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Lagerplatz für Todessterne und Mumien gesucht

Derzeit sind die Kulissen des Schönauer Karnevalsclubs in einem Scheunenkeller gelagert. Dort wird’s aber zu feucht.

© Rafael Sampedro

Von Susanne Sodan

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Schönau-Berzdorf. Todesstern und Wikingerboot in einem Raum, und trotzdem bleibt alles friedlich. Vielleicht deshalb, weil Stern und Boot neben einer Cocktailbar liegen. Es ist schon ein kurioses Sammelsurium in dem Scheunenkeller in Schönau-Berzdorf. Bald kommen noch ein paar Mumien dazu. Die werden derzeit aber noch andernorts gebraucht. In der Dittersbacher Mehrzweckhalle feiert der Schönauer Karnevalsclub am heutigen Sonnabend den Auskehrball. Die Mumien, der Todesstern, die Bar, das Wikingerboot – alles Requisiten des SKC aus den vergangenen Jahren. Und der Keller in der Schönauer Scheune ist das Lager, das für die großen, sperrigen Dinge. Aber der SKC sucht dringend nach einer neuen Lagermöglichkeit und bittet um Hilfe.

Ein dunkler Gewölbekeller mag vielleicht ein ganz passender Ort sein für Todessterne und Mumien. Und eigentlich ist der SKC auch froh darüber, dass er den Keller nutzen darf. „Der Besitzer hat uns vor vier, fünf Jahren die Möglichkeit gegeben, unsere Sachen dort unterzustellen“, erzählt Elferratspräsident Andreas Fechner. „Wir hätten damals nicht gewusst, wo wir die Sachen sonst hätten unterbringen sollen“, erzählt Fechner. Das Problem ist aber: Das Gebäude steht, abgesehen vom Keller, leer. Und ist Wind, Wetter und damit auch dem Verfall ausgesetzt. Der Putz bröckelt bereits. „Wir haben Angst, dass noch mehr Feuchtigkeit reinzieht.“ Und die gelagerten Dinge damit Schaden nehmen könnten.

Dazu kommt: So eine alte, leere Scheune zieht Abenteuerlustige an. In den vergangenen Tagen sind Unbekannte in das Gebäude eingedrungen. „Es wurde nichts gestohlen“, sagt Fechner. Witzig finden die Karnevalisten den Spontanbesuch im Lager trotzdem nicht. Die Unbekannten haben Unordung hinterlassen. „Es sieht ein bisschen so aus, als hätten sie versucht, sich im Dunkeln durch den Keller zu finden und dabei manches umgerissen.“ Neben der Angst vor Feuchtigkeit und Moder kommt die Sorge dazu, aus dem einen Vorfall könnten mehrere werden.

Nicht nur der Fundus des SKC ist in den vergangenen Jahren gewachsen, sondern auch der Verein selber. „Wir sind mittlerweile in Schönau der größte Verein“, erzählt der Vorsitzende Enrico Opitz. Etwa 125 feste Mitglieder hat der SKC, dazu kommen noch rund 40 Funken. Einen festen Sitz hat der Verein allerdings nicht. Dinge lagern, die Saison vorbereiten, Training der Funken, Kulissen bauen, die großen Partys – alles findet an unterschiedlichen Orten statt, erzählt Opitz: Der Baufundus lagert in der Scheune, Kostüme in zwei Räumen in der Grundschule, die Garden trainieren in der Turnhalle am Hutberg, die Funken im Kindergarten, Versammlungen finden im Vereinshaus von Schönau-Berzdorf statt. „Vieles findet bei uns auch privat statt“, erzählt Enrico Opitz. Zum Beispiel trifft sich das Programm-Team privat, Kulissen entstehen meist in den Garagen der Vereinsmitglieder. Und gefeiert wird in der Dittersbacher Mehrzweckhalle.

