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Lauchs-Nachfolger geschnappt

Auf frischer Tat erwischt – das gelingt der Polizei selten. An einer Radebeuler Brücke sind die „Zauberer“ zugange gewesen.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul/ Coswig/ Dresden. Es ist die Zeit kurz vor der Dämmerung. Noch dunkel genug, um Böses im Schilde zu führen, aber eben nicht zu finster, die Sprayflaschen auszupacken und drei Buchstaben an die Brückenwand zu sprühen. Vier junge Männer aus Dresden und Radebeul waren an diesem frühen Donnerstagmorgen, dem 29. Juni 2017, 3.15 Uhr in der Radebeuler Forststraße aktiv.

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Ein Stück weiter an der Brücke Weintraubenstraße steht noch Lauchs.
Ein Stück weiter an der Brücke Weintraubenstraße steht noch Lauchs. © Norbert Millauer

Die Zeit ist so genau im Computer des Kriminaldienstes vom Revier Meißen notiert, weil just zu diesem Zeitpunkt der Streifenwagen hier vorbeifuhr und die 20 und 21 Jahre alten Schmierer erwischte. Auf frischer Tat geschnappt, betont Jörg Kretzschmar, Erster Hauptkommissar und Leiter des Kriminaldienstes, der übrigens gleich um die Ecke in der Birkenstraße seinen Sitz hat.

Kretzschmar ist seinen Kollegen, die da nachts unterwegs waren, sehr dankbar. Bei Sprayen auf frischer Tat erwischt, ist so was wie ein Lottogewinn. Der Kripomann: „Wir haben gleich anschließend Radebeul und bis an den Stadtrand von Dresden alles durchforstet und nach dem Schriftzug gesucht. „ZBR“ steht seit diesem Donnerstagmorgen an der Betonwand der Forststraßenbrücke. In der Gartenstraße sind große Stromkästen beschmiert. Auch Strommasten der Straßenbahn und Telefonzellen, so die Polizei, wurden verunstaltet.

Offenbar hatten die jungen Männer ein großes Szenario geplant. Denn der Schriftzug taucht in großer Dichte bislang nur in Radebeul-Ost auf. Von hier aus sollten möglicherweise die Kreise größer gezogen werden. Vielleicht auch, weil es um Lauchs stiller geworden ist und davon kaum noch neue Schmierereien auftauchen.

Jedenfalls wurden die vier nach ihrer Festnahme vernommen. Insgesamt 27 Graffitischmierereien konnten ihnen nachgewiesen werden. Sie haben die Taten eingeräumt, so Polizeisprecher Marko Laske. Auch eine Hausdurchsuchung in den Wohnungen nahe Langebrück wurde der Polizei genehmigt. Dabei seien Unmengen von Spraydosen, Skizzen und sogenannte Blackbooks gefunden worden. Letztere sind die Skizzenbücher, in denen sich die Sprayer vor der Aktion Zeichnungen machen, wie der Schriftzug etwa mal rund, mal eckig oder unterschiedlich farbig aussehen könnte.

Und, die Kripo-Beamten haben bei den Vernehmungen erfahren, dass „ZBR“ für das Wort Zauber steht. Die Idee der Sprayer: einfach die Vokale a, u und e weglassen. „Kunst ist das deswegen aber noch lange nicht“, sagt Hauptkommissar Kretzschmar, sondern ganz einfach Sachbeschädigung.

Der Schaden durch die 27 eingestandenen Taten wird auf mindestens 10 000 Euro beziffert. Zu allen liegen inzwischen auch Anzeigen der jeweils geschädigten Eigentümer vor, bestätigt die Polizei.

Die Beweise und Vernehmungsprotokolle mit Geständnissen samt der Fotos von den Tatorten mit den Schmierereien sind bei der Staatsanwaltschaft in Dresden. Lorenz Haase, Sprecher der Staatsanwaltschaft, sagt, dass noch geklärt werden müsse, ob die Täter nach Jugendstrafrecht oder als Erwachsene angeklagt werden – wegen ihres Alters 20 und 21 Jahre. Jugendstrafrecht könnte Arbeitsstunden bedeuten. Als Erwachsene kann es von einer Geldstrafe bis zu zwei Jahren Haft gehen. Die jeweils Geschädigten müssen sich allerdings die Wiedergutmachung selbst einklagen. Wann es genau zum Prozess kommt, weiß Haase aber noch nicht.

Das Besondere an dem Verfahren zu den verhinderten Zauberern ist, dass es zügig zum Erfolg gegen die Schmierer gebracht werden kann. Bei Lauchs war das anders. Der Radebeuler, der diesen Spruch, der für schlau stehen soll, erfunden hat, musste viel länger verfolgt werden. Obendrein hatte er offenbar zahlreiche Trittbrettfahrer. Über Jahre zogen sich die Schmierereien in Radebeul, Coswig und Dresden hin.