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Kutschke = Mlapa + Koné !?

Die Gleichung ist heikel und womöglich sogar unzulässig. Doch den Abgang seines besten Torschützen hat Dynamo noch nicht kompensieren können.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Kaum ist der Millionentransfer abgewickelt, kochen die Gefühle und Gerüchte über. Ist der 21-jährige Moussa Koné, den Dynamo Dresden am Dienstag gleich für viereinhalb Jahre verpflichtet hat, wirklich die kolportierten 1,1 bis 1,4 Millionen Euro wert? Diese Frage, die sich erst die sportlich Verantwortlichen und danach die Chefetage in den vergangenen Tagen und Wochen gestellt hat, treibt nun die Fans um.

Beim Vorhaben, sich mindestens dauerhaft in der zweiten Liga zu etablieren, klaffen Anspruch und Wirklichkeit derzeit offenbar nicht nur in der Tabelle auseinander. Auch Ablösesummen im siebenstelligen Bereich – insbesondere für torgefährliche Offensivspieler inzwischen marktüblich – sind bei den Dresdnern längst noch nicht alltäglich. Sie irritieren vielmehr die Vorstellungen vom familiären Traditionsverein, vor allem aber sorgt die Verpflichtung von Koné für weiterführende Fragen.

Die naheliegendste, vermutlich wichtigste lautet: Kann der talentierte Stürmer, dem Sportchef Ralf Minge großes Potenzial bescheinigt, zunächst aber eine rasche Integration wünscht, Dynamo sofort weiterhelfen und damit zum Klassenerhalt schießen? Und noch eine weitere, etwas zugespitzte Frage drängt sich auf – die man sich vielleicht in diesen Tagen auch in Ingolstadt und Nürnberg stellt: Wieso hat Dynamo im Sommer eigentlich nicht doch Stefan Kutschke fest verpflichtet? Beim gebürtigen Dresdner und damaligen Publikumsliebling wussten alle Beteiligten schließlich ziemlich genau, woran sie sind. Doch statt den vom 1. FC Nürnberg geforderten Betrag nach Ablauf des anderthalbjährigen Leihgeschäfts zu zahlen, haben sich Dynamo und Kutschke nicht einigen können, worauf der zum FC Ingolstadt wechselte. Dabei sind die Vertragskonditionen – also Ablöse, Laufzeit, Gehalt – in etwa vergleichbar mit denen des Koné-Transfers gewesen.

Und selbst wenn nicht, könnte man eine gänzlich andere, zugegeben hypothetische Rechnung aufmachen. In der taucht dann auch der im Sommer verpflichtete, als Kutschke-Ersatz vorgesehene und bislang enttäuschende Peniel Mlapa auf:

Koné + Mlapa = Kutschke

Korrekterweise muss dahinter ein Fragezeichen. Unbestritten ist aber, dass Dynamo den Abgang seines besten Angreifers der vergangenen Saison nicht kompensieren konnte. Erschwerend kommt hinzu, dass mit Akaki Gogia auch der zweitbeste Torschütze den Verein verlassen hat. 26 aller 53 Tore in der Vorsaison haben beide erzielt, dazu neun vorbereitet.

Der Zwischenstand jetzt ist alarmierend und einer der Gründe, warum die Dresdner im Abstiegskampf angekommen sind. Es fehlt an Toren, oft allein schon an Torgefahr – das aber aus allen Mannschaftsteilen. Offensiv hat diesbezüglich nur Lucas Röser die Erwartungen erfüllen können. Sechs Treffer stehen für ihn zu Buche. Damit ist der Neuzugang vom Drittligisten Großaspach der Toptorschütze. Auch Mlapa hat bereits vier Tore erzielt, das vorerst letzte Ende Oktober. Insgesamt wirkt er auf dem Spielfeld aber wie ein Fremdkörper.

Und so kann man den Kader durchgehen. Haris Duljevic ist zwar eine echte Verstärkung, doch ebenso torungefährlich wie die anderen Außenbahnspieler. Einer wie Justin Eilers oder eben Gogia fehlt umso mehr, weil die zentralen Mittelfeldspieler Niklas Hauptmann, Aias Aosman, Rico Benatelli und Andreas Lambertz auch in dieser Saison nicht als Torschützen auffallen.

Und die Zeiten, als die Innenverteidiger bei Eckbällen und Freistöße regelmäßig zur Stelle waren, sind ebenfalls vorbei. Das ist unter anderem Dynamos Stärke in der Aufstiegssaison gewesen – die Gegenwehr in der 3. Liga allerdings auch eine andere.

Für Koné macht es das nicht einfacher, zumal er beim FC Zürich oftmals nur eingewechselt worden ist. Seine bisherige Saisonbilanz: zwei Tore in 15 Spielen.

Vielleicht geht die Rechnung aber auch ganz anders – und Dynamo hat in erster Linie ein Defensivproblem. Die Tordifferenz im Vorjahr lautete nach 20 Spielen jedenfalls 27:23. Und jetzt: 27:32.