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Lebensgefühl Trabant

40 kleine DDR-Stinker treffen sich in Herwigsdorf. Für einen echten Fan ist seine Mercedes S-Klasse bloß ein Zweitwagen.

© Matthias Weber

Von Markus van Appeldorn

Sein mobiles Telefon hat Klaus-Günther Kubitz immer dabei. Das ist wichtig, wenn man einen Trabant fährt – allerdings nicht um den Pannendienst zu rufen, sondern als Hightech-Diagnosegerät. Klaus-Günther Kubitz steht an diesem Sonnabend-Nachmittag neben seinem Trabant auf einer Wiese in Herwigsdorf. In knalligem gelb und rot leuchtet das Gefährt in der Sommersonne. Gut 40 Jahre hat es auf seinem Plaste-Buckel. Kubitz zieht sein Mobil-Telefon aus der Tasche. „Ein praktisches Gerät“, sagt er. Mit einem Klick hat er den Motorraum seines kleinen Trabant auf dem Bildschirm, mit einem zweiten checkt er den Ladestand der Batterie. „Läuft per Bluetooth-Funkverbindung, tolle Sache“, schwärmt Kubitz – und spart den Anruf beim Pannendienst.

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So wie der Trabant von Hans-Günther Kubitz haben viele der versammelten Fahrzeuge ihre technischen oder optischen Finessen. Gut 40 der kleinen DDR-Stinker kamen am Wochenende zum „Trabi & IFA-Treffen“ in Herwigsdorf zusammen. Mit einer Ausfahrt im Konvoi zum Militärmuseum nach Löbau sorgten sie auch in der Stadt für Aufmerksamkeit und freundliches Zuwinken.

Auf der Wiese neben dem ehemaligen Gehöft hat sich der „Trabi-Freundeskreis“ eine kleine Wagenburg aus ein paar Wohnwagen Queck Junior gebildet. Hier ist der Trabant nicht einfach bloß ein Auto. Trabant ist ein Lebensgefühl. Identität. Die Freunde tragen das „Sachsenring“-Logo an den Ärmeln ihrer Shirts und als Kette um den Hals. Dr. Bernd Partsch aus Kamenz ist der Senior in dieser Runde. Er erzählt etwas von diesem Lebensgefühl. Denn er fährt sein blaues Trabant Cabrio jeden Tag. Er besitzt auch noch eine richtige Luxus-Kalesche, einen Mercedes S 320, sagt er – aber wirklich nur als Zweitwagen. „Alle Einkäufe, alles Alltägliche wird mit dem Trabant erledigt“, sagt er. Und der automobile Begleiter macht ihn und andere zu glücklichen Menschen. „Wo ich auftauche, an der Tankstelle oder am Supermarkt, laufen die Leute zusammen und wollen sich damit fotografieren lassen“, sagt er. Und auch von früher erzählt er: „Wir sind zu DDR-Zeiten alle tausende Kilometer mit dem Trabant gefahren, bis Rumänien. Mit der ganzen Familie drin. Das war nie ein Problem.“ Regelmäßig besucht er Trabi-Treffen, nächstes Jahr sogar in Italien. „Das ist keine Ostalgie“, sagt Partsch, „wir wollen das Kulturgut Trabant erhalten.“

René Schmarander ist mit seinem „Löschzug“ zur Wagenburg angerückt, einem Gespann aus einem ehemaligen NVA-Trabi-Kübelwagen und einem QEK Junior. Das Ganze mit Blaulicht aufgerüstet und Bier an Bord – zum Durst löschen. Auf der Motorhaube steht ein kleiner Schlumpf mit Feuerwehrhelm als Kühlerfigur. Für ganz neugierige Fans hat René Schmarander eine Fernbedienung. Wer dem Schlumpf zu nahe kommt, bekommt aus seiner kleinen Spritze Wasser ins Gesicht.

Auf der anderen Seite der Wiese haben sich die „Zweitakt-Cowboys Niederschlesien“ aus Görlitz ihr Zelt- und Wagenlager errichtet. „Die Männer schlafen im Queck, die Frauen in den Zelten“, scherzt Daniel Himpel, der mit gleich drei Trabis angereist ist. „Ich fahre Sommer wie Winter Trabi“, sagt er. Sein Cabrio erlitt auf der Fahrt zum Treffen einen Motorschaden. „Passiert“, sagt er. Auf der Wiese und dem Gehöft tollen viele kleine Kinder herum. Eine Hüpfburg ist aufgebaut, die Kinder lassen sich schminken. Das Herwigsdorfer Treffen ist ein kleines, aber ein ganz besonderes, schwärmt auch Mitveranstalter Daniel Tzschoppe von den „Zweitakt-Cowboys“. „Das ist ja hier mehr ein Hof-Fest, ganz familiär. Hier stehen die Kinder im Vordergrund. Deshalb gibt’s ja auch Zuckerwatte-Maschine und Schokobrunnen“, sagt er.

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