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Lebenszeit von Geringverdienern sinkt

Arbeitnehmer mit niedrigen Einkommen starben 2010 im Durchschnitt zwei Jahre früher als 2001.

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Berlin. Die Lebenszeit von Geringverdienern sinkt. Während die Deutschen im Durchschnitt immer länger leben, ist das Sterbealter von Arbeitnehmern mit geringem Einkommen in den zurückliegenden zehn Jahren deutlich gesunken. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine große Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Nachrichtenagentur dapd vorliegt.

2001 wurden männliche Geringverdiener demnach im Schnitt noch 77,5 Jahre alt, im Jahr 2010 waren es hingegen nur noch 75,5 Jahre. Im Gegensatz dazu veränderte sich die Lebenszeit von Durchschnittsverdienern kaum, bei Besserverdienern stieg sie leicht an. Bei den Geringverdienerinnen veränderte sich das Sterbealter nur wenig, während es für Frauen mit durchschnittlichem oder hohem Einkommen stieg.

Als Geringverdiener wird in der Statistik ein Arbeitnehmer eingestuft, der weniger als drei Viertel des Durchschnittseinkommens bezieht. Die Zahlen beziehen sich auf diejenigen, die mindestens 35 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Die Daten zeigen auch deutliche Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland. Im Osten sank das Sterbealter der männlichen Geringverdiener stärker als im Westen, nämlich um 3,8 Jahre. Im Westen dagegen sank es um lediglich 1,5 Jahre.

Linke fordert Rücknahme der Rente mit 67

Für die Linken sind die Zahlen ein Argument gegen die Erhöhung des Rentenalters. Für die Rente mit 67 sei stets auch die steigende Lebenserwartung als Begründung angeführt worden. Dies aber gehe „an der Realität vieler Menschen vorbei", sagte der rentenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Matthias Birkwald. „Die Rente erst ab 67 ist nach wie vor nichts anderes als ein gigantisches Rentenkürzungsprogramm, das Geringverdiener und Menschen, die körperlich schwer arbeiten müssen, besonders hart trifft." Sie müsse „ohne Wenn und Aber" zurückgenommen werden, sagte Birkwald.

Als weiteres Argument für die Rückkehr zur Rente mit 65 führte er weitere Zahlen der Bundesregierung an, wonach nur ein geringer Anteil der Über-60-Jährigen erwerbstätig ist. Den Angaben zufolge waren am 31. März diesen Jahres 26,4 Prozent der 60- bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. In Vollzeit arbeiteten lediglich 18,7 Prozent. Mit steigendem Alter sinkt die Beschäftigungsquote: Arbeiteten Ende März 37,3 Prozent der 60-Jährigen, lag der Anteil bei den 64-Jährigen nur bei 13,7 Prozent. (dapd)