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Lagerkoller bei Flüchtlingen?

© privat

Laut, stickig, keinerlei Privatsphäre: Am Montagabend eskalierte ein Streit in der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Heidenau.

Von Christian Eissner

Heidenau. Dicht an dicht stehen die Feldbetten in der riesigen Halle des einstigen Praktiker-Baumarktes in Heidenau. Einige Bereiche sind mit aufgespannten Bettlaken abgetrennt, es gibt auch Nischen mit Bauzäunen. Was zumindest ein bisschen Privatsphäre schaffen soll, erinnert an Käfige. Auf dem gefliesten Boden zwischen den Pritschen liegen Plastiktüten mit den wenigen Habseligkeiten der Asylsuchenden. Einige von ihnen sitzen auf den Betten, sie haben nichts zu tun – außer warten.

In der Heidenauer Erstaufnahme-Einrichtung, in der aktuell rund 700 Flüchtlinge untergebracht sind, ist es alles andere als gemütlich. Das zeigen Fotos, die hier untergebrachte Asylbewerber in den vergangenen Tagen aufgenommen haben. Die Bewohner berichten auch von einer teils angespannten Stimmung untereinander.

Am Montagabend artete ein kleiner Disput zu einer handfesten Prügelei aus, teilt die Polizeidirektion Dresden mit. Nach ersten Ermittlungen begann der Streit kurz nach 19 Uhr an der Essenausgabe. Ein 37-jähriger Inder soll sich in der Schlange vorgedrängelt und dabei eine 29-jährige schwangere Syrerin beiseitegeschoben haben. Als deren Ehemann ihr zur Seite stand, eskalierte die Situation, mehrere Männer gingen mit Stuhlbeinen und anderen Möbelteilen aufeinander los. Die Betreuer mussten die Polizei rufen.

Die Einsatzkräfte beendeten die Auseinandersetzung. Sechs Männer aus Syrien, Indien, Pakistan, Afghanistan und dem Irak müssen sich nun unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten. Mehrere Beteiligte erlitten laut Polizei Prellungen und offene Wunden, die ärztlich versorgt werden mussten.

Das Pirnaer DRK, das die Erstaufnahme-Einrichtung betreut, bestätigt den Vorfall. Bei 700 Menschen, die dicht gedrängt auf Feldbetten in dem ehemaligen Baumarkt leben, könne es immer zu Spannungen kommen, sagt der Vorsitzende des DRK-Kreisverbands, Oliver Wehner.

Helfer sind besorgt

Auch das DRK sei über die Bedingungen auf den beiden Baumarkt-Etagen nicht glücklich, so Wehner. Als Erstaufnahme-Einrichtung sei Heidenau aber lediglich eine Durchgangsstation für die Flüchtlinge, ein erstes Dach über dem Kopf nach ihrer Ankunft in Deutschland. Insofern dürfe niemand hier Luxus erwarten.

Probleme macht den Betreuern vom DRK vor allem die Tatsache, dass die Asylsuchenden zu lange im Baumarkt festsitzen. Es dauert derzeit nach Angaben des Kreisverbands etwa vier Wochen, bis die Flüchtlinge überhaupt einen ersten Anhörungstermin bei der Asylbehörde bekommen und ihr Asylverfahren eröffnet werden kann. Einzelne müssen ein Vierteljahr in den Erstaufnahme-Einrichtungen ausharren. „Das dauert alles viel zu lange“, kritisiert Wehner, der für die CDU im Landtag sitzt. Er habe das Thema gegenüber der Staatsregierung angesprochen und hoffe auf schnellere Verfahren.

Die lange Zeitspanne bis zu einem ersten Anhörungstermin führt derweil zu zusätzlichen Spannungen unter den Asylsuchenden. Denn wenn das Asylverfahren eröffnet ist, steht den Bewerbern ein Taschengeld zu. Wer noch auf seinen Termin bei der Behörde wartet, bekommt nichts.

„Das können wir alles nicht beeinflussen, aber es erschwert unsere Arbeit“, sagt Oliver Wehner. Gemeinsam mit der Pirnaer Aktion Zivilcourage, die dem DRK als Partner zur Seite steht, wolle man nun dafür sorgen, dass die Flüchtlinge im Baumarkt zumindest weniger Langeweile schieben. Es sollen Fernseher angeschlossen werden, zudem wolle man das Angebot an Kinderbetreuung, Spielen und Sprachkursen erweitern.