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Leidenschaft für Stupsnasen

Über 70 Jahre züchtet Dietmar Kasper schon Kaninchen. Sein Wissen gibt er gern an die nächste Generation weiter.

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© Uwe Soeder

Von Victoria Gäbel

Sein erster Gang führt ihn am Morgen in den Schuppen hinter dem Haus. Dort erwarten Dietmar Kasper bereits sehnsüchtig seine Schützlinge. Die Langohren stecken neugierig ihre Stupsnasen aus dem Gitter in ihren Ställen. Der Züchter aus Lawalde mustert jedes Kaninchen mit erfahrenem Blick. Nach der ersten Inspektion bekommen sie dann ihre Portion Karotten, getrocknetes Brot und saftiges Heu.

Sofort stürzen sich die Blauen Wiener auf die Kost. Aus fast allen Ställen ist gefräßiges Schnurpsen zu hören. Denn einige seiner Lieblinge brauchen zuerst noch eine Streicheleinheit. Kraftvoll fährt er den Vierbeinern über das Fell mit einem leichten Blau-Grau-Schimmer. „Genauso wie wir Menschen haben auch Tiere einen Charakter, den sie im Verhalten und ihren Gewohnheiten äußern“, sagt der 77-Jährige. Nachmittags schaut er dann nochmals vorbei. Verliebt in seine Fellnasen ist er seit 70 Jahren. Mit sieben Jahren bekommt der Lawalder sein erstes Kaninchen „geschenkt.“ Zehn Mark kostet es seinerzeit. Das ist eine beträchtliche Summe ein Jahr nach Kriegsende. Allerdings kommen die Tiere nicht zur Zucht ins Haus, 1946 geht es darum, dass etwas zu essen auf den Tellern liegen kann. Erst viel später, beginnt er sich intensiver mit der Zucht zu beschäftigen. Lediglich während seines Ingenieurstudiums vernachlässigt er ein wenig sein Hobby, welches ihn bis heute mit seiner Frau teilt.

Immer für Nachwuchs gesorgt

Dazu ist der Oberlausitzer auch außerhalb seiner eigenen vier Wände in Sachen Kaninchenzucht unterwegs. Sein Rat ist im „Kleintierzüchterverein Lauba und Umgebung“ gefragt. Derzeit liegt die Vereinskasse in seinen Händen. Zwölf Jahre saß er im Vereinsvorstand, auch über die schwierige Zeit der Wende brachte er die 1894 gegründete Vereinigung. „Wir haben viel Wert darauf gelegt, dass es im Verein auch Nachwuchs gibt“, sagt der Senior. Die Jugend unterstützt er durch Vorträge und Gespräche über seine Erfahrungen mit den Tieren.

Aus den Kaninchenställen ist noch kraftvolles Schnurpsen zu hören. Dietmar Kasper züchtet „Blaue Wiener“. Ihr graublau glänzendes Fell macht die Tierchen leicht erkennbar. „Diese Kaninchenrasse haut so schnell nichts um. Auch mancher Krankheit können sie besser trotzen als andere Rassetiere“, sagt der Züchter. Auch seine größten Erfolge feierte er mit den Blauohren, wie Pokale bei der Kreisschau. Dafür müssen die Kaninchen besonders gut gepflegt sein. Punkte gibt es unter anderem für die Farbe des Fells, die Stellung der Ohren und den Gesamtgesundheitszustand der Vierbeiner. In Hoch-Zeiten betreute der Lawalder bis zu 70 Kaninchen. Da muss das Schnurpsen noch lauter gewesen sein als an diesem Vormittag.