„Diese Struktur hat sich einfach mit der Zeit so entwickelt“, erzählt Opitz. „Aber wenn uns mal was wegbricht, haben wir ein Problem.“ Das Dauergastspiel in verschiedenen Räumlichkeiten bringt auch praktische Schwierigkeiten mit sich und auch Stress. Zum Beispiel: Das Programm besprechen die Karnevalisten immer schon im Sommer, die handfesten Vorbereitungen können aber erst wenige Wochen vor Beginn der Karnevalssaison beginnen. „Unser Maler würde sicher auch gerne mal früher und in Ruhe mit seinen Arbeiten starten“, sagt Opitz. Dann bräuchte es aber einen Ort, an dem man Bühnenaufbau und Farben einfach mal liegen lassen könnte. Einen Ort, an dem man nicht an Zeiten gebunden ist und nicht jedes Mal den Schlüssel wieder abgeben müsste. Ein Ort, wo man Lager, Training und Versammlungen zusammenfassen könnte. Vereinsheim würde man solch einen Ort nennen.

Das Wort traut sich beim SKC aber keiner mehr so recht auszusprechen. Es gab vergangenes Jahr mit anderen Vereinen Missverständnisse. Auf die möchten die Leute vom SKC nicht mehr eingehen, sie wollen nur klarmachen, dass sie keinem Verein irgendwas abspenstig machen wollen. „Es wäre schon schön, wenn wir ein Zuhause hätten“, sagt Enrico Opitz. Allerdings bräuchte es dafür ein großes, leer stehendes Gebäude, das in einem Zustand ist, dass man es selber herrichten und halten könnte. An solchen Gebäuden gibt es in der Gemeinde aber keine Auswahl. „Ein Vereinsheim ist für uns gerade nicht in greifbarer Nähe, wir haben das jetzt hintenangestellt“, sagt Andreas Fechner.

Die Priorität liegt jetzt auf einem Lager für die Kulissen und Bauutensilien. „Vielleicht weiß jemand eine Möglichkeit“, hofft Fechner. Trocken müsste es sein, Platz für Bühnenaufbauten haben – und eine große Tür. Schließlich muss ein Todesstern durchpassen. Im vergangenen Gemeinderat hatte Enrico Opitz, selber auch Gemeinderatsmitglied, das Lagerproblem angesprochen. Eine Möglichkeit hatte sich in der Diskussionen eröffnet: Vielleicht könnte man den Lagerplatz des Bauhofes an der Friedersdorfer Straße nutzen, erzählt Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel (parteilos). „Wir haben überlegt, ob wir drei, vier Container kaufen und dort zusammenstellen“, erklärt Hänel. Ob das wirklich eine Möglichkeit sein kann, komme auch auf die Größe und Art der Container an, sagt Enrico Opitz.

Er selber sei ein großer Fan des SKC, erzählt Christian Hänel. „Die sind ein Zugpferd“, sagt er. Zu ihren Veranstaltungen würden die Karnavalisten auch Gäste über die Gemeindegrenzen hinaus anziehen. Eine Erleichterung gibt es für den SKC in nächster Zukunft. Das Sport- und Freizeitzentrum am Hutberg wird saniert und ausgebaut. Dabei wird auch ein Nebenraum entstehen, in dem Gruppen, die kein großes Spielfeld brauchen, trainieren können. Und dort soll in Zukunft auch Platz für die Garden und Funken des SKC sein.

Beim Thema Vereinsheim sieht der Bürgermeister dieselben Schwierigkeiten wie die Karnevalisten selber. „Spontan fällt mir kein Gebäude ein, das sich eignen würde“, sagt er. „Wir müssen horchen.“ Und so eine Investition muss auch eingeplant werden. Einen Punkt gibt Hänel bei der Diskussion aber zu bedenken: Ob man nun von einem bestehenden Gebäude spricht oder gar von einem Neubau – so ein Vereinsheim muss später auch betrieben werden. „Das müsste dann auch wirtschaftlich für den SKC sein“, gibt er zu bedenken.