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Langfinger in Strehlaer Tischlerei

Eine rote Geldkassette taucht bei einem Praktikanten zu Hause auf. Hat er die Metallbox mit 100 Euro Bargeld darin im Betrieb stibitzt?

Till R. will es nicht gewesen sein. Den kleinen roten Schlüsselkasten samt 100 Euro Bargeld aus der kleinen Strehlaer Tischlerei mitgenommen haben? „Das war ich nicht“, streitet der Angeklagte vor dem Riesaer Amtsgericht die Vorwürfe gegen ihn ab. „Es kann jeder gewesen sein. Die Räume standen offen“, wehrt er sich.

Der als Zeuge geladene Tischlerei-Inhaber macht keinen Hehl daraus, dass der kleine Kasten quasi für jeden zugänglich in seinen Räumen stand. „Betrieb und Familie, das ist bei uns alles eins“, sagt er. In der verschlossenen roten Kassette habe er Geld für seine Tochter gesammelt, sagt der Handwerker. „Den Schlüssel hab’ ich sogar noch.“ Dass er Till R. für den Übeltäter hält, der die Kassette des Geldes wegen stahl und aufbrach, daran lässt er vor Gericht kaum einen Zweifel aufkommen.

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Die Version des Angeklagten aber geht anders: Ein Kumpel habe ihm die Metallbox schon leer gegeben. Dass der Kasten aus der Werkstatt stammte, in der er da gerade Praktikum machte, habe Till R. nicht gewusst. „Sonst wäre ich doch zur Kriminalpolizei gegangen“, beteuert er. Stattdessen habe er sich nichts dabei gedacht, als sein Kumpan ihn darum bat, das Schloss des Kastens auszutauschen. „Aber ich hab’ das Teil zu Hause erst in die Ecke getan und es dann vergessen“, sagt Till R. Gefunden wird das rote Teil schließlich von der Polizei. Die durchkämmt Till R.s Wohnung bei einer größer angelegten Durchsuchung.

Denn aus der Strehlaer Tischlerei wurde im August 2013 nicht nur die rote Metallkassette geklaut, sondern einige Tage später auch noch Autoradios, Schlüsselbünde und Werkzeug. Bei den polizeilichen Ermittlungen dazu gerät der frühere Praktikant Till R. ins Visier. Die meisten der gesuchten Gegenstände finden die Beamten in seiner Wohnung zwar nicht – aber immerhin die Metallkassette. Wenn auch ohne die 100 Euro.

Richter Herbert Zapf gibt dem Angeklagten zu verstehen: „Es sieht nicht gut aus für Sie.“ Till R. beharrt allerdings darauf, die Zeugen zu hören. Ein Polizeibeamter lässt daraufhin Revue passieren, wie die Ermittler auf den Angeklagten als möglichen Täter kamen. Dabei tritt auch zutage, dass Till R. schon in zwei weiteren Tischlereien als Praktikant gearbeitet hat – und genau in dieser Zeit dort geklaut wurde. „Komisch, finden Sie nicht?“, fragt Richter Herbert Zapf. Den richterlichen Vorschlag, die Sache mit einer Geldstrafe ad acta zu legen, lehnt Till R. jedoch ab.

Ein Urteil bleibt an diesem Tag aus. Denn weil ein letzter Zeuge noch gehört werden muss, ist die Verhandlung auf kommende Woche vertagt. (ewe)