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Lauencenter-Pläne sind geplatzt

Der Investor für das Lauencenter zieht sich überraschend zurück und damit wird in Bautzen nicht gebaut. Die Entscheidung wird auch mit einem möglichen Bürgerbegehren begründet.

© Stadtverwaltung Bautzen

Von Nicole Preuß

Bautzen. Ein letztes Gespräch blieb gestern erfolglos. Oberbürgermeister Christian Schramm (CDU) gelang es nicht, den Investor umzustimmen. Man wog die Gründe ab, man bewertete sie. Und konnte doch letztlich die Entscheidung nicht noch einmal drehen. Nun ist sie klar.

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Das Lauencenter wird nicht gebaut. Der Investor, die Projektgesellschaft Säurich/Sassenscheidt, gibt das Projekt überraschend auf. Das gab er gestern Abend in einer Pressemitteilung bekannt. „Die aktuellen Umstände im Projekt zwingen uns, die Arbeiten am Bauvorhaben niederzulegen“, steht darin. Der Investor begründet seinen Schritt mit verschiedenen Problemen. Zum einen hätten die Auflagen des Denkmalschutzes zu einem nicht mehr tragbaren Zeitverzug geführt. So war dem dem Investor im vergangenen September der Abriss von zwei denkmalgeschützten Häusern nur unter der Auflage genehmigt worden, dass er sie wissenschaftlich dokumentieren lässt. Diese Arbeit hatte vor wenigen Wochen begonnen. Brauchten aber offenbar viel Zeit. Ziel des Investors war, das Center 2015 zu eröffnen. Darauf liefen auch die Mietverträge hinaus, die er bereits abgeschlossen hatte.

Einen weiteren Grund für das Scheitern sieht der Investor in den Irritationen, die eine weitere Entwicklung in Bautzen gebracht hätte. So sammelten einige Bautzener seit sechs Wochen Unterschriften, um einen Bürgerentscheid über das Lauencenter zu erzwingen. Dabei sollten die Bautzener selbst entscheiden, ob das Center gebaut wird. Der Investor schreibt in seiner Mitteilung: „Die Verunsicherungen bei sämtlichen Projektbeteiligten, die das derzeitige Bürgerbegehren auslöst, sind in den letzten Wochen deutlich spürbar gewesen.“ Auf einen Bürgerentscheid mit all seinen möglichen Konsequenzen wollte er es offenbar nicht ankommen lassen. Die Stadt bedauert den Schritt des Investors. „Damit entgeht der Stadt eine große, tragfähige Zukunftschance“, sagte Oberbürgermeister Christian Schramm (CDU) in einer erste Reaktion. Er und die Stadtverwaltung waren mit dem Investor seit sechs Jahren im Gespräch. Öffentlich diskutiert wurde das Thema aber erst vor drei Jahren.

Dann folgte die grundsätzliche Entscheidung des Stadtrates für das Center. Später schloss die Stadt dann einen Vertrag mit dem Investor über die Planung des neuen Einkaufszentrums.

Sie gab Gutachten in Auftrag, wie sich 10.000 Quadratmeter neue Einkaufsfläche auf den Bautzener Handel auswirken. Und sie überlegte, wie die neuen Kunden denn künftig zum neuen Center kommen. Verkehrspläne wurde gewälzt und neue Ideen für Bautzens Straßen diskutiert. Eine Ausstellung zeigte fünf Entwürfe für die Fassadengestaltung des neuen Centers. Die Bautzener wählten ihren Favoriten. Nun gehört das alles der Vergangenheit an.

Welche Folgen die Absage des Investors für die Stadtentwicklung hat, ließ die Stadt gestern offen. Die meisten Stadträte waren in der Kürze der Zeit nicht erreichbar. Die Stadt sagte jedoch, sie wolle erst einmal an bestimmten Verkehrsüberlegungen festhalten. Größte Sorgen bereite ihr das Areal zwischen dem Lauengraben und der Bauerngasse, auf dem das Lauencenter gebaut werden sollte. Dort stehen einige baufällige Häuser. Die meisten Ladenlokale sind bereits leer. Auch weil das Lauencenter gebaut werden sollte. In vielen Wohnungen lebt bereits jetzt keiner mehr.

Die Bürgerinitiative Lauenpark freute sich über die Absage des Investors. „Wir sind glücklich, dass es so gekommen ist“, sagte Peter Willroth. „Es wäre aber vermessen, sich einzubilden, dass wir das geschafft haben. Wir wären noch lange nicht so weit gewesen.“ Für einen Bürgerentscheid hätte die Initiative noch rund 2.500 Unterschriften sammeln müssen – in sechs Wochen. Und dann wäre noch nicht klar gewesen, wie der Entscheid ausgeht. „Wir haben nur ein bisschen Dreck ins Getriebe gestreut“, sagt Willroth. Eigentlich sollte das Lauencenter schon 2015 fertig sein und eröffnen. Das hatte der Investor bereits vertraglich vereinbart. Unter anderem in den Mietverträgen, die bisher geschlossen worden waren. So war zum Beispiel der Vertrag mit dem ersten Ankermieter Saturn an diese Jahreszahl gebunden. Von der Landesdirektion hatte der Investor die Auflage bekommen, die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Areal wissenschaftlich zu dokumentieren. Erst wenn diese Dokumentation abgeschlossen gewesen wäre, hätte der Investor die beiden Häuser abreißen können. Die Dokumentation hatte vor wenigen Wochen bereits begonnen.