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Millionenbetrug in Leipzig vor Gericht

Mutmaßliche Betrüger sollen hunderte Anleger um Millionen gebracht haben - unter ihnen auch Sachsen. Nun wird ihnen in Leipzig der Prozess gemacht.

©  Pixabay (Symbolfoto)

Von Sven Heitkamp

Leipzig. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat zusammen mit schwedischen Ermittlern offenbar einen riesigen Betrugsfall mit zehn Millionen Euro Schaden aufgedeckt. Insgesamt wurde nun Anklage gegen drei Tatverdächtige erhoben. Einer der drei Hauptbeschuldigten kommt aus Leipzig. Auch unter den geprellten Anlegern seien einige Sachsen, sagte die für Wirtschaftsfragen zuständige Sprecherin der Leipziger Staatsanwaltschaft, Christine Schumann. Insgesamt habe es bundesweit mehrere Hundert Anleger gegeben, die fälschlicherweise Vertrauen in das Unternehmen fassten. Viele haben inzwischen Anzeige erstattet.

Nach den Schilderungen der Ermittler hatte eine in Schweden ansässige Scheinfirma unter dem Namen „Investfinans AB“ private Anleger für Investitionen in Großprojekte gewonnen, darunter den realen Bau des 750 Millionen Euro teuren „International Trade Centers“ in Paris. Auf einer deutsch- und englischsprachigen Internetseite wurde zwischen Ende 2018 und Anfang 2019 für die vermeintlich sichere Geldanlagen mit hohen Renditen geworben, so die Staatsanwaltschaft. Laut der Anwaltskanzlei Resch, die geprellte Anleger vertritt, wurden drei bis neun Prozent Rendite versprochen. Die Drahtzieher hätten sogar einen angeblich bevorstehenden Börsengang angekündigt, versprachen Einlagensicherung bei einer schwedischen Hausbank und behaupteten, von der schwedischen Finanzaufsicht zugelassen worden zu sein. „In Wirklichkeit befand sich unter der angegebenen Adresse in Schweden lediglich ein Büroservice, eine sogenannte Briefkastenfirma“, erklärte die Sprecherin.

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Vorgetäuschte Vorwahlen, lobende Presseberichte

Potentielle Anleger seien telefonisch oder per E-Mail von Kundenberatern über die angeblichen Anlagechancen bei „Investfinans AB“ aufgeklärt worden. Die vermeintlichen Berater hätten den Ermittlungen zufolge in einem Callcenter in der Türkei gesessen und laut Aussagen von Geschädigten akzentfrei Deutsch gesprochen. Die vorgetäuschten Vorwahlen wiesen einen Anruf aus Schweden aus. Zudem habe es eine professionell wirkende Internetseite gegeben und lobende Presseberichte auf Onlineportalen seriöser Medien wie dem Handelsblatt, Focus oder Wallstreet-Online. „Bei genauem Hinsehen ließen sich die Texte aber als selbst verfasste Pressemitteilungen und bezahlte Werbeanzeigen identifizieren.“

Insgesamt hätten die Anleger mehr als zehn Millionen Euro auf Konten eines angeblichen Vermögensverwalters in Schweden und Deutschland angelegt. Gut eine Million Euro, die auf ein deutsches Konto in Leipzig geflossen seien, habe die Staatsanwaltschaft sichern können. „So besteht zumindest für diese Anleger die Aussicht auf einen weitgehenden Ausgleich der entstandenen Schäden“, hieß es.

Leipziger Staatsanwälte hatte die Ermittlungen für das gesamte Bundesgebiet übernommen. Sie gründeten mit der schwedischen Staatsanwaltschaft und Polizei-Ermittlern beider Länder eine gemeinsame Ermittlungsgruppe. Es habe mittlerweile Durchsuchungen und Festnahmen gegeben, inzwischen seien die Festgenommenen aber wieder auf freiem Fuß, so die Sprecherin. Im Dezember hat die Staatsanwaltschaft drei Tatverdächtige – zwei Deutsche und einen Türken – wegen Anlagebetrugs in Millionenhöhe beim Landgericht Leipzig angeklagt. Sie sollen das deutsche Konto für die Anlagebetrugsgeschäfte verwaltet haben.

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