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Landratsamt ehrt Werner Hofmann

Der ehemalige Direktor leitete ein Vierteljahrhundert die Freiberger Porzellanfabrik. Als Jude wurde er diskriminiert. Dann wählte er den Freitod.

© DA-Archiv

Döbeln/Freiberg. Am Sonnabend wurde an vielen Orten der Region den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. In Döbeln legten Vertreter der Stadt, des Landkreises, von Döbelner Schulen und Einrichtungen sowie von städtischen Unternehmen am Gedenkstein auf dem Wettinplatz Blumen nieder.

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In Freiberg erhielt das Hauptgebäude des Landratsamtes Mittelsachsen im Rahmen einer Festveranstaltung den Namen „Werner-Hofmann-Haus“. Das Gebäude war bis 1932 Sitz der Freiberger Porzellanfabrik. Der Jude Werner Hofmann war 25 Jahre ihr Direktor. „Wir ehren damit eine herausragende Freiberger Persönlichkeit, die sich für die Stadt und Region verdient gemacht hat. Gleichzeitig gedenken wir aller Opfer, insbesondere hier an dieser Stelle des schweren Schicksals von rund 1000 jüdischen Zwangsarbeiterinnen“, sagte Landrat Matthias Damm (CDU) bei der Festveranstaltung.

An der Frauensteiner Straße entstand vor 95 Jahren das europaweit modernste Porzellanwerk für elektrotechnisches Porzellan. Unter Werner Hofmanns Leitung gingen der erste runde Trommelofen und das erste Ein-Million-Volt-Versuchsfeld in Betrieb. In dem Gebäude ist das Kreisarchiv untergebracht. Als Werkleiter kooperierte Hofmann mit der Bergakademie Freiberg, erhielt dort die Ehrendoktorwürde. Als Jude wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt. Aus Verzweiflung schied er 1939 aus dem Leben, stellte der Freiberger Historiker Dr. Michael Düsing in einem Vortrag dar.

Die letzte persönliche Spur von Werner Hofmann findet sich im Einäscherungsregister des Krematoriums Dresden-Tolkewitz. „Mit wenigen Ausnahmen sind fast alle Akten, die Aufschluss über Leben und Tod von Werner Hofmann geben, im Februar 1945 im Feuersturm der Bombenangriffe auf die Stadt vernichtet worden“, so Düsing. Er geht davon aus, dass die Novemberpogrome 1938 den Lebenswillen Werner Hofmanns endgültig gebrochen haben. Es sei nicht mehr zu klären, was ihm selbst in und nach der sogenannten „Reichspogromnacht“ vom 9. zum 10. November 1938 geschah. Er war inzwischen 60 Jahre alt. „Es scheint mir ziemlich sicher, dass er wie die meisten jüdischen Männer Dresdens in jenen Nächten verhaftet und in die Gestapo-Leitstelle am Hauptbahnhof oder das Polizeipräsidium in der Nähe der gerade zerstörten Semper-Synagoge geschleppt wurde“, sagte der Historiker.

Das Gebäude in Freiberg erfuhr nach der Schließung des Werkes in Folge der Weltwirtschaftskrise unterschiedliche Nutzungen unter anderem als Kaserne der Wehrmacht und von 1943 bis 1945 als Sitz der Verwaltung der Freia GmbH, einer Produktionsstätte für Luftrüstungsgüter, in der als Außenlager des Konzentrationslagers Flossenburg jüdische Frauen litten und unter schlimmsten Bedingungen arbeiten mussten. (DA)