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Langsam wird der Platz eng

Nach dem Tornado 2010 wurde im Alberttreff auch das Museums-Depot erneuert. Doch es platzt schon wieder aus den Nähten.

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© Kathrin Krüger-Mlaouhia

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Das Programm zur Inventarisierung im Museumsdepot heißt Augias. Das ist abgeleitet von Augiasstall und erinnert an die griechische Mythologie, als Herkules den 30 Jahre nicht ausgemisteten Rinderstall des Königs Augias reinigen musste. So schlimm sieht es in der Sammlung der städtischen Museen im Albertreff nicht aus. Doch circa 25 000 Objekte, dazu 10 000 Fotos, zahlreiche Postkarten und Dias müssen trotzdem verwaltet werden.

Zwar konnten im Vorjahr weitere 1500 Gegenstände inventarisiert, also genau beschrieben, nummeriert und vor allem fotografiert werden. Doch erst 80 Prozent der Objekte, so Museumsleiter Jens Schulze-Forster, sind insgesamt schon in Datensätzen erfasst.

Bei einem Rundgang zum Denkmalstag informierten sich etwa 20 Besucher darüber und konnten mit den Augen stöbern. „Die Gegenstände sind ja vor allem interessant durch ihre Geschichte“, so der Museumsleiter. Also, wem gehörten sie früher? Wie und warum kamen sie ins Museum? Welche Bedeutung hatten sie einst? Anschaulich wird das bei den Uniformen. Zum Teil lassen sie sich noch ihren Trägern zuordnen – dank des früheren Museumsleiters Dietrich Heerde. Bei vielen ist das allerdings nicht möglich, weil das in den Nachwendewirren kaum erfasst wurde.

Wo standen die Barockstühle?

Ähnlich sieht es bei Barockstühlen aus. Sie könnten laut Schulze-Forster aus den Logen der Marienkirche stammen. Oder von Zunftmeistern. Aus Schlössern wie Zabeltitz stammen sie eher nicht, der Museumsleiter sieht sie im bürgerlichen Kontext – ihres schlichteren Schmuckes wegen.

Seit 110 Jahren gibt es nunmehr die Museumssammlung. Ihre Pflege und Erschließung ist mindestens genauso wichtig wie das Ausstellen, so Schulze-Forster. Doch längst noch nicht alles konnte im Haus am Kirchplatz gezeigt werden. „Sonderausstellungen sind ein guter Anlass für eine thematisch vollständige Erfassung spezieller Bestände“, sagt der Museumsleiter. Vielleicht wird im kommenden Jahr die Militärgeschichte aufgearbeitet. Immerhin konnte das Museum das Traditionszimmer der NVA-Garnison übernehmen – nur die Waffen mussten ans Militärhistorische Museum Dresden abgegeben werden – der damals fehlenden Sicherheitstechnik wegen.

Heute ist das Depot gut gesichert. Und nach der Sanierung 2011 eines der am besten ausgestatteten Sammlungen in der Region. Schwerlastregale und Spezialschränke bezeugen das. Fortschrittlich ist seit zwei Jahren nun auch die computergestützte Objektdatei. Sie ist mit dem Haus am Kirchplatz vernetzt. Ent- und Befeuchter sorgen für ein gleichbleibendes Klima.

2018 Ausstellung zu Musikgeschichte

Jens Schulze-Forster hätte gern fachlich versierte Kräfte zur weiteren Inventarisierung. Bekommen wird er zeitweilige Mitarbeiter vom Jobcenter. „Die Erfassung bleibt damit eine Lebensaufgabe, noch sind Überraschungen möglich“, so der Museumsleiter. Ständig kommen auch neue Nachlässe dazu. Eindrucksvoll ist das, was von Komponist Herbert Gadsch überliefert wurde. 2018 soll deshalb auch eine Schau zur Großenhainer Musikgeschichte in der Alten Lateinschule gezeigt werden.