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Läuft bei ihr

Konstanze Klosterhalfen ist eines der größten Talente – und auch eine der größten Hoffnungen.

© dpa

Von Dominik Kortus

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Saison für DSC Damen frühzeitig beendet

Es sollte die Wende nach dem missglückten Start in die Play-offs 2018/2019 sein. 

Es läuft bei Konstanze Klosterhalfen, und zwar von Saison zu Saison schneller. Mit 21 Jahren ist die Mittelstrecklerin inzwischen bei den Weltbesten angekommen. Am Donnerstagabend wollte die deutsche Rekordhalterin über 3 000 Meter für ein weiteres Novum sorgen: Noch nie gewann eine deutsche Läuferin auf dieser Distanz bei einer Hallen-Leichtathletik-Weltmeisterschaft eine Medaille. Die Entscheidung fiel in Birmingham nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe.

Aufholen in Sachen Erfahrung

„Das eine sind nationale Rekorde. Das andere ist internationale Erfahrung“, sagte Sportboss Idriss Gonschinska und verteidigte die Aufsteigerin dadurch vor zu hohen Erwartungen. Denn auf Routine kommt es mindestens genauso an wie auf Tempo. Die Gegnerinnen um Weltrekordlerin und Titelverteidigerin Genzebe Dibaba aus Äthiopien nutzt im Kampf um die Medaillen jede Schwäche aus.

Doch auch beim Thema Erfahrung holt Klosterhalfen Stück für Stück auf. „Sie ist selbstbewusst, entwickelt sich, lernt neue taktische Varianten“, sagte Gonschinska. Und: Klosterhalfen zieht die richtigen Schlüsse aus ihren – wenigen – Rückschlägen. Beispielsweise verpasste sie 2017 in London das WM-Finale über 1 500 Meter. In ihrem Halbfinale hatte sie sich zunächst abgesetzt, musste aber dann ihrem Tempo Tribut zollen – und schied letztlich aus. „Das war das erste internationale Rennen, in dem man mich ein bisschen kannte. Auch wenn ich immer versuche, den Druck nicht so an mich herankommen zu lassen, war das schon so“, sagte sie und will jetzt „ein bisschen lockerer“ herangehen – eine Einstellung, die Gonschinska lobt. Auch aus Platz zwei beim U-23-Rennen der Cross-EM im Dezember, in dem sie von Alina Reh bezwungen wurde, habe sie gelernt. „Sie hat das als positiven Fakt verwertet“, sagte er. Nun folgte Birmingham. Da wartete die Weltelite. Sie hat Klosterhalfen inzwischen auf dem Zettel.

Rekorde im Freien und in der Halle

2017 gab es Platz zwei bei der Hallen-EM in Belgrad über 1 500 Meter. Zusätzlich zu den Bestmarken bei den Juniorinnen verbesserte sie über 3 000 Meter den deutschen Rekord im Freien, vor anderthalb Wochen bei der nationalen Meisterschaft auch den in der Halle – an ihrem 21. Geburtstag. Die Zuschauer bedankten sich mit einem Ständchen bei ihr.

Die Gefahr, dass man der Studentin, die Querflöte und Klavier spielt sowie früher Ballett tanzte, zu viel zumutet, sieht Gonschinska nicht: „Ich habe ein hohes Vertrauen in die Trainer.“ Ihre Starts werden dosiert. Wenn es losgeht, wird aus der zurückhaltenden Läuferin eine Kämpferin, die ihre schnellen Runden dreht. (sid)