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Lauscher unter Beobachtung

Eine Cunnersdorferin beteiligt sich bei „Jugend forscht“. Die Ergebnisse sollen nicht nur Hund und Katze helfen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Maik Brückner

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Cunnersdorf. Beherzt greift Julia-Marie Gläser in den Korb und holt Kater Lumpi heraus. Sie setzt ihn auf den Tisch und beginnt mit der Untersuchung seiner Ohren. Darin hat die junge Frau, obwohl sie erst 18 Jahre alt ist, Erfahrung. Über mehrere Monate hat sie sich mit dem Thema Ohrenschmerzen bei Hunden und Katzen beschäftigt. Am Ende hat sie eine schriftliche Arbeit verfasst, die sie beim Wettbewerb „Jugend forscht“ eingereicht hat. Anfang Februar findet die erste Runde auf Regionalebene in Dresden statt. Die junge Frau, die im Glashütter Ortsteil Cunnersdorf groß geworden ist und dort auch wohnt, hofft, dass sie gut abschneidet und so ein paar Pluspunkte holen kann, um ihren Berufswunsch zu verwirklichen: Sie will Tierärztin werden.

Seit ihrer Kindheit weiß sie, dass es ihr Traumberuf ist. „Medizin ist eine Wissenschaft mit sehr vielen verschiedenen Aufgaben.“ Jeder Patient sei anders. Dass sie lieber Tier- als Humanmedizin studieren will, dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen mag sie Tiere, sie ist mit ihnen groß geworden. „Wir haben drei Pferde, Dackel und Reptilien“, erzählt sie. Zum anderen glaubt sie, dass Tierärztin besser zu ihr passt. „Menschen – das ist nicht mein Ding.“ Bereits in der achten Klasse bewarb sie sich um ein Praktikum in der Possendorfer Tierarztpraxis Kießling. Sie wurde genommen. Es folgten weitere Praktika. In der elften Klasse konnte sie entscheiden, ob sie eine schriftliche Prüfung durch eine wissenschaftliche Arbeit ersetzen möchte. Julia-Marie Gläser entschied sich für die Arbeit.

Mit dem Team der Tierarztpraxis suchte sie nach einem Thema. Die Wahl fiel auf die Ohrenschmerzen. „70 Prozent der Hunde bekommen sie im Laufe ihres Lebens“, sagt die 18-Jährige. Auch bei Katzen treten oft Ohrenschmerzen auf. Die Symptome sind ähnlich: Die Tiere fangen an, sich am Ohr zu kratzen, sie schütteln den Kopf. Oft dringt aus ihren Ohren ein unangenehmer Geruch. Julia-Marie Gläser begann, sich mit dem Thema zu befassen. Sie las Bücher und Aufsätze, auch in englischer Sprache. „Es gibt viele Abhandlungen“, sagt sie. Doch meist nur zu ganz speziellen Ursachen. Eine Gesamtschau hat sie bei ihrer Recherche nicht entdeckt. Das sollte ihr Ansatz werden. Allerdings beschränkte sie sich auf die Außenohrenentzündungen. Für diese gibt es mehrere Ursachen. Manchmal sind es Bakterien, manchmal Parasiten wie Milben, Flöhe und Zecken. Auch Fremdkörper wie Schmutz und Tannennadeln, die in den Gehörgang gelangen, können Schmerzen verursachen. Es können auch Allergien sein.

Nachdem sich Julia-Marie Gläser mit der Theorie vertraut gemacht hat, erarbeitete sie einen Fragebogen, den sie und ihre Kollegen mit dem jeweiligen Tierhalter ausfüllten. Von den Mitarbeitern der Praxis bekam sie Proben, die sie unter dem Mikroskop auswerten konnte. Innerhalb eines Jahres – so lange hatte sie Zeit – konnte die junge Frau 21 Krankheitsfälle auswerten. Sie kam zum Schluss, dass bei Katzen häufig Parasiten die Ursache der Ohrenschmerzen sind. Grund sei, dass sie Freigänger sind. Bei Hunden wurden Ohrenschmerzen meist durch Bakterien und durch Futtermittelunverträglichkeit ausgelöst. Ihre Behandlung dauert meist länger als die bei Katzen. Ob sich diese Erkenntnisse verallgemeinern lassen, müssten weitere Studien belegen, sagt sie.

Ihre Arbeit reichte sie am Glückauf-Gymnasium Dippoldiswalde/Altenberg ein. Drei Fachlehrer prüften sie. Am Ende gab es für die Arbeit und die mündliche Verteidigung je 15 Punkte, was einer Eins entspricht. Julia-Marie Gläser war überglücklich. Dass sie ihre Arbeit beim Wettbewerb einreichte, lag auch an der Einschätzung ihrer Betreuerin, der Tierärztin Sophie Rasenberger. Diese arbeitet inzwischen an der Universität Leipzig und betreut dort angehende Tiermediziner. Diesen steht Frau Gläser „weder in ihrer Auffassungsgabe noch in ihrem fachlichen Verständnis“ nach, urteilt Frau Rasenberger. Auch der Leiter der Praxis, Thomas Kießling, zeigte sich begeistert von der Arbeit. Julia-Marie Gläser habe sich in das Thema hervorragend eingearbeitet. „Das ist eine gute Vorarbeit für eine Doktorarbeit“, sagt er. Bis sie die schreiben kann, werden noch ein paar Jahre vergehen. Denn der erste Anlauf, einen der begehrten Studienplätze zu bekommen, klappte nicht. Um die Zeit bis zum Studium sinnvoll zu nutzen, lässt sich Julia-Marie Gläser derzeit zur Tierarzthelferin ausbilden. Sie möchte ihre Lehre nach 2,5 Jahren abschließen, um dann einen zweiten Anlauf zu nehmen. Sollte es mit einem Studienplatz in Deutschland nicht klappen, geht sie nach Budapest. An der dortigen Veterinärmedizinischen Universität gibt es einen Studiengang in deutscher Sprache, der auf die ersten vier Semester beschränkt ist.

Das sei kein unüblicher Weg, sagt sie. Viele Budapest-Studenten schaffen es, im fünften Semester nach Deutschland zu wechseln und hier weiter zu studieren. Julia-Marie Gläser ist jedenfalls bereit, diesen Umweg zum Traumberuf gehen zu wollen. Und was ist mit Lumpi? „Der ist gesund“, sagt Julia-Marie Gläser mit einem Augenzwinkern und hebt ihn in die Box zurück. Es ist der Kater ihrer Kollegin.