwinger, Bergkeller, Neue Post, Grüne Wiese, Forellenschänke, Sebnitztal, Stadt Dresden. Diese Aufzeichnungen stammen möglicherweise aus dem Jahr 1957. In den alten Unterlagen fand sich auch ein Aufruf, in Sebnitz dem Frohsinn in den Faschingstagen freien Lauf zu lassen. Folgender Aufruf könnte aus dem Jahr 1954 stammen. Darin heißt es: „Vor allem aber brauchen wir das Herz der Sebnitzer. Gelingt es uns, die Sebnitzer ganz und gar für den Karneval zu gewinnen, auch die Sturen, na dann können wir des Erfolges sicher sein“. Und Vereinschef Bernd Leuner kann aus seinen historischen Sammlungen noch mehr berichten, etwa über einen Briefwechsel aus dem Jahr 1986. Da hatte sich der Vorsitzende der CDU-Ortsgruppe gegenüber dem Chef eines Klubs der Werktätigen beschwert, weil Nonnen und Priester mit beim Umzug dabei waren. Der CDU-Mann nahm das wohl alles zu ernst und warf den Narren gar eine Verunglimpfung vor. Letztlich forderte er eine Entschuldigung und eine Stellungnahme. Und es folgte die Aufforderung, dass sich „derartige Vorkommnisse nicht wiederholen“.

Es gibt noch mehr Kuriositäten. Im Jahr 1954 gab es zum Beispiel Hinweise an die Sebnitzer, wie sie sich zum Fasching zu verhalten haben. Am Schluss hieß es: „Denn trotz allen Scherzes ist die Gesundheit das Höchste, was ein jeder besitzt. Sie und den Frieden brauchen wir, um weitere noch schönere Faschingsfeste erleben zu können.“ Nicht zuletzt gibt es aber auch so einige mündliche Überlieferungen aus DDR-Zeiten. So gab es unter anderem von jedem Umzug Protokolle bei der Staatssicherheit. Dort sollen unter anderem die Bilder der Wagen im Umzug vermerkt worden sein, wie auch die Personen, wenn sie denn zu erkennen waren. Die Wagen selbst wurden vor Beginn des Umzuges „abgenommen“ und von als störend empfundenen Plakaten befreit. Waren die Herren weg, kamen die Plakate wieder dran, können sich einige Buchbergler erinnern. Und Bernd Leuner hat selbst noch eine Aktion im Gedächtnis. 1989 habe es einen Wagen gegeben, der die Wehrerziehung in der Schule durch den Kakao gezogen hatte. Der durfte dann auch nicht mitfahren.

Angesichts des 100-jährigen Faschingsjubiläums haben in den letzten Tagen viele Sebnitzer ihre privaten Archive geöffnet und Geschichten zum Besten gegeben.