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Lebensmittel-Engpass bei der Pirnaer Tafel

Viele Discounter werfen lieber Ware weg, als sie Bedürftigen zur Verfügung zu stellen. Ein Hilferuf der Tafelleitung.

Auch wenn die Kühlschränke hinter Tafel-Leiterin Sandra Furkert gut gefüllt aussehen: Die Pirnaer Tafel bekommt in jüngster Zeit zu wenig Lebensmittel, um die 200 bedürftigen Haushalte in der Stadt zu versorgen.
Auch wenn die Kühlschränke hinter Tafel-Leiterin Sandra Furkert gut gefüllt aussehen: Die Pirnaer Tafel bekommt in jüngster Zeit zu wenig Lebensmittel, um die 200 bedürftigen Haushalte in der Stadt zu versorgen. © Daniel Schäfer

Sandra Furkert fühlt sich wie ein Kind, dem man das Geschenk wieder wegnimmt. „Ich war entsetzt, was ich gesehen habe. Es ist eine unbegreifliche Verschwendung“ , sagt die Leiterin der Pirnaer Tafel.

Am vergangenen Mittwoch fährt sie, wie jede Woche, zu einem Discounter in Pirna. An der Laderampe stehen ein großer Abfalleimer und zwei kleine Kisten. In den beiden Kisten befinden sich Pilze. Diese sind für die Tafel gedacht. Der Abfalleimer daneben ist prall gefüllt mit Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst. „An den Tomaten war nichts dran, es war einwandfreie Ware. Auch die anderen Lebensmittel waren in Ordnung“, sagt Sandra Furkert. Sie bittet eine Angestellte des Discounters, dass sie die noch verwertbare Ware aus dem Mülleimer für die Tafel verwenden darf. „Ich bekam zur Antwort, dass wir diese Lebensmittel nicht mitnehmen dürfen“, berichtet sie. Enttäuscht und frustriert fährt sie mit den Pilzen zur Ausgabestelle am Tischerplatz in der Pirnaer Altstadt zurück.

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Dieser Vorfall ist leider keine Ausnahme. „Seit circa acht Wochen bemerken wir verstärkt, dass die Discounter und großen Supermärkte in Pirna lieber Lebensmittel wegwerfen, als sie der Tafel zur Verfügung zu stellen“, sagt Sandra Furkert.

Das Verhalten bringt die Tafel in Schwierigkeiten. Besonders bei Wurst, Käse und Molkereiprodukten wie zum Beispiel Joghurt gibt es derzeit einen Engpass. „Wir stehen manchmal vor dem Kühlschrank und wissen nicht, was wir unseren Kunden geben sollen“, klagt Sandra Furkert. Sie will aber nicht pauschal urteilen. „Von den Bäckern bekommen wir nach wie vor viel. Dafür möchten wir ganz herzlich Danke sagen.“ Was ebenfalls reichlich gespendet werde, seien Blumen. „Aber von Blumen wird keiner satt“, betont die Tafel-Leiterin.

Trotz der Notsituation hält die Tafel an ihrer Prämisse fest: Keiner geht mit leeren Taschen nach Hause. „Wir verteilen gerecht. Wenn jedoch weniger zu verteilen ist, werden die Portionen zwangsläufig kleiner“, erklärt Sandra Furkert. Und das bei steigenden Kundenzahlen. Derzeit werden gut 200 Familien an den beiden Ausgabenstellen am Tischerplatz in der Altstadt und auf dem Sonnenstein mit Lebensmitteln versorgt. „Es werden mehr, das zeigen unsere Bilanzen. Hauptsächlich kommen Rentner, Hartz-IV-Empfänger und junge Familien“, zählt die Tafel-Leiterin auf.

Sie versteht nicht, warum die Märkte lieber Lebensmittel wegwerfen, anstatt sie der Tafel zu spenden. „Eine enorme Verschwendung. Vor allem, weil wir ja die Lebensmittel immer noch einer Qualitätsüberprüfung unterziehen. Nur gute Ware wird an die Kunden weitergegeben.“ Des Öfteren habe sie versucht, mit den Verkaufsstellen-Leitern darüber zu sprechen. Ohne Erfolg. „Anweisung von oben, lautet oft die Antwort.“

Diese noch verwertbaren Lebensmittel wurden entsorgt. 
Diese noch verwertbaren Lebensmittel wurden entsorgt.  © privat

Um das aktuelle Defizit zu kompensieren, fährt Sandra Furkert einmal in der Woche in das Dresdner Nachtcafé und bekommt dort Lebensmittel für die Pirnaer Tafel. Eine zweite Quelle ist der Tafel-Landesverband in Dresden, über den sie ebenfalls Ware für die Pirnaer Ausgabestellen beziehen kann. „Aber eine Dauerlösung ist das natürlich nicht“, schätzt sie ein.

Sie macht sich nichts vor. „Wir sind Bittsteller und haben keine Handhabe gegenüber den Discountern, wohl aber eine eigene Meinung zu dem Vorgehen.“ Deshalb schaut sie sie auch nach Tschechien, wo vor Kurzem ein Gesetz erlassen wurde. Es besagt, dass Supermarkt-Ketten unverkäufliche Lebensmittel kostenlos an Hilfsorganisationen abgeben müssen. In die Pflicht genommen werden tschechische Lebensmittelgeschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern. „Das sollte auch für Deutschland gelten“, wünscht sich Sandra Furkert.

Sie appelliert an die Lebensmittelmärkte. „Wir bitten, dass noch verwertbare Lebensmittel nicht in der Tonne landen, sondern zur Tafel gelangen. Damit wird keinem geschadet, sondern vielen geholfen.“

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