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Wirtschaft

Lausitz zur Vorzeigeregion machen

Statt in die Erweiterung von Straßen-Projekten soll das Geld in die Schiene und Radwege fließen. Dafür wollen die Grünen die Kohle-Kohle ausgeben.

© Oliver Berg/dpa (Symbolbild)

Dresden. In der Lausitz die Zukunft gestalten. Was sich wie ein platter Werbespruch liest, könnte nach dem Willen der Grünen schon bald Realität werden – bezahlt unter anderem mit den zehn Milliarden Euro, die der Bund für den Strukturwandel beim Braunkohleausstieg locker machen will und untersetzt durch Gutachten, wie das von Tobias Schönefeld. Im Auftrag der Grünen hatte sein unabhängiges Dresdner Planungsbüro SVU die Verkehrsinfrastruktur in der Region zwischen den Autobahnen 4, 13, 15 und der Grenze zu Polen analysiert und nach Optimierungschancen gesucht.

Potenzial sieht der Experte auch in Ausbau und Elektrifizierung der Schiene etwa auf der Strecke Radeberg–Kamenz–Hosena sowie Taktverdichtung, neuen und verlängerten Bahnlinien, perspektivisch Fernverkehr und – gerade für das Seenland – bessere Möglichkeiten zur Radmitnahme. „Da schauen wir neidisch auf Brandenburg“, räumt Schönefeld am Donnerstag ein.

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Abseits der Schiene sind auf dem Land innovative Konzepte gefragt: vom Plus-Bus als Zubringer über den Warentransport via Bus bis zu autonomen Mikrobussen. Auch bei Ortsdurchfahrten gibt es laut Gutachter viel zu tun. Er plädiert für integrierte Straßenraumgestaltung und -begrünung, durchgehende Gehwege mit ausreichend Querungshilfen, lärmoptimierten Asphalt, Tempolimits, Radwege. Umfahrungen solle es nur bei starkem Durchgangsverkehr und maximaler Entlastung geben, „sonst wird das Problem nur verlagert“. Größten Handlungsbedarf gebe es in Kodersdorf. 

Weiterentwicklung der Straßen statt Großprojekte

Schönefeld spricht von einem „ausreichend dichten Straßennetz in der Lausitz. Deshalb empfiehlt er, auf eine Nordverlängerung der Bundesstraße 178 und die angedachte autobahnähnliche Milau, Abkürzung für die Mitteldeutschland-Lausitz-Trasse, zu verzichten. Die Vorhaben würden viel kosten und zuerst dem Durchgangsverkehr statt dem Transport vor Ort dienen. Es brauche „keine Großprojekte, sondern eine bestandsorientierte Weiterentwicklung des Straßennetzes“.

Mit der Analyse – kein Gefälligkeitsgutachten, wie ihr Autor betont – sieht sich Katja Meier bestätigt. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag will die Lausitz zur „Vorzeigeregion“ machen und plädiert für „eine ausgebaute Schieneninfrastruktur mit attraktiven Zugverbindungen als Rückgrat nachhaltiger Mobilität“. Das schließe Elektrifizierung und Tempoerhöhung auf den Strecken Görlitz–Dresden, Cottbus–Dresden und Cottbus–Görlitz ein. Die Verkehrsverbünde müssten mit ausreichend Geld ausgestattet werden, um mehr Züge rollen zu lassen, fordert sie. Ziel sei überall ein Stundentakt, der sich auf stark nachgefragten Verbindungen zum Halbstunden-Takt überlagere.

Es werde viel über riesige Infrastrukturprojekte geredet, „aber keiner sagt, dass es mindestens zehn, 15 Jahre dauert“, moniert Hans-Jürgen Pfeiffer, der die Präsentation als Chef des Verkehrsverbunds Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) verfolgt. „Dabei haben wir Infrastruktur und könnten mit Geld, das man uns gibt, in erlebbarer Zeit Angebote schaffen“ – auch in wenigen Monaten einen Stundentakt zwischen Dresden und Görlitz sowie Görlitz und Hoyerswerda. Pfeiffer ruft nach Taten. Er sieht „alle in der Umkleidekabine, aber noch keiner ist an den Start gegangen“.

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