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Lehrer gegen die Kleinstaaterei

© dpa

Mit einer Online-Petition setzen sich Vertreter aller Bundesländer für einheitliche Bedingungen in den Schulen ein.

Von Carola lauterbach

Preisfrage: Wie viele Jahre braucht ein deutscher Schüler an einem allgemeinbildenden Gymnasium bis zum Abitur? Zwölf? Zwölfeinhalb? Oder doch dreizehn? Antwort: Alles ist richtig. Weil jedes Bundesland es für sich entscheiden kann, wie es das handhabt. Selbst die Gewichtung der Prüfungsleistungen im Abitur ist von Land zu Land verschieden. Lehrpläne sowieso. Und Schulformen erst recht. Verrückt? Ja, sagt der Berliner Lehrer Robert Rauh. Dient das der Chancengerechtigkeit, der Mobilität und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit? Mitnichten, so der Pädagoge.

Robert Rauh: Bundesländer sollen ihr Bildungsmonopol aufgeben. © P. Chiussi

Gestern startete der im Jahr 2013 als „Lehrer des Jahres“ Ausgezeichnete einen neuen Vorstoß zur Reformierung des Bildungssystems in Deutschland. Mit dem Dresdner Lehramtsstudenten Stefan Silber initiierte Robert Rauh einen intensiv diskutierten Appell für eine sogenannte openPetition „Schluss mit der Kleinstaaterei im Schulwesen“.

Rauh ist „Wiederholungstäter“. Schon Ende 2013 veröffentlichte er einen Aufruf für eine bessere und gerechtere Schule in Form eines Zehn-Punkte-Programms. Die erforderlichen 10 000 Unterschriften kamen zwar nicht zusammen. Doch immerhin sprachen sich 6 500 Menschen für seine Vorstellungen aus.

Auch mit seinem Anfang September 2015 erschienenen Buch „Schule setzen. Sechs“ schrieb er sich in die Herzen vieler, die meinen, Schule geht viel besser zu machen. Auch dort prangert er den Bildungsföderalismus an und preist bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen für Schule – begonnen bei den Schulformen, über Prüfungs- und Versetzungsordnungen bis zu Lehrplänen und der Lehrerausbildung. Und er bekommt viel zustimmende Post. Dabei spricht er – auch in seinem jüngsten Aufruf – keineswegs der Einheitsschule das Wort. Die Vereinheitlichung „sollte nicht auf Kosten der vielfältigen pädagogischen Konzepte und regionalen Besonderheiten in der Schullandschaft durch die Schaffung eines zentralstaatlichen Bürokratiemonsters gehen“, heißt es. Diese Balance, so Rauh, sei die größte Herausforderung bei der Abschaffung der Kleinstaaterei.

Der Appell, der von je einem Erstunterzeichner aus jedem Bundesland getragen wird – Arzt, Musiker, Sekretärin, Architekt, Busfahrer –, begründet den Vorstoß in sieben Punkten und bietet gleichzeitig Alternativvorschläge zum Bildungsföderalismus. So könne etwa die Einsparung von 16 Kultusverwaltungen finanzielle Spielräume für die Ausstattung von Schulen schaffen. Die Einberufung eines Deutschen Bildungsforums, so die Initiatoren des Appells, sei prädestiniert, Empfehlungen für eine länderübergreifende Vereinheitlichung der Schulformen, Kerninhalte von Lehrplänen und mehr auszusprechen.

Es scheint, Rauh hat wieder einen Nerv getroffen. Schon wenige Stunden nach Start der Online-Aktion konnten am Nachmittag 261 Unterstützer registriert werden.

www.schul-gerecht.de