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Lärm-Ärger an der Autobahn

Seit einem Jahr dürfen Autofahrer gleich nach der Abfahrt Bautzen-Ost Vollgas geben. Die Bewohner von Niederkaina wollen das ändern.

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© dpa

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Niederkaina und die Autobahn, beides gehört zusammen. Die Anwohner haben sich an den Lärm gewöhnt, dem sie täglich ausgesetzt sind. Schon oft haben sie sich an die Stadt gewandt, aber die verwies auf das Autobahnamt und das wiederum sah keinen Grund zum Handeln. Mit dieser Situation hat sich auch Ortsvorsteher Norbert Haupt inzwischen abgefunden. Doch eine Sache ärgert ihn und viele Anwohner des Bautzener Ortsteils. Lange Zeit galt auf der A 4 das Tempo 130 bis zur Brücke bei Basankwitz. Doch von einem auf den anderen Tag wurde das Verkehrsschild verlegt.

Seit Dezember 2014 dürfen Autofahrer gleich nach der Abfahrt Bautzen-Ost in Richtung Görlitz Vollgas geben. Ein Problem für die Anwohner. Norbert Haupt kämpft dafür, dass die Autos auch danach noch langsam fahren. Bislang allerdings ohne Erfolg. „Der Lärm nimmt zu, umso schneller die Autos fahren“, sagt er. Er habe in den vergangenen Monaten deutlich gemerkt, wie die Lärmbelastung gestiegen sei. „Das ist kein Spaß mehr. Es geht hier um Menschen“, betont der Ortsvorsteher. Für ihn war das Tempo-Schild ein Entgegenkommen des Autobahnamtes. Ein Zeichen dafür, dass der Behörde das Wohlergehen der Anwohner wichtig ist. Umso größer ist jetzt seine Enttäuschung. Und er will das nicht auf sich sitzenlassen. „Es muss etwas gegen den Lärm getan werden. Wir müssen dranbleiben. Sonst laufen wir Gefahr, dass sich in den nächsten Jahren nichts ändern wird“, meint er. Norbert Haupt hat sich zunächst an die Stadt gewandt. Doch die konnte lediglich ein Schreiben an das Autobahnamt verfassen.

Straßenbauamt ist das Problem bekannt

Den Mitarbeitern dort ist das Problem bekannt. Allerdings, so sagt Sprecherin Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), sei das Verkehrsschild von vornherein nicht für die Anwohner aufgestellt worden. „Zwischen den Anschlussstellen Bautzen-West und Bautzen-Ost gab es in früheren Jahren einen Unfallschwerpunk. Deshalb wurde das Tempo begrenzt“, so Siebert. Eine erneute Untersuchung habe allerdings ergeben, dass diese Beschränkung für den Bereich nach der Abfahrt Bautzen-Ost nicht mehr nötig ist. Die Schilder wurden umgestellt. Zudem veränderte man die Tempo-Beschränkung zwischen den beiden Bautzener Abfahrten von 130 auf 120 Kilometer pro Stunde.

Diese Entscheidungen kann das Lasuv nicht einfach rückgängig machen. Der Verkehr darf nur dann beschränkt werden, wenn eine echte Gefahr besteht. Und die gibt es laut Auffassung des Autobahnamtes bei der Strecke nahe Niederkaina nicht. „Auch Lärm kann keine Rolle spielen, denn man ist in Bautzen-Ost schon größtenteils an der Stadt vorbei“ so Siebert. Zudem seien die Laster diejenigen, die den meisten Lärm verursachen. Und die würden ohnehin nicht so schnell fahren.