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Lausitzer Kupferförderer tritt auf die Bremse

Die deutsche Tochter des amerikanischen Bergbaukonzerns Minera streckt ihren Zeitplan.Ihr Projekt verfolgt sie vorerst mit einer kleineren Mannschaft. Der Grund dafür liegt auch in China.

Von Tilo Berger

Vor fünf Jahren ging es ähnlich geheimnisvoll zu. Damals kam eine Handvoll Männer in feinem Tuche nach Spremberg und verlangte den Bürgermeister zu sprechen. Bald schwieg sich herum, dass sie wegen des Lausitzer Kupfers gekommen waren. Dass der Bodenschatz tief unter der Erde rund um Spremberg schlummert, war ja seit DDR-Zeiten bekannt. Nun interessierte sich der US-amerikanische Bergbaukonzern Minera für den Rohstoff und gründete seine Tochtergesellschaft KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH. Deren Probebohrungen waren dann schon längst kein Geheimnis mehr, sondern fast ein gesellschaftliches Ereignis. Ganz offiziell erhielt KSL von den Ländern Brandenburg und Sachsen die Erlaubnis, die Lagerstätte zu erkunden und das Kupfer zu fördern. Optimisten gingen davon aus, dass vielleicht schon 2015 der erste Spaten für das künftige Bergwerk in die Erde gerammt werden könnte.

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Bisher 30 Millionen investiert

Gestern ging es wieder geheimnisvoll zu in Spremberg. Am Vormittag informierte KSL die Presse, dass Minera-Chefin Audra Welsh aus Washington persönlich anreise und am Nachmittag etwas erklären wolle. Am Ende überließ es die charmante Amerikanerin weitgehend KSL-Geschäftsführer Thomas Lautsch, gute und schlechte Nachrichten zu verkünden.

Die guten Nachrichten: Minera und KSL verfolgen das Kupfer-Projekt weiter. Das Unternehmen treibt die Planungen für das Bergwerk voran und gibt dafür auch weiter Geld aus. Seit 2007 flossen schon rund 30 Millionen Euro. Im Juni startete KSL das sogenannte Raumordnungsverfahren, an das sich das Planfeststellungsverfahren anschließen wird – so will es das Gesetz. „Die Lagerstätte ist sehr ergiebig“, erklärte Lautsch. „Und sie wird auch abgebaut werden, weil weltweit der Bedarf an Kupfer weiter steigt.“

Mit der Frage nach dem Wann begannen die schlechten Nachrichten: KSL streckt das ganze Projekt. Von 2015 redet niemand mehr. Die Entscheidung zum Bau des Bergwerkes falle frühestens in drei bis vier Jahren, ließ Lautsch durchblicken. Der Bau werde dann rund eine Milliarde Euro verschlingen – bevor überhaupt die erste Tonne Kupfer gefördert werden kann. „Soviel Geld hat niemand in der Schublade, auch Minera nicht“, sagte der KSL-Chef. Also wollen die Amerikaner Partner und Investoren suchen, die mit ins Boot steigen. Im Moment aber halten sich mögliche Geldgeber zurück – nicht nur gegenüber KSL und nicht nur in Europa. „Die Weltwirtschaft, die Nachfrage nach Rohstoffen und auch der Kupferpreis befinden sich gerade in einer Delle“, erklärte Lautsch. „Aber wenn Europa finanzpolitisch seine Hausaufgaben macht und auch China wieder zu Wachstum kommt, geht es hoffentlich bald wieder aufwärts.“

Sechs von zehn Leuten gehen

Bis dahin will KSL planen und abwarten. Dazu braucht das Unternehmen aber nicht wie derzeit zehn Leute, sondern nur noch vier, die in Spremberg die Stellung halten. „Unsere Leute sind sehr gut ausgebildet, die finden schnell eine neue Arbeit“, ist Lautsch überzeugt. Er selbst will das Unternehmen in den ersten Monaten der Umstrukturierung noch leiten und es dann „zu einem gegebenen Zeitpunkt in erfahrendere Hände geben“. Allerdings wolle der 51-Jährige im „Dunstkreis“ des Kupfer-Projektes bleiben. „Ich bin schließlich Bergmann.“ Aber eben ein Praktiker, kein Theoretiker und gleich gar keiner, der immer nur wartet.

Für Minera-Chefin Audra Welsh ist der Kupferbergbau in der Lausitz nur eines von vielen Projekten weltweit. Der Konzern plane neue Bergwerke unter anderem in Chile, Argentinien und Uruguay. Aber Spremberg und die Lausitz seien schon ein schöner Platz, sagte die Amerikanerin höflich.