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Lasterfahrer nach Horror-Crash vor Gericht

Nach einem Unfall im Mai 2015 glich die A 14 in Höhe der Raststätte Muldental einem Trümmerfeld. Ein Tscheche muss sich nun dafür vor einem Gericht in Sachsen verantworten.

© Frank Schmidt

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Horrorstrecke A 14: Die 90 Kilometer lange Autobahntrasse vom Dreieck Nossen bis Leipzig ist immer wieder Schauplatz grausamer Unfälle. Oft sind Lkw daran beteiligt und häufig kommen sogar Menschen ums Leben. So auch vergangenen April, als ein Sattelschlepper einer Meißner Speditionsfirma zwischen Leisnig und Mutzschen in Flammen aufging. Der Fahrer wurde im Führerhaus eingeklemmt und verbrannte.

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Ein Lasterfahrer aus Tschechien steht am Mittwoch wegen einem der folgenschwersten Unfälle der letzten Jahre vor dem Amtsgericht in Grimma: Er war am 27. Mai 2015 auf der A 14 Richtung Dresden unterwegs – und bemerkte ein Stauende an der Raststätte Muldental zu spät. Weil er nicht aufpasste und mit hoher Geschwindigkeit auf die schleichende Kolonne auffuhr, musste ein Autofahrer sterben. Ein weiterer Fahrer wurde so schwer verletzt, dass er bis heute im Koma liegt. Zwei Beifahrerinnen erlitten schwere Verletzungen. Auch zwei Kinder, damals fünf Jahre alt und im Säuglingsalter, wurden verletzt. Jetzt muss sich der heute 39 Jahre alte Tscheche wegen fahrlässiger Tötung und fünffacher fahrlässiger Körperverletzung vor dem Richter verantworten.

Sein Auffahrunfall verursachte eine tragische und lange Kettenreaktion: Beteiligt daran waren insgesamt fünf Fahrzeuge: Der Sattelschlepper mit Container aus Tschechien, ein Lkw mit Anhänger, ein BMW mit Wohnwagen, ein weiterer Pkw und noch ein Laster. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war der Unglücksfahrer am helllichten Nachmittag gegen 14.30 Uhr „wegen mangelnder Sorgfalt“ mit Tempo 70 auf einen vor ihm rollenden Lastzug aufgefahren und dabei ins Schleudern geraten.

Dann zog er nach links an dem Lastzug vorbei, geriet wieder nach rechts und rammte schließlich den Wohnwagenanhänger. Im BMW saß eine Urlauberfamilie aus Schwaben. Durch den Aufprall habe sich das Auto, das den Wohnwagen zog, gedreht und sei auf einen davor fahrenden Skoda aufgeprallt. Dieser Wagen sei schließlich mit der Fahrerseite unter einen weiteren Lkw geschoben worden – der 52-jährige Mann am Steuer des Skoda starb. Seine 43 Jahre alte Frau wurde schwer verletzt. Der BMW-Fahrer musste mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden.

Die A 14 glich an jenem Tag stundenlang einem Trümmerfeld, die Fahrbahn blieb bis zum Abend gesperrt. Mehrere Rettungswagen und die Feuerwehr waren im Einsatz, das Kriseninterventionsteam des Landkreises Leipzig kümmerte sich um die Betroffenen und die Angehörigen. Der tschechische Lasterfahrer erlitt einen Schock. Laut der Staatsanwaltschaft habe der Beschuldigte „nicht bemerkt, dass der Verkehr vor ihm ins Stocken geraten sei und nur noch mit fünf bis 15 Stundenkilometern rollte“, berichtet der Grimmaer Gerichtssprecher Malte Fischer. Dabei sei der stockende Verkehr für den Angeklagten aus mindestens 300 Metern Entfernung sichtbar gewesen. Der Unfall wäre daher zu verhindern gewesen, so die Ermittler.

Das Amtsgericht Grimma hat die anderen beiden Lkw-Fahrer als Zeugen und einen technischen Sachverständigen geladen, um die Sache aufzuklären. Der Dresdner Anwalt des Tschechen, Uwe Mosig, sagte der SZ, sein Mandant sei bis zu dem Unfall unbescholten gewesen und kein Verkehrsrowdy. Im Gegenteil. Er sei nach dem Unfall längere Zeit krank gewesen, auch psychisch. Er hat nach dem Crash seinen Job bei der Spedition verloren und schlage sich seither mit Aushilfsjobs durch. „Auch für sein Leben war der Unfall ein großer Einschnitt“, sagt Mosig. Eine Ursache für das Drama sei möglicherweise ein Augenblicksversagen gewesen. In den Ermittlungen geäußert habe sich sein Mandant bisher nicht. Dass er nun eine Freiheitsstrafe bekommt, die er auch im Gefängnis absitzen muss, erwartet der Anwalt nach dem bisherigen Stand der Dinge eher nicht.

Unglücke wie das Drama Ende Mai 2015 sind keine Seltenheit auf der A 14: Erst Anfang dieses Jahres stellte sich bei dichtem Schneetreiben und winterlichen Straßenverhältnissen auf der Höhe von Grimma ein polnischer Lkw nach einem Überholmanöver quer auf die Autobahn. Als ein anderer Laster in den liegen gebliebenen Lkw krachte, wurden beide Fahrer schwer verletzt. Anfang November fuhren zwischen Klinga und Naunhof drei Lastwagen aufeinander. Und Mitte März 2016 hatte ein Lkw bei Nossen eine Baustelle touchiert. Er fuhr aber weiter, drosch später durch die Mittelleitplanke und kippte schließlich um. Die Aufzählung der Katastrophen ließe sich weiter fortsetzen.