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Lauter Schotter

Am Ziegelweg wird eine Lagerfläche für die Bahn hergerichtet. Lärm droht aber auch an einer anderen Stelle.

© André Schulze

Von Wulf Stibenz und Katja Schlenker

Etwa 250 000 Tonnen Schotter und sonstige Stoffe werden bald in Niesky gelagert. Das Material stammt von der Baustelle der Niederschlesischen Magistrale. Diese wird derzeit im Abschnitt zwischen Lohsa bis an Niesky heran ausgebaut und elektrifiziert. Zu guter Letzt muss noch der Abschnitt zwischen Niesky und Horka modernisiert werden. Das Projekt ist seit Jahren Thema in der Region. Aber jetzt erreichen die Folgen des Bahnausbaus direkt Niesky.

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Im Technischen Ausschuss der Stadt Niesky ist der Magistralenbau ebenfalls Thema gewesen. Dort informiert die Fachbereichsleiterin für Technische Dienste, Barbara Giesel, über das Vorhaben der Deutschen Bahn AG am Ziegelweg. Der Schotter stamme aus dem Abschnitt bei Lohsa, für den die Bahn bereits den Feststellungsbeschluss habe und wo sie mit dem Ausbau der Strecke beginne.

Am Ziegelweg sind die Bauarbeiten für den Platz schon weit fortgeschritten. Nachdem die Holzreste für das Heizkraftwerk entfernt worden sind, sind weite Teile der abgebrannten historische Lagerhalle abgerissen worden. Mit schwerem Gerät ist das große Areal zwischen Wohnbebauung und dem Trainingsplatz der Motorsportgemeinschaft eingeebnet worden. Zurzeit wird Kies verkippt und die Fläche begradigt.

Für Ausschussmitglied Andreas Konschak kommt diese Entwicklung überraschend: „Eigentlich hatten wir uns doch gegen die Schotteraufbereitung ausgesprochen“, bemerkt er im Ausschuss. Zudem sei lange Zeit keinerlei Rückmeldung gekommen, ob und wie sich die Entscheidungsfindung zum Schotterplatz in Niesky – so die Aufbereitungsanlage mitsamt den Lärmprognosen – gestalte. Barbara Giesel betont jedoch, dass die Einrichtung des Lagerplatzes am Ziegelweg zulässig sei und die Stadtverwaltung deshalb auch wenig dagegen vorbringen könne. „Der B-Plan für das Waggonbau-II-Gelände lässt das zu“, sagt sie. In dem Mischgebiet gelten zudem andere Lärmgrenzwerte als etwa in Wohngebieten wie in Neuhof – und das Gelände ist in Privathand.

Die Baustelleneinrichtungsfläche, wie das Areal am Ziegelweg offiziell genannt wird, ist etwa 300 mal siebzig Meter groß und umfasst rund 2,1 Hektar. Das ist im Wesentlichen die bereits mit Beton und Asphalt befestigte Fläche der Firma Warrant, die parallel zum Ziegelweg verläuft, erklärt Sprecherin Angelika Britz von der Deutschen Bahn AG. Neben Schotter sollen hier zum Beispiel auch Baustoffe aus dem alten Bahnkörper oder von Betonabbruch gelagert werden. Der Schotter selbst wird auf dem Platz zudem aufbereitet. Das heißt, erst gesiebt und dann wieder scharfkantig gemacht. Was davon wiederverwendet werden kann, wird teilweise direkt mit Bahnwagen auf ähnliche Lagerflächen entlang der Strecke gebracht. Dadurch soll die Anzahl von Lkw-Transporten minimiert werden. Der Schotter, welcher nicht wieder verwendet werden kann, wird mit den anderen Ausbaustoffen sowie neuem Material zu Baustoff verarbeitet. Dieser wiederum kommt beim Aufbau des neuen Bahnkörpers zum Einsatz. Ein geringer Teil ist Abfall, der gesondert entsorgt wird.

Der Lagerplatz ist nicht nur im herkömmlichen Sinne hergerichtet worden. Strom, Wasser und Abwasser sind ebenfalls eingerichtet und Zufahrten angelegt. Parallel zu dem Lagerplatz ist auch das Anschlussgleis vom Bahnhof Niesky durch den Waggonbau bis zur Fläche am Ziegelweg instand gesetzt worden, erläutert Angelika Britz. Bisher ist meist von einem Schotterlager und einer Aufbereitungsanlage in Niesky-Neuhof die Rede gewesen. Dagegen hat sich sowohl die Stadt Niesky in ihrer Stellungnahme als auch die Bürgerinitiative Neuhof ausgesprochen.

Das Thema ist mit der hergerichteten Fläche am Ziegelweg allerdings noch nicht komplett vom Tisch. Für den Abschnitt 2 a zwischen Lohsa und Niesky ist die Fläche in Neuhof lediglich zur Lagerung von Schotter, nicht aber zu dessen Aufbereitung vorgesehen gewesen. Beim Abschnitt 2 b ist das anders. Hier wartet die Deutsche Bahn momentan noch auf das Startsignal vom Eisenbahnbundesamt. Es wird derzeit für dieses Frühjahr erwartet. Erst dann können die Arbeiten im Abschnitt Niesky-Horka beginnen.

Die Baustelleneinrichtungsfläche Niesky-Neuhof, also auf der Wiese jenseits der Muskauer Straße – ist im Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt zwischen Niesky und Horka zusätzlich als Lager- und Aufbereitungsfläche vorgesehen. „Sollte sich die Möglichkeit ergeben, die Fläche am Ziegelweg auch für die Aufbereitung von Schotter aus diesem Abschnitt nutzen zu können, werden wir diese Chance nutzen“, erklärt Sprecherin Angelika Britz. „Dies ist aber vor allem vom zeitlichen Verlauf der Bauarbeiten abhängig und kann heute noch nicht zugesagt werden.“