Merken

„Lauft, raus mit euch!“

Ein Privatflieger lösteine Massenflucht ausRegierungseinrichtungen in Washington aus.

Teilen
Folgen

Von Hans Dahne,Washington

Nach einer Terrorwarnung sind das Weiße Haus und das Kapitol in Washington am Mittwoch vorübergehend geräumt worden. Bilder von Hunderten überstürzt flüchtenden Mitarbeitern des Weißen Hauses und des Kongresses ließen Erinnerungen an die Terroranschläge vom 11. September 2001 wach werden. George W. Bush befand sich zu dieser Zeit nicht im Weißen Haus. Vizepräsident Dick Cheney verließ das Gebäude in einem Fahrzeugkonvoi.

Der Alarm wurde nach US-Medienberichten durch ein einmotoriges Flugzeug ausgelöst, das in den gesperrten Luftraum über der US- Hauptstadt eingedrungen war. Zwei Kampfflugzeuge vom Typ F-16 feuerten Warnschüsse auf die einmotorige Cessna 150 und drängten die Maschine schließlich ab. Nach 15 Minuten wurde die Terrorwarnung wieder aufgehoben.

„Das ist kein Spaß“, sagten Sicherheitskräfte den Journalisten, die sich zum üblichen Presse-Briefing im Weißen Haus aufhielten. „Rennt, das ist kein Witz, verlasst das Gelände“, rief ein anderer Mitarbeiter des Geheimdienstes.

Senatssitzung unterbrochen

Im Kongress wurde eine Sitzung des Senats mitten in der Debatte unterbrochen. „Lauft, raus mit euch“, riefen Sicherheitsbeamte im Kapitol Mitarbeitern und Journalisten zu. Alle anwesenden Personen seien aufgefordert worden, innerhalb von zwei Minuten das Gebäude zu verlassen, berichtete der Nachrichtensender CNN. „Das ist keine Übung“, warnten Wachleute.

Die einmotorige Maschine vom Typ Cessna 150 habe auf wiederholte Anfragen der Bodenkontrolle nicht geantwortet und sei im gesperrten Luftraum direkt auf die Innenstadt zugeflogen, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Als das Flugzeug 16 Kilometer vom Weißen Haus entfernt gewesen sei, hätten es die Kampfflugzeuge abgedrängt. Präsident George W. Bush sei die gesamte Zeit auf dem Laufenden gewesen, habe sich aber nicht im Weißen Haus befunden, erklärte der Sprecher weiter.

Die beiden Piloten an Bord der Cessna seien verhört und wieder freigelassen worden, berichtete abends der Sender CNN unter Berufung auf die Polizei. Die Beamten hätten sich überzeugt, dass es sich um eine „versehentliche“ Verletzung des Luftraums gehandelt habe. Gegen die beiden werde vorerst keine Klage erhoben.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September ist der Luftraum über Kapitol und den Weißem Haus weiträumig gesperrt. Im Falle eines möglichen Terroranschlages hat die amerikanische Luftwaffe den Befehl, das eindringende Flugzeug abzuschießen. Falscher Terroralarm ist keine Seltenheit. Bei den Trauerfeierlichkeiten für Ex-Präsident Ronald Reagan im Juni vergangenen Jahres flog irrtümlich ein Flugzeug mit dem Gouverneur des Bundesstaates Kentucky an Bord in die Sperrzone und löste einen Alarm aus.

Der letzte falsche Alarm erfolgte vor drei Wochen. Am 27. April flüchtete US-Präsident George W. Bush wenige Minuten in einen unterirdischen Bunker im Weißen Haus. Es handelte sich den Angaben zufolge um eine reine Vorsichtsmaßnahme, nachdem es Hinweise auf das Eindringen eines Flugzeuges gegeben habe. Sicherheitsleute untersuchten, ob eine Anomalie des Radars den Alarm ausgelöst haben könnte. (dpa)