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Döbeln

Sind 400 Euro genug Anreiz?

Mit einem Stipendium sollen angehende Mediziner nach Mittelsachsen gelockt werden. Aber erst frühestens ab 2020.

Medizinstudenten aus Deutschland und dem EU-Ausland, die sich verpflichten, die Praxisanteile ihrer Ausbildung oder anteilig die Weiterbildung zum Facharzt im Landkreis zu absolvieren, sollen künftig ein Stipendium erhalten. © Waltraud Grubitzsch/dpa

Döbeln. Der Landkreis Mittelsachsen will künftig junge Mediziner mit einem Stipendium in die Region locken. Im ersten Halbjahr 2020 will die Kreisverwaltung ein strategisches Programm mit dem Titel „Rundum gesund – Ärztin/Arzt werden für Mittelsachsen“ vorlegen. Das hat der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen. Wichtig sei neben der finanziellen Hilfe vor allem die gute Betreuung der Stipendiaten durch erfahrene Mediziner aus dem Landkreis.

Vorgesehen ist eine monatliche Unterstützung von 400 Euro für jährlich drei ausgewählte Studienanfänger für die Dauer von sechs Jahren. Auch nach dem ersten Staatsexamen kann der Zuschuss für vier weitere Jahre gewährt werden. Als Gegenleistung sollen sich die jungen Mediziner dazu verpflichten, Praxisanteile der Ausbildung beziehungsweise anteilig die Weiterbildung zum Facharzt im Landkreis zu absolviert. Ein weiterer Bestandteil soll zudem ein Mentorenprogramm mit persönlicher Betreuung, Büchergutscheinen und jährlichen Veranstaltungen sein.

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Vorbild für das mittelsächsische Projekt soll ein bereits seit 2015 laufendes Stipendiumsprogramm für angehende Hausärzte im Partnerlandkreis Calw sein. Dort habe man bereits gute Erfahrungen gemacht, erklärte der zweite Beigeordneter Jörg Höllmüller. Der Kreis Calw gebe den künftigen Ärzten finanzielle und ideelle Unterstützung und betreue die jungen Menschen intensiv vom Studienbeginn an. Mittlerweile wurde das Programm mehrfach verlängert und von zunächst drei auf nunmehr sechs Stipendiaten jährlich erweitert. Im Sommer 2018 nutzten in Calw zehn Medizinstudenten das Angebot, im Jahr 2021 wird es die ersten Absolventen geben.

Das Vorhaben „Rundum gesund – Ärztin/Arzt werden für Mittelsachsen“ werde mit den Krankenhäusern unter Einbindung des Kreistages erarbeitet, so der zweite Beigeordnete, unter dessen Federführung das Programm erarbeitet wird. Unter anderem wurden bereits Gespräche mit den kommunalen Krankenhäusern und einem angehenden Arzt im praktischen Jahr geführt, der mit der Situation seiner Kommilitonen vertraut ist. Höllmüller sagte weiter: „Des Weiteren wollen wir gemeinsame Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung im medizinischen Bereich initiieren, dazu gehören auch Pflegekräfte.“

Döbelner Klinikum unterstützt Idee

„Ich finde, das ist ein guter Ansatz und wir stehen dem Landkreis zur Erarbeitung dieses Projektes offen gegenüber. Als weiteren wichtigen Schritt sind sicher Überlegungen notwendig, wie man diese Ärzte dann auch nach ihrer Ausbildung an den Landkreis bindet“, sagte dazu Martin Preißer, Verwaltungsleiter des Döbelner Klinikums. „Ich würde die Idee zudem weiter fassen, nicht nur auf Mediziner, sondern generell auch auf Fachkräfte im Gesundheitswesen“, so Preißer. Um mehr junge Berufstätige im medizinischen Bereich in den Landkreis locken zu können, spielten Faktoren wir Arbeitszeit, Weiterbildung, Unterstützung bei der Praxisübernahme/-gründung sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wichtige Rolle. Auch die flexible Kinderbetreuung und stabile Schulbildung, die öffentliche Anbindung an die Großstädte, aber auch das Thema Betreuung und Pflege von Angehörigen wird in der Zukunft immer wichtiger werden, schätzte der Verwaltungsleiter weiter ein.

Auf die Ankündigung von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), dass es in Chemnitz ab 2020 eine Medizinerausbildung geben soll, reagierte Preißer zustimmend: „Das klingt gut und ist sicher auch für junge Menschen aus unserer Region interessant. Generell sehe ich über die Ausbildung, egal für welchen Berufszweig, den Weg in die Zukunft. Hier ist aber eine gute Schulbildung der Grundstein, um unsere Fachkräfte der Zukunft auszubilden.“

Im Dezember hatte die Fraktion der Linken im Kreistag bereits einen ähnlichen Antrag gestellt, mit dem geprüft werden sollte, ob ein Stipendium für angehende junge Ärzte möglich sei. Voraussetzung für den finanziellen Zuschuss sei neben der rechtlichen Verpflichtung für eine spätere Tätigkeit im Landkreis, dass der Medizinstudent an einer deutschen Universität immatrikuliert sein soll sowie ein Nachweis des Abschlusses des ersten Abschnittes der ärztlichen Prüfung vorliegt. Der Vorschlag der Linken wurde von der Verwaltung geprüft und letztlich als nicht umsetzbar abgelehnt. Die Bedingung, dass die Stipendiaten an einer deutschen Hochschule immatrikuliert sein sollen, sei vor dem Hintergrund des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes nicht realisierbar, hieß es in der Begründung. Stattdessen soll die Vorlage des Calwer Konzepts übernommen werden, in der auch Studenten einer Universität in einem EU-Mitgliedsland berücksichtigt werden, deren Approbation in Deutschland anerkannt wird.