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Leidenschaft für schmale Schienen

Robert Böpple war schon als Kind Parkeisenbahner. Nun kehrt er an den Ort zurück, an dem alles begann. Als Chef.

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Von Juliane Richter

Den Großen Garten kennt Robert Böpple bis ins Detail. Runde um Runde hat er als Kind dort in der Parkeisenbahn gedreht. Denn schon als Elfjähriger begann seine Karriere als Pioniereisenbahner. Fahrkarten verkaufen, Weichen stellen und Schranken schließen – binnen sechs Jahren ist Robert Böpple jeder Handgriff in Fleisch und Blut übergegangen.

„Letzten Endes hat mir die Parkeisenbahn meinen Weg zum Beruf des Lokführers geebnet“, sagt der heute 39-Jährige. Als solcher arbeitete er nach der Ausbildung in Frankfurt am Main und Umgebung. Aber Böpple blieb im Herzen Dresdner und wollte unbedingt zurück in die Heimat. Nach Abitur, Studium und einer Zwischenstation in Leipzig ist er nun an den Ursprung seiner Eisenbahner-Karriere zurückgekehrt: Gestern hat er seine Arbeit als neuer Chef der Parkeisenbahn im Großen Garten aufgenommen. „Ich kenne von früher noch einige der Mitarbeiter, und die Arbeit mit den Kindern hat mich gereizt“, sagt Böpple.

In den Wintermonaten läuft die Ausbildung der jungen Parkeisenbahner, bevor im Frühling die neue Saison startet. Daran will sich der neue Chef definitiv mit beteiligen. Eine weitere große Aufgabe hat sein Vorgesetzter Christian Striefler, Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten, bereits formuliert: „Etwa 80 Prozent unserer Fahrgäste stammen aus Dresden und der Umgebung. Ich denke aber, dass die Parkeisenbahn auch für noch mehr Touristen interessant sein könnte“, sagt Striefler. Sache seines neuen Parkeisenbahnchefs sei es deshalb auch, mit einem guten Marketing vermehrt diese Zielgruppe anzulocken. Im vergangenen Jahr stiegen insgesamt rund 260.000 Menschen in die Waggons ein. Begleitet wurden sie dabei von knapp 210 jugendlichen Parkeisenbahnern. „Es ist nicht selbstverständlich, dass die Kinder und Jugendlichen zu uns kommen. Da die Bereitschaft leicht sinkt, braucht es auch hier jemanden, der mit ihnen richtig kommuniziert“, sagt Direktor Christian Striefler. Zwei Auswahlverfahren hat es gebraucht, bis die Wahl auf Robert Böpple fiel. Laut Striefler habe den anderen Kandidaten mitunter die Leidenschaft für die Sache gefehlt. „Hier muss man mehr als nur seinen Job machen. Hier muss man für die Spezifik brennen“, sagt er. Auch wenn Robert Böpple an seinem ersten Arbeitstag noch etwas zurückhaltend daherkommt, strahlt er doch die Begeisterung für die Sache aus.

„Mir ist vollkommen klar, dass das hier keine 40-Stunden-Woche wird. Aber das ist okay“, sagt er mit einem Lächeln. Wenn die Saison Ende März wieder beginnt, wird er auch an den Wochenenden die ein oder andere Runde in der Bahn mitfahren. Dann schon mit der nächsten Generation – mit seinen beiden Töchtern Lara und Helena.