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Leipzig demütigt Union bei der Premiere

Der Aufsteiger aus Köpenick ist beim ersten Bundesliga-Spiel der Vereinsgeschichte total überfordert, hat aber einen sehr prominenten Fan.   

Leipzigs Christopher Nkunku (Mitte) erzielt bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz gleich sein erstes Tor.
Leipzigs Christopher Nkunku (Mitte) erzielt bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz gleich sein erstes Tor. © dpa/Britta Pedersen

Berlin. Gerade, als die Union-Fans ihren Stimmungsboykott beendet hatten und die Alte Försterei so richtig bebte, schlug RB Leipzig das erste Mal eiskalt zu. Ungünstiger geht kaum. Doch es blieb nicht die einzige Szene an diesem doch so historischen Abend, der ganz anders lief, als es sich der Bundesliga-Neuling Union bei der Premiere ausgemalt hatte.

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83 Tage nach dem euphorisch gefeierten Aufstieg bekamen die Köpenicker eine bittere Lehrstunde erteilt. Beim Bundesliga-Debüt von Trainer Julian Nagelsmann zeigten die Rasenballer dem Novizen brutal die Grenzen auf und gewannen mit 4:0. „Wir sind hart auf dem Boden gelandet“, gab Union-Coach Urs Fischer zu. „Wenn man sich die erste Halbzeit ansieht, wie viele Geschenke wir da gemacht haben, dann wird’s auch schwierig.“ Drastischer formulierte es Mittelfeldspieler Grischa Prömel: „Wir müssen daraus die Lehren ziehen. Wir sind nicht in die Liga gekommen, um uns jede Woche so abschlachten zu lassen.“

Die Unioner, die als fünfter Klub mit DDR-Geschichte nach Hansa Rostock, Dynamo Dresden, Energie Cottbus und dem VfB Leipzig als Ableger des 1. FC Lok im gesamtdeutschen Fußball-Oberhaus mitspielen, wirkten vor allem defensiv völlig überfordert. Dabei hätte es sogar noch schlimmer kommen können. Ein Treffer von Lukas Klostermann wurde nach Videoentscheid wegen Handspiels zuvor von Yussuf Poulsen aberkannt, später lupfte der Däne den Ball freistehend auf die Latte. Die Leipziger vergaben weitere Hochkaräter. Es blieb das einzige Manko.

Während bei den Wuhlheidern so gut wie nichts klappte, tankte der Dritte der vergangenen Saison ganz viel Selbstvertrauen. Kurz nach seiner Einwechslung traf auch noch der für 13 Millionen Euro von Paris Saint-Germain gekommene Franzose Christopher Nkunku zum Endstand. Nagelsmann hatte keinen der sechs Neuzugänge von Beginn an gebracht.

Die Schere zwischen beiden Klubs geht weit auseinander

Dabei war Union für die Leipziger so etwas wie ein Angstgegner. Die bis dato zwei Heimspiele in der 2. Liga verloren die Berliner nicht, siegten 2014 mit 2:1, ein Jahr später trennte man sich 1:1. Doch inzwischen ist die Schere zwischen beiden Klubs weit auseinander gegangen, die Entwicklung bei RB war rasant.

Auch natürlich dank des Geldes vom Hauptsponsor. Dies sehen die Union-Fans besonders kritisch. Daher ordneten sie das erste Bundesliga-Spiel ihrer ganz speziellen Vereins-Historie auch nicht als Ost-Derby ein. Deshalb schwiegen sie in der ersten Viertelstunde. RB gilt in ihren Augen als Brause-Klub, als Auswuchs der Kommerzialisierung des Profifußballs.

In diese Kategorie würde, auch wenn die Vorzeichen ganz andere sind, der FC Bayern ebenfalls passen. Doch ausgerechnet Präsident Uli Hoeneß outete sich als Sympathisant der Eisernen. „Der Klub hat eine ganz besondere Ausstrahlung“, erklärt er. Schon zu DDR-Zeiten sei er ein „Auffangbecken“ gewesen „für die, die anders dachten. Eisern Union verbiegen? Geht nicht.“ Und auch die vielen Aktionen der treuen Fans von Stadionbau bis zur Betreuung von Flüchtlingen verdienten höchsten Respekt. Er habe weiterhin den Eindruck, „bei Union Berlin ist der Kampfgeist noch immer verwurzelt“, betonte Hoeneß. In der DDR-Oberliga hatte es der Verein einschließlich von Union Oberschöneweide und Motor Oberschöneweide auf 19 Spielserien gebracht.

Für die Leipziger war es dagegen ein Auftakt wie gemalt. „Es hätte schlechter laufen können. Wir haben im Pokal und in der Liga auswärts gewonnen und sind unserer Favoritenrolle gerecht geworden“, fand Nagelsmann. Der neue Mann auf der RB-Bank hatte ein ambitioniertes Saisonziel formuliert: Er wolle mit dem Team etwas Blechernes holen – Metall oder Gold. Der Anfang ist gemacht. (dpa/mit sid, SZ)