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Langer Atem für längere Öffnungszeiten

Es wird immer schwieriger, Menschen in die Stadt zu locken. Ist das Konzept des Weihnachtsmarktes überholt?

© Archiv

Von Jens Hoyer

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Döbeln. Seit September vergangenen Jahres haben viele Händler der Innenstadt an den Sonnabenden bis 14 statt bis 12 Uhr geöffnet. Die Verlängerung der Öffnungszeiten war ein erklärtes Anliegen von Grit Neumann, der Vorsitzenden des Stadtwerberings. Sie wirbt dafür, durchzuhalten, auch wenn die Kunden nicht gleich Schlange stehen. „Wenn etwas über 20 Jahre nicht gemacht wurde, kann man nicht erwarten, dass es nach einem viertel Jahr funktioniert“, sagte sie.

Bisher hätten die Händler aber durchgehalten. „Jeder kann sich das ja anders gestalten. Vielleicht in dieser Zeit Stammkunden einladen und ein Häppchen reichen“, sagte sie. Ihrem Eindruck nach werden die Einkaufszeiten am Sonnabend vor allem auch von Auswärtigen zum Einkaufen genutzt, die statt in die Großstädte zu fahren, den kürzeren Weg nach Döbeln nehmen. „Man kennt ja viele Döbelner. Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich viele unbekannte Gesichter“, sagte Grit Neumann.

Der Zulauf der Kunden an den verkaufsoffenen Sonntagen, insbesondere zu Weihnachten, ist nach ihrer Einschätzung im vergangenen Jahr verhalten gewesen, was aber offenbar nicht nur ein Problem der Innenstadt war. „Diesen Eindruck hatten auch die großen Filialisten im Gewerbegebiet, mit denen wir Kontakt haben“, sagte Grit Neumann. Über die Gründe kann sie nur spekulieren. „In der Weihnachtszeit gibt es ringsum viele kleine Weihnachtsmärkte, die vielleicht das Publikum ziehen. Man hört auch immer häufiger, dass das Wochenende der Familie gehören soll. Wir werden beim Stadtwerbering besprechen, wie man das besser gestalten kann.“

In diesem Jahr soll es wieder vier verkaufsoffene Sonntage geben, über die sich der Stadtwerbering mit der Stadtverwaltung und den Filialisten abstimmt. Dabei spielt ab diesem Jahr eine rechtliche Regelung eine Rolle: „Der Sonntagsverkauf muss mit einem kulturellen Aspekt verbunden sein. Also mit einem Frühlings- oder Herbstfest zum Beispiel“, sagte Grit Neumann. Geplant seien verkaufsoffene Sonntage im April und Oktober. Dazu zwei Sonntage in der Vorweihnachtszeit, wenn die Eisbahn der Stadtwerke auf dem Obermarkt steht. „Am 23. Dezember dürfen wir aber nicht öffnen.“ Auch zum Stadtfest im Juni ist kein Verkaufssonntag vorgesehen. „Da wollen die Leute nicht mit Einkaufsbeuteln durch die Stadt gehen“, so die Vorsitzende.

Die Eisarena der Stadtwerke hat sich als Publikumsmagnet in der Vorweihnachtszeit herauskristallisiert. Grit Neumann würde es gut finden, wenn die Bahn bis Weihnachten auf dem Obermarkt stehenbliebe. „Vor Weihnachten gibt es eine komplette Woche gar nichts. Es wäre aber schön, weil viele Leute ihre Geschenke erst in dieser Zeit einkaufen.“

Den klassischen Weihnachtsmarkt sieht die Chefin des Stadtwerkerings in Döbeln eher auf dem absteigenden Ast. „Man muss sich überlegen, ob das in einer Stadt wie Döbeln überhaupt noch in dieser Form funktioniert. Es wird auch immer schwieriger, Händler zu finden.“ Döbeln hatte seinen vergangenen Weihnachtsmarkt in einen Wintermarkt rings um die Eisbahn und einen nur am Wochenende geöffneten Adventsmarkt unterteilt. „Vielleicht könnte man den Adventsmarkt noch anders gestalten“, so Grit Neumann. Andere Städte konzentrierten sich mit ihren Weihnachtsmärkten auf ein Wochenende und beziehen dabei die Vereine stark ein.

Am 6. März will der Stadtwerbering sein Programm mit den Mitgliedern bei der ersten Versammlung des Jahres besprechen. Ein Klassiker bleibt bestehen: Der Autofrühling wird für den 5. Mai organisiert. „Die Planung von Veranstaltungen sollte aber nicht immer nur vom Vorstand ausgehen“, sagte die Vorsitzende. Der Stadtwerbering hat derzeit rund 50 Mitglieder, Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr hatte der Verein für die Händler auch Veranstaltungen mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) organisiert. Das soll fortgeführt werden.