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Lehrer, die noch keine sind

Am Montag beginnt in Sachsen das neue Schuljahr. Im Raum Dresden fangen über 200 Seiteneinsteiger an, um den Mangel an Lehrern auszugleichen. Viele kommen aber erst im Winter.

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© dpa

Von Sandro Rahrisch

Der erste Unterrichtsausfall des neuen Jahres wird nicht lange auf sich warten lassen. Einerseits haben sich zehn Bewerber im Raum Dresden noch nicht entschieden, ob sie das Stellenangebot der Bildungsagentur annehmen werden. Andererseits wird es bis Dezember dauern, bis die Seiteneinsteiger so geschult sind, dass sie sich auch vor eine Klasse stellen und unterrichten können.

Allein im Regionalschulbezirk Dresden, zu dem nicht nur die Landeshauptstadt, sondern auch die Kreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gehören, fangen im neuen Schuljahr insgesamt 202 Seiteneinsteiger an. Damit sei etwa die Hälfte der neuen Stellen mit Hochschulabsolventen ohne Pädagogikausbildung besetzt worden, teilt die Sprecherin der Bildungsagentur, Petra Nikolov, mit. Die meisten – genau 100 – werden an die Grundschulen geschickt. 88 fangen an Oberschulen an, sechs an Berufsschulen und sieben an Förderschulen. An die Gymnasien wird keiner gehen.

Gut 400 neue Lehrer werden ab Montag benötigt. Ein Grund: Die Zahl der Schüler in Dresden steigt deutlich. Fast 4 900 Kinder werden am Wochenende an den kommunalen Grundschulen eingeschult. Das sind knapp 150 Erstklässler mehr als im vergangenen Jahr. Auch die Gymnasien haben Zulauf. Dort werden nächste Woche über 13 400 Schüler lernen – gut 400 mehr als im letzten Schuljahr. Obwohl sie als ungeeignet fürs Gymnasium angesehen werden und keine Bildungsempfehlung dafür erhalten haben, gehen fast 80 Kinder trotzdem den Weg zum Abi.

Das Oberverwaltungsgericht hatte die bindende Wirkung der Bildungsempfehlung gekippt. Bislang war ein Notenschnitt von mindestens 2,0 in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachkunde Pflicht. Die Stadt hatte zunächst damit gerechnet, dass kaum mehr Kinder an den Gymnasien angemeldet werden.

Um die Folgen des Kinderbooms abzufangen, nehmen am Montag gleich vier neue Schulen den Betrieb auf, zum Beispiel die Gymnasien Pieschen und Tolkewitz. Auch eine Grundschule und eine Oberschule werden neu gegründet. Ein weiterer Grund für den steigenden Lehrerbedarf seien Lehrer, die in den Ruhestand gegangen sind, so Nikolov. Andere gehen in Elternzeit. Auch längerfristig erkrankte Kollegen müssten ersetzt werden. Noch sei das Einstellungsverfahren nicht abgeschlossen. Aktuell hätten sich acht Bewerber nicht entschieden, die sofort aufs Gymnasium könnten. Dasselbe gilt für zwei Lehrer, denen ein Job an der Grundschule angeboten wurde. Bei den Förderschulen werden noch Kandidaten gesucht. Dort sind bislang nur 90 Prozent der Fächer abgesichert.

Schonfrist für freie Schulen

Bereits im vergangenen ersten Schulhalbjahr waren mehrere Grundschulen von Unterrichtsausfall betroffen. Planmäßig, also durch Lehrermangel, wurden 363 Stunden an acht Grundschulen gestrichen. Weitere 15 668 Stunden kamen an 69 Grundschulen hinzu, weil sich Lehrer zum Beispiel krank gemeldet hatten.

Den Dresdner Schulen drohten zwischenzeitlich nicht nur Lehrer-, sondern auch Platzprobleme. Denn noch vor einer Woche sollten sich sowohl die Schüler der Aktiven Schule als auch der Natur- und Umweltschule eine neue Schule suchen. Die Bildungsagentur hatte beiden freien Einrichtungen die Genehmigung entzogen. In beiden Fällen hoben Gerichte die Schließung bis auf weiteres auf. Im Falle der Klotzscher Naturschule sei der Träger verpflichtet worden, während des Unterrichts im Freien die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen, etwa bei Sturm. So werde mehr Unterricht im Klassenzimmer stattfinden, so Nikolov. Die Bildungsagentur betont aber, dass sie den Schulbetrieb erst einmal nur dulden werde. Entscheidend sei der Ausgang des Gerichtsverfahrens.

Dasselbe gilt für die Aktive Schule an der Leipziger Straße. Die Bildungsagentur war der Meinung, die Schüler erreichten nicht denselben Wissensstand wie Schüler an den kommunalen Schulen. Es bleibe abzuwarten, ob der Träger die Kritikpunkte behebe. Nikolov kündigt engmaschige Kontrollen an. Das Verwaltungsgericht hatte die Schließung aufgeschoben, bis die Bildungsagentur genauere Belege für ihre Befürchtung vorlegen kann.