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Lautes Gebet führte zu Schlägerei

Ruhestörung war wohl der Auslöser des Konflikts in der Niederauer Erstaufnahme – nach einem wichtigen muslimischen Feiertag.

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© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

Niederau. Der Gebetsraum im erst vor Kurzem eröffneten Asylheim in Niederau bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Das ist für die rund 670 Asylsuchenden, die aktuell dort leben, die erste Konsequenz einer Auseinandersetzung in der Nacht auf den vergangenen Sonnabend. Wie DRK-Sprecher Torsten Wieland der SZ erklärte, habe sich der Streit zwischen rund 100 Asylsuchenden aus Afghanistan und anderen Ländern weniger an religiösen Differenzen, wie die Polizei mitgeteilt hatte, als an einer Ruhestörung entzündet.

Demnach hätten sich syrische Flüchtlinge wegen der Laustärke der betenden Afghanen an das Wachpersonal gewandt. Die Muslime feierten an dem Tag, dem 23. Oktober, das Aschura-Fest. An diesem wird dem Imam Hussein gedacht, einem Märtyrer und Enkel des Propheten Mohammed. Für Schiiten ist es der wichtigste Feiertag.

Das Wachpersonal habe die Afghanen in ihren Aschura-Ritualen gebremst. Diese hätten sich dem problemlos gefügt. Erst später sei es zum Konflikt gekommen. „Auch hier ist zu vermuten, dass eine anfängliche Auseinandersetzung zwischen Einzelpersonen schließlich in eine Massenschlägerei eskalierte“, so Torsten Wieland.

Bei der Schlägerei wurden laut Polizeibericht auch Metallstangen eingesetzt. Woher diese stammten, konnte ein Polizeisprecher auf SZ-Anfrage nicht beantworten. Ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs sei eingeleitet worden, das solche Fragen klären soll. Nach SZ-Informationen stammten die Stangen aus den Feldbetten, die für die Asylbewerber in der Halle bereit stehen.

Der MDR berichtet nach einem Gespräch mit der Polizei auch von sprachlichen Hürden, die es erschwert hätten, auf die Gruppe Afghanen beruhigend einzugehen. Auch die SZ hörte bei Gesprächen mit DRK-Mitarbeitern immer wieder, dass die Kommunikation vor allem mit Afghanen schwierig sei, deren Sprache auch die anderen Asylbewerber nicht verstünden und die deshalb oft isoliert seien.

Niederaus Bürgermeister Steffen Sang hält es für „besorgniserregend“, dass sich so etwas vor der eigenen Haustür ereignen kann, wundert sich jedoch nicht wirklich: „So etwas ist ja leider zu befürchten gewesen, wenn in diesen Größenordnungen Menschen auf einem Platz sind.“ Die Frage, die er sich stelle, ist: Ist es wirklich sicher, dass die Konflikte im Gelände verbleiben?

Zurzeit bekomme er Fragen von Bürgern, warum auf dem Parkplatz des ehemaligen Reals noch so lange Fußball gespielt werden dürfe. „Da sind wir dabei, eine Anfrage an die Landesdirektion zu starten.“

Im Asylheim in Niederau hatte der Konflikt vom Wochenende inzwischen Konsequenzen. Abgesehen von der Schließung des Gebetsraumes wurden die Konfliktparteien laut DRK soweit möglich räumlich getrennt. Das Gespräch mit den Sprachführern sei gesucht worden. Wieland: „Am Sonntag gelang eine Versöhnung.“

Außerdem gab es eine Durchsuchung des Wohnbereiches. Dabei seien Messer und weitere Gegenstände einbehalten worden, die als Schlagwerkzeuge dienen könnten. Der Wachschutz führt am Ein- und Ausgang nun verstärkt intensivere Personenkontrollen durch, um Gegenstände aufzuspüren, die als Waffe eingesetzt werden könnten. „Die Lage im Moment ist ruhig und friedlich“, sagt DRK-Sprecher Torsten Wieland.