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Laufroboter im Test

Die Rehaklinik Großenhain spezialisiert sich immer mehr auf schwere Nervenschäden – und will dabei entspannt sein.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Birgit Ulbricht

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Der Garten ruft

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Großenhain. Nach einem eher holprigen Start mit Bauverzug, Personalsorgen und Findungsschwierigkeiten wird die Großenhainer Rehaklinik im April unaufgeregt und still fünf Jahre alt. Wer hätte das gedacht, nachdem die neu gebaute Klinik schon nach kurzer Zeit eine Sparte – die Orthopädie – wieder dichtmachte. Doch nun hat das Großenhainer Haus seine Nische in der Reha-Landschaft offenbar gefunden. Mit der Neurologie, speziell schwersten Fälle von Nerven- und Gehirnschäden, kann Chefarzt Dr. Imanuel Dzialowski mit seinem Team eine Spezialisierung anbieten, die häufiger nachgefragt ist. Längst ist es nicht nur der Schlaganfall-Patient, der in Großenhain rehabilitiert wird. „Die Patienten überstehen heute öfter schwerste Operationen und Krankheiten“, erläutert Dr. Dzialowski. Mit anderen Worten, nach dem Überleben auf der Intensivstation haben viele Patienten aber ernste Nervenschäden zurückbehalten, die sie im schlimmsten Fall weiter ans Beatmungsgerät fesseln, die weder Schlucken, Sprechen, schon gar nicht Mobilität erlauben. Dann heißt die Fragen: Wohin jetzt? Von der Vorstellung, in einer Rehaklinik lerne der Patient wieder Laufen oder Treppensteigen ist da das Ärzteteam oft noch Monate entfernt. Erst mal sollen die Betroffenen von der Maschine weg, schlucken können, selbst essen.

Entlass-Manager ebnen den Weg

Mancher von ihnen erlernt das in Großenhain. Einige der Patienten kommen aus dem Elblandklinikum hierher, andere von den Unikliniken Leipzig und Dresden, der Unfallklinik Halle und aus dem Brandenburgischen. Von den Unikliniken kommen zunehmend Menschen, die wegen eines Gehirn-Tumors operiert wurden. Das alles stellt das Team von Pflegern, Therapeuten, Ärzten und Verwaltung vor enorme Herausforderungen, auf die man sich in den letzten beiden Jahren ausschließlich konzentriert hat. Allein im letzten Jahr wurde die Ärzteschaft um fünf Neurologen und einen Rehabilitationsmediziner erweitert. Dazu kamen neue Pflegekräfte und Therapeuten. Die jüngste Zertifizierung bescheinigt dem Haus seit 2014 „eine unglaublich gute Entwicklung“. Derzeit, so Dr. Dzialowski, subspezialisieren sich seine leitenden Ärzte noch einmal auf verschiedene Gebiete wie Intensiv- , Schmerz- und Sozialmedizin.

Voll des Lobes ist der Chefarzt aber auch an ganz anderer Stelle: Seit 2017 beschäftigt die Rehaklinik drei Sozialarbeiter und zwei Entlass-Manager, die sich nur damit befassen, dem Patienten den Schritt in die Welt da draußen überhaupt zu ebnen. „Das ist ein ganz wichtiges Bindeglied ins Leben, ich bin davon total begeistert“, freut sich der Chefarzt. Die größten Hürden sind dabei nicht etwa Treppen oder gar die neue Wohnung, sondern der Papierkrieg mit Kostenträgern und Behörden, dem Angehörige oft gar nicht gewachsen sind. „Ja, es gibt auch Menschen, die bleiben im Wachkoma“, gibt der Mediziner unumwunden zu. Aber zu sehen, wie sich ein Mensch erholt, wie er selbst atmet, erste Bewegungen machen kann, sitzen kann, später – wenn auch noch mit mehreren Helfern – aufsteht und schließlich am Rollator läuft und vielleicht irgendwann ganz selbstständig, das ist für Imanuel Dzialowski Erfüllung im Beruf. „Dafür rackert das ganze Team“, sagt er stolz. Auch Frank Yuji Ohi, Chef der Elblandkliniken, die an der Rehaklinik Großenhain die Mehrheit halten, zog unlängst erstmals ein positives Resümee zum einstigen „Sorgenkind Großenhain“. Dass die Gesellschafter an die Entwicklung der neuen Klinik glauben, zeigt sich gerade. Diese Woche hat das Haus einen Lauf-Roboter bekommen. Ist ein Bein noch komplett gelähmt, kann der Patient jetzt in einer Aufhängung über ein Laufband gefahren und bewegt werden. Das Bein wird so viel früher motorisch aktiviert, als das bisher möglich war.

Drei Monate wird der Roboter nun getestet. Dieser neue „Mitarbeiter“ wird in diesem Jahr die teuerste Investition sein. Aber bei weitem nicht die Einzige. „Wenn Sie aus dem Fenster sehen, das sieht alles noch etwas trostlos aus“, eröffnet der Chefarzt, „ich möchte, dass Patienten auch herauskommen, wenn es schön ist. Man darf nicht vergessen, dass bei solchen Erkrankungen schnell ein Jahr Krankenhaus zusammenkommt.“ Ein Therapiegarten soll deshalb angelegt werden. Ein paar Beete, Wege, Bäume, wo sich die Patienten auch selbst betun können. „Ich denke, dass viele unserer Patienten zu Hause selbst Gärten hatten und so ein Stück Lebensfreude finden“, sagt Dzialowski.

Wohlbefinden ganz anderer Art verspricht sich der Neurologe von einem weiteren Projekt: Die Großenhainer Klinik wird eine Aromatherapie einführen. Ob es gut riecht oder nicht, beeinflusst uns doch alle. Erst recht, wenn andere Sinne vorübergehend eingeschränkt sind oder fehlen. Mit den Wohlgerüchen bezwecken die Mediziner allerdings viel mehr. Sie wollen ihren Patienten helfen, Schmerzen oder Ängste zu lindern und wieder in einen Tag-Nacht-Rhythmus zu finden, der im Klinikalltag oft gestört ist. Denn wenn die Patienten in der Reha ankommen, haben sie schon einen anstrengenden Krankenhausalltag hinter sich. Und nicht nur das, so Dzialowski ernst. Die Reha legt Wert auf ein rigoroses Hygienemanagement und ist jetzt Mitglied im sächsischen Antibiotika-Netzwerk. Schließlich könnten die Patienten aus den Intensivstationen der verschiedensten Kliniken gefährliche Krankenhauskeime mitbringen. Deshalb wird jeder bei Ankunft auf alle möglichen Erreger gescreent. Im Ernstfall haben die Ärzte so auch Zugang zu einer 24-Stunden-Hotline von Experten.