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Le Pen sieht sich im Aufwind

Nach der verlorenen Präsidentenwahl in Frankreich litt die Popularität von Front National-Chefin Marine Le Pen erheblich. Kann sie nun vom Wahlerfolg der Europagegner in Italien profitieren?

© Olivier Hoslet / EPA / dpa

Paris/Lille. Marine Le Pen reagierte rasch auf die Wahlergebnisse in Italien. Matteo Salvini von der europakritischen und ausländerfeindlichen Lega-Partei habe einen „großen Sieg“ eingefahren, sagte Frankreichs Europafeindin Nummer eins in einem Interview. Frankreichs sozialliberalem Staatschef Emmanuel Macron könne es in einigen Jahren genauso gehen wie dem am vergangenen Wochenende in Italien schwer abgestraften Sozialdemokraten und Ex-Regierungschef Matteo Renzi, befand sie.

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In der eigenen Heimat sieht es für die sich gerne resolut gebende Chefin der rechtsextremen Front National (FN) weit weniger rosig aus. Nach den Schlappen bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im vergangenen Jahr geriet sie zunehmend in Erklärungsnot. Dazu kam ihr spektakuläres Fiasko beim TV-Duell mit dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Macron.

Popularität und Ansehen litten auch im eigenen Rechtsaußen-Lager. Wie eine Umfrage jüngst zeigte, hat sich Le Pen von dem Rückschlag noch nicht erholt. Nur noch 16 Prozent der Franzosen trauen der gescheiterten Kandidatin für das höchste Staatsamt zu, eine gute Präsidentin zu sein - vor einem Jahr waren es noch 24 Prozent.

Beim Parteitag an diesem Wochenende im nordfranzösischen Lille will die 49-Jährige die FN neu aufstellen. Um ein gemäßigteres Auftreten der von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen mitgegründeten Oppositionspartei bemüht sich Vorsitzende schon seit ihrem Amtsantritt vor sieben Jahren. Nun soll sich die FN zu einer potenziellen Regierungspartei wandeln.

Symbol dafür ist ein neuer Parteiname, bei ihrer Rede am Sonntag will Le Pen einen Vorschlag präsentieren. Das Wort „Front“ habe etwas Militärisches, bemängelte die gelernte Anwältin einmal. Wie nennt sich die FN künftig? Darum wird bisher ein großes Geheimnis gemacht. Eine Abstimmung über den Namen soll es erst später geben.

Ihren Posten an der Parteispitze hat sie sicher - für den Vorsitz gibt es keine Gegenkandidaten. Ihr Vater Jean-Marie, der gerade den ersten Band seiner Erinnerungen veröffentlichte, will der Veranstaltung fernbleiben. Er wolle nicht „Komplize der Ermordung der Front National“ sein, sagte der 89-Jährige in einem Interview.

Die Dauerfehde mit seiner Tochter setzt er schriftlich fort. Obwohl der Memoirenband nur die Zeit bis 1972 abdeckt, schreibt er explizit, dass er „Mitleid“ mit Marine habe. Sie habe für „schlechte Methoden“ ihm gegenüber mit einer schallenden Niederlage bezahlt.

Der Konflikt schwelt seit Jahren: Die Partei schloss den Mitgründer bereits 2015 aus, nachdem er die Gaskammern der Nazis zum wiederholten Male als „Detail der Geschichte“ des Zweiten Weltkriegs bezeichnet hatte. Mit einer Statutenänderung soll der Posten des Ehrenvorsitzenden nun abgeschafft werden - dieses Amt erlaubt es dem für seine Ausfälle berüchtigten Le Pen, bei Sitzungen der Führungsgremien mit am Tisch zu sitzen.

Etwas 1500 Anhänger wollen laut Medien nach Lille kommen - die Nichte der Parteichefin, Marion Maréchal-Le Pen, soll nicht dabei sein. Die 28-Jährige hatte sich im vergangenen Jahr aus der Politik zurückgezogen, absolvierte aber erst unlängst einen Auftritt bei US-Konservativen in Amerika. Viele sind überzeugt, dass irgendwann ihre Stunde schlagen wird. „Sie ist in der Partei sehr populär“, sagte die FN-Expertin Valérie Ingounet der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Ob die Partei immer vom Le-Pen-Clan geführt werden wird? „Es ist bis heute auf jeden Fall sehr schwierig, sich die Partei ohne diesen Familiennamen vorzustellen“, sagt die Historikerin.

Kaum einer wagt Prognosen, wenn es um die Justizermittlungen und deren mögliche Folgen für Marine Le Pen geht. Heimische Ermittler verdächtigen die Rechtspopulistin schon seit vergangenem Jahr, bei der Beschäftigung von Assistenten im EU-Parlament gegen das Gesetz verstoßen zu haben. Ein weiteres, erst unlängst eröffnetes Ermittlungsverfahren läuft gegen sie wegen der Verbreitung von Gewaltbildern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). (dpa)