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Lehrer müssen Antworten schuldig bleiben

Mitten im Schuljahr hat jetzt Kultusministerin Kurth die Anforderungen für Abiturienten gelockert. Für Großenhains Schulleiter eine Überraschung.

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© Brühl

Von Catharina Karlshaus

Großenhain. Er hat es auf dem Weg zur Arbeit im Radio gehört. Klaus Liebtrau, langjähriger Leiter des Werner-von-Siemens-Gymnasiums Großenhain, erfuhr, was ihm die Schulbehörde selbst noch nicht mitteilen konnte. Auch die SZ hatte es gemeldet: Das Abitur im Freistaat soll einfacher werden – und zwar ab sofort. Die von Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) ursprünglich erst für das nächste Schuljahr angekündigte Lockerung der Anforderungen wird auf Druck des Landesschülerrates vorgezogen.

„Davon sind wir natürlich absolut überrascht worden“, bekennt Klaus Liebtrau. Bis jetzt seien keine Einzelheiten der Neuregelung durchgesickert, was wiederum den Umgang mit nachvollziehbaren Fragen der Schüler erschwere. „Sie stehen ratsuchend vor ihrem Oberstufenberater und bekommen keine konkreten Antworten. Das ist schon ein peinliches Prozedere.“

Bekannt sei lediglich, dass die momentan 81 Elft- und 62 Zwölftklässler im Unterschied zu den früheren Jahrgängen nur noch 40 statt der bislang 52 Kurshalbjahresnoten in die Gesamtwertung einbringen müssen. Und: Statt der bisher bis zu zwölf Kurse, in denen weniger als fünf Punkte (eine glatte Vier) ins Abitur eingebracht werden durften, sind es künftig nur noch acht. Weil die Umstellung im laufenden Schuljahr erfolge, könnten Betroffene laut Klaus Liebtrau aber auf Antrag die alte Berechnung verlangen.

Falls sie günstiger für sie ausfalle. „Ich fand die bisherigen Regelungen offengestanden sehr gut. Immerhin haben die angehenden Abiturienten bereits mit ihrer Bildungsempfehlung fürs Gymnasium attestiert bekommen, dass sie ein höheres Pensum ableisten können“, sagt Klaus Liebtrau. Angesichts dessen, dass die Anforderungen für die Hochschulreife in anderen Bundesländern teilweise erheblich niedriger sind, sei eine Anpassung für sächsische Schüler jedoch nachvollziehbar und richtig.

Wie Ministerin Brunhild Kurth am Freitag erklärte, entspreche die Vorziehung der neuen Anforderungen den Wünschen zahlreicher Schüler und Eltern.