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Lederfabrik vorm Abriss

Während sich die Denkmal-Behörden nicht einigen können, verstreicht für Freital eine wichtige Frist. Wie es nun weitergeht.

© Egbert Kamprath

Von Annett Heyse

Freital. Das Thema Lederfabrik hatte in der Vergangenheit immer wieder für erhebliche Diskussionen zwischen den Freitaler Stadträten gesorgt. Abreißen oder erhalten? – das war die Frage. In der jüngsten Ratssitzung aber war der Fall ganz schnell und ohne weitere Debatten abgehakt. Und das, obwohl Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) eine Stellungnahme seiner Verwaltung mit einem richtungsweisenden Fazit verlas: Aus Sicht der Stadt ist die Genehmigung zum Abriss erteilt. Nun werde mit den Vorbereitungen dafür begonnen.

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Zuletzt hatte die Stadt noch auf eine wichtige Genehmigung gewartet. Weil die Fabrik, 1893 von der Unternehmerfamilie Sohre errichtet, auf der Denkmalliste steht, beantragte die Stadt im September 2017 die sogenannte denkmalschutzrechtliche Genehmigung für den Abriss. Im November meldete sich zunächst die Untere Denkmalbehörde des Landkreises im Freitaler Rathaus und forderte weitere Unterlagen nach, welche die Stadt daraufhin einreichte. Im Februar 2018 gab es abermals Post vom Landkreis, dieses Mal ging es um weitere Unterlagen zum Fassadenerhalt. Die Entscheidung, ob Abriss oder nicht, sollte das Landratsamt gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege treffen, so ist es vorgeschrieben.

Doch die Behörden sind sich bis heute uneins. Es geht um den Erhalt von Teilen der Fassade. Das Landratsamt vertritt die Auffassung, dass dies zwar technisch möglich, für die Stadt aber wirtschaftlich nicht tragbar wäre. Das Landesamt sieht das anders. Nun liegt das Verfahren bei der nächsthöheren Behörde, der Landesdirektion. Wann dort eine Entscheidung getroffen werde, könne man noch nicht sagen, teilte ein Behördensprecher mit.

In Freital sieht man die Lage allerdings entspannt – und hält den Vorgang längst für abgeschlossen. „Die Genehmigungsfiktion ist eingetreten, da über einen Antrag nach Denkmalschutzrecht innerhalb von zwei Monaten zu entscheiden ist“, sagte Rumberg in der Stadtratssitzung. Mit anderen Worten: Keine der beteiligten Behörden hat den Abbruch-Antrag fristgerecht zurückgewiesen. Damit sei er aus Freitaler Sicht genehmigt. Das habe man dem Landkreis auch so mitgeteilt. „Nach Auffassung der Stadtverwaltung ist die Faktenlage eindeutig“, sagte Rumberg im Stadtrat.

Einsprüche seitens der Stadträte kamen keine. Dabei hatte Anfang des Jahres noch gewaltigen Diskussionsbedarf gegeben. In der Februar-Sitzung brachte Lothar Brandau (FDP) einen Antrag ein, in dem er die Verwaltung aufforderte, abermals zu prüfen, welche Fördermöglichkeiten es für eine Sanierung der Lederfabrik gibt. Dabei schien das Schicksal der Industrieruine, die einem Gutachten zufolge mit Chemikalien belastet ist, schon entschieden. Die Stadträte hatten bereits im Mai 2017 beschlossen, die Fabrik abzureißen. Brandau bohrte nach, hielt ein Plädoyer für den Erhalt des markanten Gebäudes – und scheiterte schließlich mit seinem Antrag.

Oberbürgermeister Rumberg sagte damals, der Abriss sei eine Chance, das gesamte Viertel aufzuwerten und neu zu entwickeln. Er denkt dabei an einen Behördenstandort. Das Land Sachsen sucht nach einem Standort für das Haus der Bildung, eine neue Behörde. Dabei hat man Freital fest im Blick. Wenn das nicht klappt, könnte die Fläche an einen privaten Investor veräußert werden. Denkbar wäre dann eine Fortsetzung des neuen Stadtzentrums an der Poisentalstraße mit einem Mix aus Wohnen und Gewerbe.

Doch nun dreht sich alles erst einmal um den Abriss. Die Stadt will in den nächsten Wochen die Vorbereitungen für Fall der Lederfabrik forcieren. Als Erstes werde ein genauer Zeitplan aufgestellt, teilt Pressesprecher Matthias Weigel mit. „Dann werden wir die Ausschreibungsunterlagen für den Abbruch zusammenstellen und die Ausschreibung veröffentlichen.“