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Lausitzer Wölfe schlagen wieder zu

In Brischko bei Wittichenau sterben sechs Mutterschafe und zwei Lämmer. Tierhalter drängen auf eine politische Lösung.

© Hagen Linke

Von Jana Ulbrich

Wittichenau. Die Kadaver sind abgeholt. So ist wenigstens der grausige Anblick verschwunden: sechs zerfleischte Mutterschafe und zwei tote Lämmer. Veronika Schuba weiß nicht mehr, was sie sagen soll. Die Landwirtin ist den Tränen nahe. Sie hatte auch diesmal wieder alles getan, um ihre Herde bestmöglich zu schützen. Die Schafe weiden gerade im Wittichenauer Ortsteil Brischko. Auf einem Deich an der Wudra erledigen sie wichtige Auftragsarbeit für den Hochwasserschutz. Am Freitagabend hat Veronika Schuba sie eingekoppelt wie jeden Abend. Auch von der Wasserseite her. Mehr als eine Stunde braucht sie jedes Mal, um den vorschriftsmäßigen Elektrozaun um ihre Herde zu ziehen. Früher hat die 62-Jährige die Schafe eingekoppelt, damit sie nicht weglaufen. Heute muss sie es tun, um sie vor den Wölfen zu schützen.

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Aber auch der vorschriftsmäßige Zaun hat ihre Tiere in dieser Nacht nicht retten können. Kurz nach um elf hat Veronika Schuba einen Anruf bekommen, dass im benachbarten Spohla Schafe durchs Dorf laufen. „Die Tiere müssen um ihre Leben gerannt sein“, sagt die Landwirtin. Das ganze Ausmaß des Wolfsangriffs aber zeigt sich erst am Sonnabendmorgen, als es wieder hell ist: die toten Mutterschafe, die beiden schwer verletzten Lämmer, die eingeschläfert werden müssen, die drei schwer verletzten Mutterschafe, von denen sie nicht weiß, ob sie überleben, die erst vier Wochen alten Lämmer, die jetzt keine Mütter mehr haben. Eines der toten Schafe, erzählt Veronika Schuba, haben sie erst am Sonntag gefunden – dreieinhalb Kilometer von der Koppel entfernt.

Leben in Angst

Erst vor einem halben Jahr hat der kleine Betrieb bei drei Wolfsübergriffen zwölf Schafe verloren, am 31. Dezember, am 4. und am 17. Januar. Danach haben Schubas die Herde in den Stall gesperrt. Erst spät im Frühjahr haben sie sie wieder herausgelassen. Und seitdem leben sie wieder mit der Angst. Hilflos steht Veronika Schuba zwischen ihren Tieren und lässt die Arme hängen. Sie zeigt auf ein Schaf, dem ein Ohr fehlt. Ein Wolf hat es ihm abgebissen.

„So kann das doch nicht weitergehen“, sagt sie leise. „Es kann doch nicht sein, dass Wölfe besser geschützt werden als unsere Tiere.“ Als vor Kurzem in Mortka ein erschossener Wolf gefunden wurde, hat der Verein Wolfsschutz Deutschland sagenhafte 10 000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgesetzt. Dem droht für diese Tat nach Recht und Gesetz sogar eine Gefängnisstrafe. Veronika Schuba kann da nur den Kopf schütteln.

Rudel noch unklar

Auch sie gehört zu den Unterzeichnern einer Petition an den Sächsischen Landtag, die eine legale Begrenzung des Wolfsbestandes in der Lausitz fordert. Allein seit sich das berüchtigte Rosenthaler Rudel vor fünf Jahren im Territorium zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda angesiedelt hat, hat das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ in dieser Gegend insgesamt 66 Nutztierübergriffe mit 235 getöteten Tieren gezählt. Der jüngste Angriff auf die Herde von Veronika Schuba ist womöglich der 67. Er könnte aber auch auf das Konto des Knappenrode-Rudels gehen, heißt es aus dem Kontaktbüro. Der Angriffsort liege im Grenzbereich der beiden Wolfs-Territorien.

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