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Kleinvermieter absichern!

In Berlin ist die zweite Stufe des Mietendeckels in Kraft. Immobilienexperte Julien Palatini fordert eine Mindestmiete für Vermieter. Ein Standpunkt.

Julien Palatini ist Büroleiter der Leipziger Niederlassung von Black Label Immobilien
Julien Palatini ist Büroleiter der Leipziger Niederlassung von Black Label Immobilien © PR

Wenn der Staat die Preise von Mieten regional oder überregional reguliert und Mietendeckel einführt, stellt sich die Frage, weshalb nicht über die Mindestmiete diskutiert wird. Und es gibt in Deutschland immerhin 3,9 Millionen private Kleinvermieter – leider völlig ohne Lobby. Deshalb möchte ich hier eine Lanze für diese Mitbürger brechen.

Es gibt ja auch einen staatlichen Mindestlohn, Tarifverträge usw. Weshalb muss dann der Vermieter für die Schaffung und Bereitstellung von Wohnraum nach oben gedeckelt werden, hat aber keine Chance eine Mindestvergütung für seine Leistung zu erhalten?

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Fensterwechsel ohne Schmutz und Stress
Fensterwechsel ohne Schmutz und Stress

Fenster oder Türen handwerklich hoch professionell austauschen, ohne dass das Haus zur Baustelle wird? Ja, das geht. Und zwar so:

Friseure, Ärzte oder Taxifahrer haben auch Mindestsatz und Tariflohn. Keiner hat einen Einkommensdeckel.

Viele sogenannte Kleinvermieter haben sich eine Wohnung gekauft, um im Alter ein passives Einkommen zu haben. Meist unter Inkaufnahme hoher Kosten und Risiken. Denn der Vermieter ist nicht nur zuständig für den Zustand seiner Immobilie. Er wird auch steuerlich zur Kasse gebeten und ist zudem staatlicher Willkür ausgesetzt. Etwa wenn ihm oktroyiert wird, wieviel Miete er nehmen darf. Kann er nicht dafür aufkommen, bleibt nur der Verkauf. Und: wer schützt ihn vor Mietausfällen? Niemand. Nicht zuletzt muss er entweder viel Arbeit oder wiederum Geld in die Verwaltung seiner Immobilie stecken. Dennoch gilt eine eigene Immobilie, besser mehrere, als sehr gute Altersvorsorge, denn dass die Rente sicher ist, davon geht niemand mehr aus. Sogar von staatlicher Seite werden wir aufgefordert, privat vorzusorgen.

Wer sich also in das persönliche Risiko begeben hat, Dritten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, der leistet etwas. Das geht leider komplett unter, wenn im Zusammenhang mit Immobilien nur von Spekulanten und Investoren gesprochen wird. Dieses Feindbild sorgt in den Medien zwar für Interesse, aber die Kleinvermieter gehen dabei oft unter.

Viele Vermieter mussten bereits verkaufen. Häufig nehmen Mieter ihr Vorkaufsrecht wahr und kaufen ihre eigene Wohnung. Es werden also existierende Mietwohnungen dem Markt entzogen. Mietpreisbremse und Mietendeckel bewirken so das Gegenteil von dem, was sie bringen sollen: sie entziehen dem Markt bezahlbaren Wohnraum anstatt welchen zu schaffen. Das ist kompletter Irrsinn und wie in einem Monty Python Film.

Wenn wir eine Mindestmiete hätten, gäbe es Planungssicherheit, gerade und besonders weil die Mieten nach oben limitiert sind durch die relativ niedrigen Einkommen der meisten Mieter. Das ganz ohne weitere staatliche Eingriffe.

Was ich befürworten würde, wäre eine Miete, die an das Nettoeinkommen angepasst ist. Natürlich sind auch wir für bezahlbaren Wohnraum. Aber wir beobachten auch, dass Menschen mit sehr hohen Einkommen jetzt vom Mietendeckel profitieren, während Familien mit niedrigen Einkommen erst gar keine eine Wohnung finden, weil es schlicht zu wenige Mietwohnungen gibt. Die Vermieter suchen sich dann Schlupflöcher, um doch teuer zu vermieten. Sei es durch Möblierung, sei es durch befristete Verträge.

Was wäre also fair? Vermieter mit einer Mindestmiete absichern, genauso wie es der Mindestlohn tut. Unsere weltweit beneidete soziale Marktwirtschaft befähigt Menschen und den Markt, Probleme durch Angebot und Nachfrage in den Griff zu bekommen. Wie können wir Vermieter wieder ins Boot holen und motivieren die Wohnungen zu behalten und nicht zu verkaufen? Es gibt bis auf die Mitarbeiterwohnungen für Firmen keine wirklich bekannten Modelle, die Vermieter unterstützen und motivieren in Wohnraum zu investieren. Ganz im Gegenteil. Wir sprechen von Verboten, Deckeln, Bremsen etc…. Es ist an der Zeit die Vermieter zu schützen, damit Sie nicht ganz aussterben und mehr Wohnungen zu einem fairen Mietzins entstehen. Das ist besser für alle, ganz besonders für die vielen Mieter, die keine Wohnung haben.

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