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Mifa bekommt Unterstützung

Der angeschlagene Fahrradbauer bekommt vom Kreis 5,7 Millionen Euro für ein Grundstück – und holt einen Sanierer.

© dpa

Von Lars Radau

Sangerhausen. Die Verzweiflung muss groß gewesen sein. Kurzfristig, erzählt ein Teilnehmer, sei auf der Krisensitzung des Kreistages Mansfeld-Südharz sogar erwogen worden, massenhaft Fahrräder zu kaufen. Die Kreisräte hatten am Sonnabend beratschlagt, wie sie dem größten Arbeitgeber der Region, dem erheblich angeschlagenen Fahrradhersteller Mifa, helfen könnten. Diese Idee, betont Landkreis-Sprecher Uwe Gajowski, sei dann aber „sehr schnell wieder vom Tisch“ gewesen.

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Stattdessen kauft der Landkreis der Mitteldeutschen Fahrradwerke AG jetzt einen Teil des Betriebsgrundstückes in Sangerhausen ab. Die 5,7 Millionen, die dafür fließen, dienen der Behebung eines „kurzfristigen Liquiditätsengpasses“ bei der Mifa, betont Gajowski. Das Unternehmen nutzt die Flächen „weiterhin vollumfänglich“ und bezahle dafür nun einen marktüblichen Mietzins an den Kreis, heißt es in einer Pflichtmitteilung des börsennotierten Fahrradherstellers.

Gleichzeitig habe die Mifa mit „weiteren wesentlichen Vertragspartnern“, darunter Lieferanten, Gesellschaftern, Banken und anderen Gläubigern Vereinbarungen getroffen, die „zur weiteren Finanzierung des laufenden Geschäfts“ beitragen. Im Klartext dürfte das vor allem Zahlungsaufschub heißen – und illustriert, wie ernst die Lage ist. Die Mifa rechnet für das Geschäftsjahr 2013 bei einem Umsatz von etwa 115 Millionen Euro mit einem Minus von 15 Millionen Euro. 2012 hatte der Fehlbetrag noch bei einer Million Euro gelegen.

Gründe für das stark vergrößerte Minus seien neben Fehlern in der Buchhaltung – der Materialaufwand in den Abschlüssen sei für das zweite und dritte Quartal 2013 deutlich zu niedrig ausgewiesen – nicht eingetretene Umsatzerwartungen und gestiegene Kosten, heißt es bei der Mifa. Momentan werde mit Unterstützung externer Sachverständiger intern gründlich untersucht, wie es dazu kommen konnte und wo die Ursachen lägen, sagte ein Sprecher.

Zumindest scheint man in Sangerhausen schon einen Verantwortlichen gefunden zu haben: Peter Wicht, seit 2004 bis Mitte März Alleinvorstand der Mifa, hat gestern „mit sofortiger Wirkung“ sein Amt niedergelegt. Der Manager, dem nach dem AWD-Gründer und Multimillionär Carsten Maschmeyer der zweitgrößte Teil der Mifa-Aktien gehört, ist zudem offenbar schwer erkrankt. Für sein Ausscheiden werden „gesundheitliche Gründe“ angegeben. Ende März, als die Fehler in der Rechnungsführung bekannt wurden, hatte der Aufsichtsrat ihm bereits den Wirtschaftsprüfer Hans-Peter Barth als Finanzvorstand an die Seite gestellt. Seit gestern nun hat Mifa auch einen Vorstand für Reorganisation und Sanierung – der Aufsichtsrat berief den Sanierungsspezialisten Stefan Weniger auf den Posten.

In Sangerhausen herrschte gestern bereits wieder vorsichtiger Optimismus, dass die Mifa zurück in die Spur kommt. Zum einen, weil Großaktionär Carsten Maschmeyer ausrichten ließ, dass er „weiterhin zum Unternehmen stehe“ und fest an die Zukunft der Mifa glaube. Zum anderen, so ein Mifa-Sprecher, arbeite man weiterhin an der Partnerschaft mit dem weltgrößten Fahrradhersteller Hero Cycles aus Indien. Mifa und Hero Cycles hatten eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach die Inder 15 Millionen Euro an Eigenkapital in das Unternehmen einbringen würden. Und zum Dritten seien Elektrofahrräder, wie sie die Mifa etwa für die Daimler-Tochter Smart baut, gerade sehr gefragt. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes geht ihr Absatz derzeit „steil nach oben“ – auch ohne Solidaritätskäufe des Kreises.