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Leinenlos in Bautzen?

Eine junge Frau sammelt Unterschriften für einen Hundepark. Eine passende Fläche hat sie schon gefunden.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

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Bautzen. Wenn Isabel Lippitsch mit ihrem Hund in Bautzen spazieren geht, dann sind die beiden im Stress. Schon kurz nach der Haustür wartet die erste Herausforderung. Zwei Frauen haben ihre Postfahrräder so abgestellt, dass auf dem Fußweg nur noch eine schmale Gasse bleibt. Der cremefarbene Hund mit kurzem Fell und aufmerksamen Blick würde gern an den Rädern schnüffeln, die zwei Frauen begrüßen. Doch die Bautzenerin hält ihn an der kurzen Leine. Viel Bewegungsfreiheit bleibt da nicht. Dabei würde Isabel Lippitsch ihren Beagle-Labrador-Mischling gern laufen lassen, damit er sich austoben kann. Doch das geht auf den Gehwegen und in den Parks der Stadt nicht.

Das Problem beschäftigt die Hundebesitzerin schon eine Weile. Oft fährt sie mit Buddy aufs Land. Zu ihrer Oma nach Großpostwitz zum Beispiel. „Buddy liebt diese Spaziergänge dort“, sagt sie. Auf Feldwegen und im Wald findet der Hund die Bewegung, die er benötigt. Doch die 28-Jährige würde gern auch bei ihren täglichen Morgen- und Abendrunden Zeit fürs Toben einbauen. Den richtigen Ort dafür hat sie schon gefunden. Der alte Spielplatz an der Wallstraße könnte als Hundepark dienen, meint sie. Eigentlich bietet die Stadt das Gelände als Mountainbikestrecke für die Jugend an. „Aber egal wann ich dort vorbeischaue, das Areal wird einfach nicht genutzt“, sagt die Bautzenerin.

Nur eine Ausnahme gibt es

Fakt ist: Fast überall in Bautzen herrscht Leinenzwang. Das schreibt die Polizeiverordnung vor. Das Verbot gilt in geschlossenen Ortslagen. „Damit sind die Teile des Stadtgebietes gemeint, die in geschlossener oder offener Bauweise zusammenhängend bebaut sind“, heißt es etwas sperrig in der Verordnung. Diese Regel gilt auch für unbebaute Grundstücke zwischen den Häuserreihen. Auf Spielplätzen, wie eben jenem Gelände an der Wallstraße, haben Hunde zudem gar nichts verloren.

Nur eine Ausnahme gibt es. Die Tiere dürfen in der Stadt dann frei herumlaufen, wenn sie sich auf einem Grundstück befinden, das vollständig eingezäunt ist. Genau diese Voraussetzung erfüllt der alte Spielplatz. Auf der einen Seite trennt eine Mauer das Areal vom restlichen Park. Auf der anderen Seite sichert ein Zaun das Grundstück. „Das hat zwei Vorteile: Die Hunde können uns nicht weglaufen, gleichzeitig stören sie keinen Spaziergänger“, sagt Isabel Lippitsch.

Mit dem Wunsch nicht allein

Mit ihrem Wunsch ist sie nicht allein. Bei ihrer Spazierrunde durch den Park bleibt Buddy plötzlich stehen. Er hat einen anderen Hund gesehen. „Den kennst du doch“, sagt Isabel Lippitsch. Es ist der kleine Mischlingshund Spike, der gerade mit seiner Besitzerin unterwegs ist. Jetzt liegt er auf der Wiese, macht sich ganz klein, so als ob er Angst vor Buddy hätte. Der läuft selbstbewusst auf den anderen Hund zu. Kurz halten die beiden ihre Nasen aneinander, dann beginnt das wilde Spiel.

Erst rennt Buddy dem kleinen Spike hinterher, dann geht es andersherum. Die Hunde haben Spaß, die beiden Frauen nicht. Immer wieder verheddern sich die Leinen. Als Buddy einmal zu seinem Freund springen will, wird Isabel Lippitsch ruckartig nach vorn gezogen. „Die beiden Hunde könnten schön miteinander toben. Aber mit der Leine ist das gefährlich“, erklärt sie. Ein Hundepark würde das Spielen erleichtern. Für Lippitsch ein wichtiger Faktor. „Die Tiere brauchen Kontakt zu den Artgenossen“, sagt sie und erklärt, dass einige Stadtbewohner ihrem Vierbeiner das nicht bieten. Immerhin sind in Bautzen mehr als 1 000 Hundebesitzer steuerlich erfasst.

Petition gestartet

Die 28-Jährige kennt viele davon. Der Park für Hunde sei für jene wichtig, die kein Auto haben oder sich für einen Spaziergang nicht erst hinters Steuer setzen wollen. Um ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen, hat die Bautzenerin jetzt eine Petition gestartet. Es ist schon ihr zweiter Versuch. Vor einem Jahr hat sie bereits Unterschriften gesammelt. 800 habe sie benötigt, um sich bei der Stadtverwaltung melden zu können, erklärt die 28-Jährige. Allerdings seien damals nur 300 zusammengekommen. „Das lag sicher daran, dass ich nicht genügend auf die Petition aufmerksam gemacht habe“, sagt sie. Als sich schließlich immer mehr Hundebesitzer nach dem Ausgang der Petition erkundigten, stand für die Bautzenerin fest, dass sie es erneut versuchen will.

Buddy hat jetzt einen Stock zwischen den Zähnen. Dass er heute übermütig ist, verzeiht Isabel Lippitsch ihm gern. Seit fast zwei Jahren gehört der Hund zu ihr. „Als ich ihn das erste Mal sah, lag er bei den anderen Welpen. Ich schwöre, er hat mich angegrinst“, sagt sie. Buddy macht seinem Namen Ehre. Er ist ein treuer Begleiter – und vielleicht der erste Hund, der an der Bautzener Wallstraße ohne Leine rennen darf.

www.sz-link.de/Hundepetition