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Landespolitik am Kuhstall

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert wirbt in Wildenhain für eine neue Metropolen-Region.

© Kristin Richter

Von Birgit Ulbricht

Wildenhain. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert fühlt sich sichtlich wohl. Die frisch gegrillten Steaks auf Heppners Hof schmecken, die Stimmung ist locker an diesem Abend in Wildenhain und das Thema „Stadt-Land/Hand-in-Hand“ liegt dem Dresdner Rathauschef wirklich. Anders als noch zu Ingolf Roßbergs Zeiten, schaut Hilbert interessiert ins Umland. Sonst wäre er der Einladung des CDU-Landtagsabgeordneten Sebastian Fischer nach Wildenhain sicher nicht so freudig gefolgt. Neulich erst habe er nach Flächen für seine Stadtverwaltung gesucht, erzählt er am Rande. Ein Raunen geht durch die Runde der gut 30 Anwesenden. Großenhain hat bald einen best sanierten Bürokomplex leerstehen – das Vermessungsamt, einst zum Freistaat gehörend, seit 2008 auf den Landkreis Meißen übergegangen. Und der will in Meißen bekanntlich einen Neubau an das jetzige Landratsamt setzen, wo nahezu alle Ämter dann zentral unterkommen.

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Nun hat Dresden nichts mit dem Vermessungsamt zu tun, aber die Diskrepanz umreißt das Problem gut, um das es geht: Der eine hat etwas, was der andere eigentlich dringend bräuchte. Da kann Dresden zwar jährlich auf rund 4000 neue Jobs verweisen und zum Beispiel jüngst die größte Einzelinvestition, die Bosch mit einer Milliarde jemals getätigt hat. Doch gleichzeitig hat Dresden keine großen zusammenhängenden Wirtschaftsflächen mehr, die es zücken könnte. Doch wie kann man näher zusammenrücken, sich ergänzen und dabei dem Lebensgefühl der Menschen gerecht werden?

Hilbert: Seit 2013 beobachtet die Stadt Dresden immerhin, dass mehr junge Familien ins Umland ziehen. Wer bauen will, tut das kostengünstiger im Speckgürtel. Und meist sind der Kindergarten oder der Weg in die Schule auch gleich noch günstiger und das Umfeld familiärer als in Dresden. Umgedreht brauchen die Kommunen rund um die Landeshauptstadt schnelle Wege ins Zentrum. Der S-Bahn-Takt ist deshalb auch für den Großenhainer Oberbürgermeister wieder ein entscheidender Punkt gewesen, auch psychologisch, denn da geht es nicht um 45 oder 30 Minuten, sondern um Image. Wer im S-Bahn-Takt liegt, gehört dazu. So einfach ist das.

Dirk Hilbert hat das Thema kürzlich auf der Verbandsversammlung des VVO angesprochen und er will dranbleiben. Just am Dienstag trafen sich im Rathaus Fachleute verschiedener Bereiche mit den Großenhainern, um über Kooperation zu sprechen. Eine gemeinsame Wirtschaftsförderung, die Kulturhauptstadt Dresden, der S-Bahn-Takt, touristische Projekte, Wohnen und Ausbildung – das sind wichtige Punkte. Bislang passiert diese Zusammenarbeit in einer Vielzahl von Kulissen und Partnern.

In Wildenhain warb Dirk Hilbert deshalb für den aus seiner Sicht konsequenteren Weg einer Metropolen-Region wie im Raum München. Sinnvollerweise mit gemeinsamen Institutionen, die über ein eigenes Budget verfügen. Unter dem früheren Riesa-Großenhainer Landrat Rainer Kutschke hatte dieses Ansinnen schon bis zu einer Kommission Gestalt angenommen. Doch auf der jetzigen Landkreisebene stoße man da an deutliche Grenzen. Alte Wunden, neue Befindlichkeiten spielen beim Thema „Stadt-Land“ eine mindestens ebenso große Rolle wie echte Hindernisse.

Dass sich echte Kooperation lohnt, zeigt just ein Blick in den aktuellen Zukunftsatlas. Dort rangieren München-Freising auf Platz 2 und 1. Dresden steht auf Rang 30, das Umland irgendwo auf Platz 300. Da geht doch noch etwas.